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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 21:28 Uhr

Rendsburger bei Olympia : Wenn Lauritz rudert, ist die Hütte voll

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Rendsburger Primaner Ruderclub fiebert der olympischen Regatta entgegen. G8 bereitet dem Schülerverein große Probleme.

Rendsburg | Die Spannung steigt im ältesten Schülerruder-Verein Deutschlands. Wenn am Sonnabend Lauritz Schoof erstmals in Rio ins Ruderboot steigt, um sein olympisches Gold zu verteidigen, fiebern auch alle Mitglieder des Rendsburger Primaner Ruderclub von 1880 (RPRC) mit. Dann ist im Bootshaus am Wickenhagenweg Public Viewing angesagt, denn Schoof ist einer von ihnen. Genauso wie sie ist der ehemalige Herder-Schüler hier zum ersten Mal in ein Ruderboot geklettert. Das verbindet. „Die meisten von uns kennen ihn persönlich, und er ist immer noch häufig in der Region“, sagt Alexander Kasch (18). „Wir schrauben zwar gerade an einem Boot“, sagt der Kassenwart des RPRCs, „aber wenn Lauritz rudert, lassen wir alles liegen.“ Genau wie bei dem Olympioniken hat der Eintritt in den RPRC auch das Leben von Alexander Kasch verändert. Das Arbeiten in und an den Booten hat seinen Berufswunsch herauskristallisiert: Er will eine Ausbildung zum Bootsbauer machen. „Für mich hat es sich gelohnt, dass ich hier jahrelang der Bootswart des RPRCs war“, sagt er.

Was den Verein so besonders macht, ist, dass er von den Schülern selbst verwaltet wird. Der erste Vorsitzende ist gerade einmal 16 Jahre alt, aber er trägt einen Großteil der Verantwortung. An seine Aufgaben wurde er langsam herangeführt. „Wer sich hier ein bisschen anstrengt, kommt schnell über kleinere Aufgaben hin zu den größeren“, sagt Laß. „Was ich hier gelernt habe, das Planen und Verwalten eines Vereins, das wird mir sicher später im Leben noch helfen“, ist er überzeugt. Auch Kasch bescheinigt ihm eine Entwicklung, die ohne den RPRC vielleicht sehr viel länger gedauert hätte. „Als er hier ankam, war er ein ganz Stiller, hat so gut wie nie etwas gesagt. Heute hält er den Laden zusammen und sagt den Leuten, wo es lang geht.“ Trotz seiner Jugend neigt sich Laß’ Amtszeit als „Präside“ bereits dem Ende. Wenn er in zwei Jahren Abitur macht, muss er eigentlich den Primaner Ruderclub verlassen. So sah es bislang die Satzung des Vereins vor, denn Mitglieder dürfen nur Schüler der Herder-Schule sein. Aber die Einführung des verkürzten Abiturs hat diese eherne Regel geschliffen. Weil ein Verein mindestens ein volljähriges Mitglied haben muss, das auch juristisch verantwortlich ist, hatten die Ruderprimaner auf einmal ein Problem – es gab in ihren Reihen schlicht keine erwachsenen Schüler mehr. Der neu geschaffene Ältestenrat, in dem auch Kasch Mitglied ist, gleicht diese Lücke aus. Eine ganz andere Lücke konnte bislang noch nicht geschlossen werden. „Uns fehlt ein kompletter Jahrgang, der wegen G8 weggefallen ist“, sagt Kasch. 34 aktive Mitglieder zwischen zwölf und 17 Jahren hat der Verein. „Wir hatten auch schon einmal gut und gerne zehn Mitglieder mehr.“ Und während die Schüler früher nach der sechsten Schulstunde noch Zeit hatten, nach Hause zu fahren, zu Mittag zu essen und die Hausaufgaben zu machen, geht es jetzt wegen des Nachmittagsunterrichtes häufig direkt von der Schule zum Training. Die Mehrfachbelastung schreckt viele ab.

Und das, obwohl der RPRC eigentlich einen hohen Freizeitwert hat. Der Rudersport steht dabei nicht zwangsläufig im Vordergrund. In das Bootshaus, das 1915 von Gefangenen der seinerzeit benachbarten Justizvollzugsanstalt gebaut wurde, verliert sich kaum ein Erwachsener. „Das Vereinsleben ist ganz anders, als wenn eine Lehrkraft dabei wäre“, sagt Kasch. Freier, weniger zwanghaft. Natürlich gibt es Hierarchien, doch das Miteinander ist auf Augenhöhe. Allein der Clubraum sei für die Jugendlichen von unschätzbarem Wert. „Das ist unsere Begegnungsstätte.“

Finanziert wird der Verein durch Spenden. Ein Schüler hat sich ganz der Akquise gewidmet. „Er schafft das Geld für die Bootskäufe ran“, sagt Kasch, der Kassenwart. Inzwischen gibt es Partnerschaften zwischen den Ruderprimanern und Unternehmen. Auch das ist eine Erfahrung, die junge Menschen in einem selbstverwalteten Verein machen können. Wer knüpft sonst schon während seiner Schulzeit Kontakte in die Wirtschaftswelt? 

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erstellt am 03.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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