zur Navigation springen

Landeszeitung

06. Dezember 2016 | 15:15 Uhr

Rendsburg : Wer kontrolliert die Höhenkontrolle im Kanaltunnel?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Vier Meter Maximum: Höhere Wagen lösen das neue Warnsystem an der Kanaltunnel-Oströhre aus. Am ersten Tag mit Berufsverkehr war das sieben Mal der Fall. Und so wurde wieder der Verkehr lahm gelegt.

Rendsburg | Mehrere hundert Autofahrer haben es am Dienstag zu spüren bekommen: Der Kanaltunnel ist zwar etwa zur Hälfte saniert – durch die neue Höhenkontrolle ist er jedoch auch unberechenbarer geworden. Bis 16 Uhr wurde das System insgesamt sieben Mal ausgelöst, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Gleich zwei Mal während des Berufsverkehrs am Dienstagvormittag wurden Lastwagen kurz vor Erreichen der erst am Sonnabend wiedereröffneten Oströhre angehalten.

Die Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels hatte sich über Jahre hingezogen und war für Anwohner, Pendler und die Wirtschaft ein großes Ärgernis. Lange blieb die Oströhre geschlossen, auch als sie von außen fertig aussah und keine Bauarbeiter zu sehen waren, war sie für den Verkehr geschlossen. Im Juli 2016 fuhren ein Auto- und ein Motorradfahrer trotz Sperrung durch die Röhre und filmten sich dabei. Am 1. Oktober wurde die Röhre freigegeben.

Die Lkw überschritten das erlaubte Maximalmaß von vier Metern. Die Polizei rückte aus, um die Lastwagen zu überprüfen. In der Folge bildeten sich lange Fahrzeugschlangen. Eine reichte auf der B202 zurück bis zur A210. Auch auf der B77 wurde die Geduld der Autofahrer auf die Probe gestellt. Am Arbeitsplatz, beim Mittagstisch und im Supermarkt waren die Staus am Kanaltunnel, wenige Tage nach der lang ersehnten Freigabe der Oströhre, Gesprächsthema Nummer eins.

Die Messanlagen der Höhenkontrolle befinden sich mehrere hundert Meter vor den Tunnelportalen auf beiden Seiten des Kanals. Zwei Ausleger überspannen die Fahrbahn bis zum Mittelstreifen. Weitere Sensoren, die unauffälliger an schlichten Masten angebracht sind, befinden sich an den seitlichen Zufahrten von der Bundesstraße 202 aus Richtung Kiel (Südseite) und vom Rendsburger Stadtgebiet kommend (Nordseite).

Werden die Anlagen von einem Fahrzeug passiert, dessen Höhe über vier Meter beträgt, folgt eine technische Kettenreaktion: Die Höhenkontrolle meldet dies an einen Zentralcomputer, dieser schaltet umgehend die Ampeln der betreffenden Richtungsfahrbahn auf Rot. Niemand darf mehr in den Tunnel einfahren. Gleichzeitig wird die Polizei alarmiert. Die Beamten müssen vor Ort entscheiden, ob der Höhensünder den Tunnel doch passieren kann oder ob er wenden muss.

Nach Angaben aus der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in Kiel wird dieser Vorgang erst ab Ende der Woche vollautomatisch ablaufen. Am Mittwoch und in den kommenden Tagen betätigt noch das Personal im Leitstand alle Sperreinrichtungen. Die Kommandobrücke ist rund um die Uhr besetzt. Spätestens ab Montag, 10. Oktober, gibt es kein Pardon mehr: Wer mit zu hohen Aufbauten durch die Infrarot-Lichtschranke fährt, löst eine Vollsperrung aus. Sönke Meesenburg, Leiter der Planungsgruppe für den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals und verantwortlich für die Tunnelsanierung, baut auf einen Lerneffekt bei den ortskundigen Lkw-Fahrern. „Wir hoffen, dass bis dahin alle Fahrer von Fahrzeugen mit ,Auslösungspotenzial' ihr Verhalten darauf eingerichtet haben werden.“

24 Stunden, sieben Tage die Woche: Der Leitstand, von dem aus der gesamte Tunnel überwacht wird, ist rund um die Uhr besetzt.
24 Stunden, sieben Tage die Woche: Der Leitstand, von dem aus der gesamte Tunnel überwacht wird, ist rund um die Uhr besetzt. Foto: eckhardt
 

Im schlechtesten Fall müssen selbst 18 Meter lange Sattelschlepper vor dem Tunnel wenden. Dazu müsste der Verkehr auch in der Gegenrichtung angehalten werden. Die Lastwagen, die gestern um 8 Uhr und um 9.30 Uhr gestoppt wurden, durften den Tunnel nach einer Überprüfung durch Polizeibeamte passieren.

Unmut löst bei Autofahrern zudem der unverändert fehlende Radioempfang im Kanaltunnel aus. Auch nach ihrer Sanierung steckt die Oströhre im Funkloch. Auf Nachfrage zu diesem Punkt korrigierte der Projektverantwortliche Meesenburg frühere Angaben. Im Mai hatte er noch angekündigt, in der sanierten Tunnelhälfte werde es Empfang geben. Am Tag der Einheit gab er an, erst nach Abschluss der Gesamtsanierung sei damit zu rechnen.

„Radioempfang ist ab November möglich“, sagt Sönke Meesenburg, Leiter der Tunnelsanierung.
„Radioempfang ist ab November möglich“, sagt Sönke Meesenburg, Leiter der Tunnelsanierung. Foto: dpa
 

Am Dienstag schickte er die Korrektur der Korrektur: „Zur Fertigstellung der Radioverfügbarkeit im Tunnel muss noch ein Sende/Empfängermast aufgestellt werden. Die Durchführung wurde geschoben, um der Verkehrsfreigabe Priorität zu gewähren“, schrieb Meesenburg. „Tatsächlich erwartet unser Fachingenieur, dass Radiosender ab Anfang November in der Oströhre verfügbar sein werden.“ Mobiltelefone seien schon jetzt kein Problem. Als Beweis führte Meesenburg sich selbst an: „Mein Handy hat am Freitag im Tunnel funktioniert.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 05.Okt.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen