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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 07:43 Uhr

Serie: Mit dem Bauern durchs Jahr : „Wenn’s staubt, ist das gut“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Auf dem Hof Butenschön ist die Getreide-Ernte so gut wie abgeschlossen. Die Landmaschinen sind Tag und Nacht unterwegs.

Die Landwirtschaft erzeugt Lebensmittel – Fleisch, Gemüse und Obst. Wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig hat sie sich in den vergangenen hundert Jahren gewandelt. Trotz des Einsatzes von Computer und High-Tech ist eines geblieben: die Abhängigkeit vom Wetter. Was den Alltag eines Landwirtes bestimmt, zeigen wir ein Jahr lang am Beispiel des Milchviehbetriebes Butenschön. Der August ist Erntemonat.

Es gleicht einem Glücksspiel: Stimmt die Wettervorhersage? Ist es trocken an jenen Tagen, für die der Mähdrescher geordert ist? Hat das Korn dann die nötige Beschaffenheit? Alles Fragen, auf die Henrik Butenschön und sein Team keine eindeutigen Antworten geben konnten, als sie die Roggenernte planten. Als es so weit ist, sieht der Hofbesitzer nicht fröhlich aus. „Es ist eigentlich kein Dreschwetter“, sagt er und deutet auf einige Stellen, an denen das Getreide flach am Boden liegt. Der Nieselregen der vorangegangenen Tage hat es niedergedrückt. Aber die Maschine von der Dreschgenossenschaft steht bereit – also wird geerntet.

Insgesamt 24 Hektar Roggen hat Henrik Butenschön angebaut, an diesem Tag wird mit der Ernte auf den ersten fünf Hektar begonnen. Das Getreide dient als Futter für seine Kühe. Der Landwirt nimmt eine Ähre zwischen die Finger. „Als Brotroggen nicht geeignet“, sagt er – weil zu feucht. Den Tag zuvor hatte das Getreide noch eine Kornfeuchte von 20 Prozent, an diesem Vormittag ist er auf 19 Prozent gesunken. Optimal ist das nicht. Würde Butenschön den Roggen abliefern, müsste er ab über 14 Prozent Feuchte eine Trocknungsgebühr zahlen. Aber der Bargstedter Landwirt lagert das Getreide selbst ein.

„Die nächsten Tage wird es richtig trocken“, ist er sich sicher. Seine Prognose stützt sich auf das Wetterfax vom Deutschen Bauernverband – so die Bezeichnung des Dienstes. Abgerufen wird die Vorhersage per Mail. Nebel, Wind, Luft- und Kornfeuchte sind detailliert angegeben. Allerdings kann sich der Bargstedter nicht spontan entscheiden. Denn einen Mähdrescher hat er nicht. Ab 200  000 Euro kostet so eine Maschine, „nach oben hin gibt’s keine Grenze“. Butenschön ist Vorsitzender der Dreschgenossenschaft Bargstedt. 15 aktive Bauern haben sich hier zusammengeschlossen, zwei Mähdrescher hat die Gemeinschaft. Beim „Einteiler“ müssen alle ihren Wunschtermin anmelden. Eine Woche im Voraus hat Henrik Butenschön das erledigt. Zeigt sich, dass er die Maschinen an den bestellten Tagen nicht nutzen kann, muss er warten, bis wieder ein Termin frei ist – natürlich erneut mit der Ungewissheit, ob dann das Wetter mitspielt.

Am ersten Dreschtag scheint – wenn anfangs auch nur verhalten – die Sonne. Mitarbeiter Ralph Denker steuert den Mähdrescher, mit weitem Blick in die Landschaft. Die Fahrerkabine ist klimatisiert, Lärm und Dreck bleiben draußen. „Früher hatten die Maschinen nur eine offene Überdachung“, weiß der landwirtschaftliche Angestellte. „Da war man hinterher schwarz.“ Noch ist die Staubwolke klein, die der Drescher produziert. „Wenn’s ordentlich staubt, dann ist das okay“, erklärt Henrik Butenschön. Denn das bedeutet, Boden und Korn sind trocken. Vorne frisst sich das breite, rote Schneidewerkzeug durch das Feld, das Schnittgut wird dann in die Dreschtrommel befördert, wo die Ähren aufgebrochen werden. Zirka 60 Prozent fallen durch den Dreschkorb, der Rest wird durch ein Sieb geschüttelt. Das Korn landet im Tank der Maschine, der dreieinhalb Tonnen fasst. Auf dem Feld bleibt das Stroh liegen.

„Wenn der Roggen trocken ist, mähen wir zirka zwei Hektar in einer Stunde. Momentan benötigen wir eine Stunde für einen Hektar“, erklärt der Landwirt, der optimistisch ist: „Das wird sich im Laufe des Tages steigern, wenn die Sonne das Getreide getrocknet hat.“ Für Ralph Denker bedeutet die Ernte: Mähen, mähen, mähen. Im Fach über der Klimaanlage kann er Getränke kühlen. Braucht er eine Pause, soll Butenschön-Sohn Tjark einspringen und wird daher jetzt auf dem Mähdrescher angelernt. „Die Maschinen müssen laufen“, sagt Butenschön. Wenn sein Angestellter erschöpft ist, springen abends Hilfskräfte ein – Lkw-Fahrer von der Müllabfuhr oder anderen Unternehmen.

Erst einmal muss der Chef aber aktiv werden. Er startet den Traktor mit dem Hänger, den sogenannten Abfahrer. Beim Mähdrescher schwenkt ein Rohr aus. Befindet sich der Hänger direkt darunter, öffnet Ralph Denker den Tank, eine Körnerflut schießt hervor. Nach wenigen Minuten ist Schluss. Butenschön fährt zum Hof, manövriert den randvollen Hänger rückwärts in eine Box. Hier wird das Getreide zwischengelagert. Der Bargstedter Landwirt greift sich eine Handvoll Getreide und macht die Nagelprobe. Das Korn muss knacken. Optimal ist es noch nicht. „Wenn es später 17 Prozent Feuchtigkeit sind, bin ich schon zufrieden“, sagt der Bargstedter Landwirt.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 17:10 Uhr

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