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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 09:56 Uhr

Sommerkonzerte in der Marienkirche : Wenn zwei Instrumente verschmelzen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seltene Kombination: Gitarre und Mandoline im Sommerkonzert. Jens-Uwe Popp und Jochen Roß Werke spielten Werke von Scarlatti bis Piazolla.

Für Musikfreunde gibt es jetzt wieder einen festen Termin: Mittwochs kurz nach 18 Uhr in der St. Marienkirche. Dort haben die Sommerkonzerte begonnen. Das erste von neun (bis einschließlich 31. August, Beginn jeweils 18.10 Uhr) erwies sich als Erlebnis der besonderen Art. Mit Jens-Uwe Popp und Jochen Roß hatte der Kirchenmusiker und Sommerkonzertplaner Volker Linhardt ins Volle getroffen: Beide Künstler, hoch ausgezeichnete und herausragende Könner auf ihren Instrumenten, stellten sich ganz in den Dienst der Musik. Die seltene Kombination von Gitarre und Mandoline verzauberte von der ersten Sekunde an.

Jens-Uwe Popp wurde in der Profi-Musikwelt als Mitglied des „Giora-Feidmann-“ und des „David-Orlowsky-Trios“ Echo-Klassik-Preisträger. Er ist damit im professionellen Musikbetrieb so etwas wie „geadelt“. Jochen Roß, Sieger eines Wettbewerbs für Mandoline solo in Schweinfurt, lebte ein halbes Jahr in Schottland. Von dort brachte er außer musikalischer Inspiration auch eine für ihn gebaute Mandoline mit. Zu Zeiten gefertigt, als der Einsatz von Tropenhölzern nicht gestattet war, verwendete sein schottischer Instrumentenbauer abgelagertes Holz alter Whisky-Fässer. Wie weit das den Klang dieses Instrumentes beflügelt hat, war nicht herauszufinden. Wohl aber die herausragende Beherrschung des Instrumentes durch Jochen Roß, der feinsinnig und virtuos im besten Sinne die Saiten im Zusammenklang mit Jens-Uwe Popp zupfte. Vom ersten Klang an verzauberten beide bestens abgestimmt mit sehr gut anhörbaren und klangfarbenreichen Titeln das Sommerkonzert-Publikum. Zwei Seelen – vier Hände – ein Klang: Außergewöhnlich das innere Verständnis der beiden. Mit geschlossenen Augen glaubte man ein Instrument zu hören, das es gar nicht gibt: Wie eine Gitarre mit zwei Registern. Das Fundament vom großen Instrument, Melodien und Verzierungen von der kleineren, heller klingenden Mandoline. Alles mit einschmeichelndem Klang. Damit wurde Domenico Scarlattis Sonate K. 88 zu einer sanft betörenden Hörerfahrung. Im Original fürs Cembalo gedacht, wirkte sie nun gar nicht mehr bissig oder starr.

Bewundernswert auch die Ruhe und Intensität, mit der die beiden das Publikum entschleunigten. Gespannt und geduldig genoss man ihre Vorbereitungen zum Spiel und ihren Ansagen, machte auch die Erfahrung, dass neu komponierte Musik für Zupfinstrumente wie „Lounge“ und „Satin“ von Jens-Uwe Popp oder das schottisch inspirierte „The Dark And Slender Boy“ (Der dunkle, schlanke Junge als Synonym für eine Whisky-Flasche) reichlich Atmosphäre verbreiten können. Verblüffend auch der schnelle Stimmungswechsel zu Astor Piazzollas „Nightclub“ aus der „History of Tango“: Das „Juchhu“ am Schluss kam aus dem Publikum. Alles zusammen: Musik mit tief bewegendem Ausdruck und Zupfkunst auf höchstem Niveau.

 

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