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Landeszeitung

28. Mai 2016 | 04:01 Uhr

Weltfrauentag : „Wir müssen unsere Rechte bewahren“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Heute ist Welt-Frauentag. Viel ist erreicht worden, aber es kommen auf die Gesellschaft neue Herausforderungen zu.

„Heute ist alles möglich. Wir haben schon unheimlich viel erreicht.“ Mit diesen Worten beschreibt Bircka Lembcke die Situation der Frauen in der Bundesrepublik. Der Welt-Frauentag am heutigen 8. März ist eine Gelegenheit, den Blick darauf zu richten, wie es um die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage von Frauen bestellt ist. Für Lembcke, Vorsitzende der Frauen Union Rendsburg-Eckernförde aus Westerrönfeld, ist trotz aller Fortschritte klar, das noch einiges zu tun ist. „Frauen trauen sich oft nicht“, lautet ihre Erfahrung – sei es in Bezug auf berufliche oder politische Karriere.

Im Moment sei der Einsatz für Frauenrechte besonders wichtig, sagte Antje Jürgens. Eine neue Herausforderung ergebe sich durch die hohe Zahl von Flüchtlingen, stellt sie fest – ebenso wie andere Frauen, die sich gesellschaftlich engagieren. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Achterwehr berichtet von einem Sprachkurs für Asylanten. Vier Frauen waren dabei – aber sie saßen einwenig abseits an einem extra Tisch. „Dafür haben wir nicht Jahrzehnte gekämpft“, erklärt Antje Jürgens und sorgte sofort dafür, dass die Frauen integriert wurden.

„Wir müssen darauf achten, das die Errungenschaften nicht mit einem Handschlag wegradiert werden“, sagt Carola Schnoor. Sie ist Vorsitzende der Frauen Union in Kronshagen, mit 130 Mitgliedern eine große Gruppierung, und hat Ähnliches beobachtet wie Antje Jürgens. Die Errungenschaften: Seit 1900 dürfen Frauen in Berlin studieren. Suffragetten in England und Deutschland erstritten für die Frauen das Wahlreicht, das seit 1918 in Deutschland gilt. Erst 1977 abgeschafft wurde der Paragraph im Bürgerlichen Gesetzbuch, nach dem der Ehemann seiner Frau verbieten konnte, berufstätig zu sein. Vergewaltigung in der Ehe ist seit 1997 in Deutschland als Straftatbestand anerkannt. Alles Rechte und Freiheiten, die gerade in jenen Ländern, aus denen die Menschen nach Deutschland flüchten, weitgehend unbekannt sind (siehe Informationen rechts).

Auch Silvia Kempe-Waedt, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Rendsburg-Eckernförde betont: „Wir haben schon viel erreicht.“ Klar ist aber auch: „Das wollen wir auf keinen Fall aufgeben.“ Doch Frauen, die aus Afghanistan oder dem Irak in den Norden Deutschlands kommen, tragen vielfach ein Kopftuch. Sie sind es gewohnt, dass der Ehemann die Entscheidungen trifft. Sie kennen es nicht anders, als dass der Mann oder die Familie darüber bestimmen, wie viele Kinder sie bekommen und ob sie berufstätig sein dürfen, weiß Rosana Trautrims. Die gebürtige Brasilianerin ist Mitarbeiterin beim UTS Arbeitsmarktservice und engagiert sich seit Jahren für die Migranten in Rendsburg und Umgebung. „Es braucht Zeit“, sagt sie und macht deutlich, wie anders die Gesellschaften seien, aus denen viele der Flüchtlinge kommen und das die Umstellung auch für die Männer nicht immer einfach sei. Das beginne bereits bei der Definition des Begriffes Gewalt. So sei selbst für gebildete Männer jener Kulturkreise klar, das tätliche Gewalt nicht in Ordnung ist – auch wenn ihre Gesellschaft diese akzeptiert. „Aber es ist auch eine Form von Gewalt, die Frauen zu zwingen, ein Kopftuch zu tragen oder zu Hause zu bleiben,“ macht Trautrims deutlich. So lautet eine Forderung der „Grünen“, dass geflüchtete Frauen und Mädchen Schutz und Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben benötigen. Ein Ergebnis der Integration konnte Rosana Trautrims beobachten. Sie traf eine Afghanin wieder. „Vor zwei Jahren kleidete sich wie eine alte Frau.“ Jetzt hatte sie eine schicke Frisur, trug einen engen Mantel.

Die Wahrnehmung jüngerer Frauen laute: Es ist doch alles gut, weiß Gleichstellungsbeauftragte Silvia Kempe-Waedt. Doch „wir müssen am Ball bleiben“, sagt Claudia Schnoor. Und Antje Jürgens fordert: „Wir müssen junge Frauen sensibilisieren“ – damit die Frauenrecht weiter gewahrt werden. Zum Thema „Häusliche Gewalt“ Seite 8

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erstellt am 08.Mär.2016 | 09:19 Uhr

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