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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 21:42 Uhr

Ratsversammlung gibt Geld frei : Widerstand im Rathaus gegen Billigkräfte in Kitas

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Personalrat lehnt 450-Euro-Jobs ab. Politik gibt 14 000 Euro als Soforthilfe frei.

Das Personal in den vier städtischen Kindertagesstätten kann ab sofort verstärkt werden. Die Ratsversammlung gab am Dienstag einstimmig 14  000 Euro dafür frei. Noch ist jedoch unklar, wie der Auftrag aus der Politik kurzfristig umgesetzt werden kann. Der Personalrat der Stadtverwaltung lehnt Minijobs strikt ab und würde von seinem Vetorecht Gebrauch machen, sollte die Stadt den Versuch starten, Billigkräfte in den Kitas zu beschäftigen. „450-Euro-Kräfte vernichten Jobs“, sagte der Personalratsvorsitzende Simon Philipp gestern auf Anfrage. „Wenn wir damit anfangen, hat das negative Auswirkungen für die gesamte Belegschaft.“

Der Personalratsvorsitzende schlägt vor, dem Stammpersonal die Möglichkeit zu geben, mehr als bisher zu arbeiten. Das sei auch im Sinne der Kita-Leitungen, merkte Philipp an. Er vertritt knapp 400 Mitarbeiter in der Kernverwaltung und den Außenstellen. In den Kitas sind nach seinen Angaben viele Teilzeitbeschäftigte tätig, die problemlos aufstocken könnten.

Auf der Suche nach Verstärkung von Außen steht man im Fachdienst Familie vor einem Problem. Der Arbeitsmarkt für Erzieher ist leergefegt. Zudem gilt der Job als „Springer“, der immer dort zur Stelle ist, wo Stammpersonal ausgefallen ist, als wenig attraktiv. „Ich brauche Menschen, die uns verstärken“, sagte Leiterin Brigitte Fugmann. „Derzeit gibt es niemanden, der auf Abruf bereitsteht.“ Von zwei Vertretungskräften, die seit diesem Jahr in den kommunalen Kitas aushelfen, hat eine schon wieder aufgehört. Die Stelle wird neu ausgeschrieben und ist noch nicht wieder besetzt. Mit Beginn der Erkältungswelle drohen erneut tageweise Gruppenschließungen.

Auf die „desolate Situation des Personals“ hatte Edda Lange aus der Elternvertretung der Kita Neuwerk die Ratsversammlung aufmerksam gemacht. Ihr mehrfach geäußerter Appell ist wohl angekommen. Denn das Gremium fasste noch einen weiteren Beschluss, der die Personalsituation mittelfristig entspannen könnte. Es stimmte für einen Antrag, den CDU, Grüne und Soziales Rendsburg eingebracht hatten. Signal: Über die Freigabe weiterer Mittel für 2017 soll in den kommenden Haushaltsberatungen entschieden werden.

Für einen deutlich konkreter gefassten Vorstoß von SPD, SSW und Modernes Rendsburg fand sich keine Mehrheit. Das Bündnis hatte für das kommende Jahr zwei Vollzeit- oder vier Halbtagsvertretungskräfte einstellen wollen (Kosten: 94  000 Euro). „Die Kitas sind kein Versuchsfeld für Privatisierungswünsche“, sagte Ratsherr Matthias Bruhn (SPD) und warb für die Schaffung vollwertiger Stellen. Es sei aus pädagogischer Sicht ein Fehler, den Mangel durch Honorarkräfte abzudecken. Kleine Kinder brauchten Bezugspersonen. „Es darf nicht um Aufbewahrung gehen, wir brauchen gut ausgebildete Kräfte.“ Andreas Vollstedt (SSW) ging es darum, „ein Zeichen zu setzen, um endlich eine zukunftsfähige Lösung zu erreichen“. Der Antrag wurde mit knapper Zwei-Stimmen-Mehrheit abgelehnt.

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