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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 19:43 Uhr

Brunftzeit : Wildunfälle häufen sich

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Polizei-Statistik verzeichnet im Kreis Rendsburg-Eckernförde die meisten überfahrenen Tiere. Jäger geben Hinweise zum richtigen Verhalten.

Mit Beginn der dunkleren Jahreszeit kommt es vermehrt zu Wildunfällen. Es ist Brunftzeit. Auch die Ernte macht den Tieren zu schaffen. Durch die landwirtschaftlichen Maschinen werden sie zusätzlich aufgeschreckt, hohe Felder dienen nicht mehr als Versteck, oft wechseln Reh, Wildschwein und Co. die Straßenseiten, um sich neue Rückzugsorte oder Futter zu suchen. „Und das bedeutet auch eine größere Gefahr im Straßenverkehr“, sagt Tobias Christer, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost. Laut Statistik der Landespolizei verzeichnet der Kreis Rendsburg-Eckernförde die meisten Unfälle: 2246, gefolgt von Schleswig-Flensburg (1603) und Segeberg und Ostholstein (beide 1572).

Dabei sei aber nicht unbedingt das Verhalten der Tiere gefährlich. „Autofahrer nehmen keine Rücksicht“, ist sich Christer sicher und nennt ein Beispiel: „Wenn jemand eine unbekannte Strecke im Dunkeln fährt und entsprechende Schilder auf Wildwechsel hinweisen, passt der Fahrer seine Geschwindigkeit an. Fährt aber jemand täglich die gleiche Strecke zur Arbeit, werden Warnhinweise kaum noch wahrgenommen beziehungsweise ignoriert.“ Dem Jäger zufolge ist die zu hohe Geschwindigkeit der Autofahrer Hauptursache: „So stirbt ein Viertel aller Rehe durch Wildunfälle.“ Zudem seien entsprechende Warnhinweise nur an Stellen ausgeschildert, an denen es bereits zu Unfällen kam. „Doch ein Reh kann auch an anderen Stellen die Straße überqueren.“

Ein Aufprall könne bereits mit nur 20 Kilometern pro Stunde weniger verhindert werden: Bei einer Reduzierung von 100 auf 80 verkürzt sich der Bremsweg um 35 Meter. Entscheidende Meter, denn mit Tempo 80 kann ein Fahrer noch rechtzeitig zum Stehen kommen, wenn in 60 Metern Entfernung ein Tier zu sehen ist. Bei Tempo 100 ist dies nicht mehr möglich. Merkt ein Fahrer, dass er einen Zusammenprall nicht mehr verhindern kann, rät Tobias Christer: „Lieber kontrolliert zusammenstoßen, als unkontrolliert ausweichen.“ Darauf weist auch der Deutsche Jagdverband gemeinsam mit dem ADAC hin. „Eine angepasste Geschwindigkeit der entsprechenden Jahres- und Tageszeit ist dabei nicht nur wichtig für das Tier, sondern vor allem für den Menschen“, betont der Vorsitzende und warnt: „Lässt sich ein Zusammenprall nicht vermeiden, auf gar keinen Fall ausweichen. Das hat meist schlimmere Folgen.“ Kommt es zu einem Unfall, sollte dieser gemeldet werden, „bei Schalenwild – also Horn- und Geweihträger sowie Wildschweine – ist es sogar meldepflichtig“, ergänzt der Experte.

In den vergangenen Jahren wurden auf Initiative der Jäger bereits blaue Warnreflektoren an Straßenpfosten angebracht, die der Abschreckung der Tiere dienen. Nachweislich habe sich die Zahl der Unfälle seitdem reduziert, weiß auch Hans-Karsten Schwartz, Hegeringsleiter in Langwedel. Entlang der Landesstraße 298 zwischen Nortorf und Blumenthal sind beidseitig entsprechende Reflektoren angebracht. „Seitdem zählen wir weniger Unfälle“, freut sich Schwartz, „die Tiere haben sich an das Licht nicht gewöhnt. Es schreckt sie weiter ab.“

Neben der Anpassung der Geschwindigkeit haben die Experten noch weitere Tipps: „Ein Tier kommt selten allein, also immer mit Nachzüglern rechnen.“ Wenn möglich, sollte mit Fernlicht gefahren werden, so werden zum Beispiel Rehe besser erkannt, denn ihre Augen haben eine reflektierende Wirkung. Sieht man ein Tier am Straßenrand, sofort Fuß auf die Bremse, abblenden und Hupen. Mit dem erhöhten Wildwechsel sei in der Regel von September bis Januar und auch im Sommer zwischen Juli und August zu rechnen, denn dann sind viele Tiere auf „Brautschau“. Mit etwas mehr Rücksichtnahme könne die Zahl der Wildunfälle weiter sinken, ist sich Tobias Christer sicher und sagt: „Jedes Tier, das nicht überfahren wird, ist ein Gewinn.“

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erstellt am 29.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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