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Süderstapel : Wenn die Wände aufgehen wie ein Hefekuchen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

St. Katharinenkirche muss abgestützt werden. Keine Gefahr für die Besucher.

Der schlechte Zustand der St. Katharinenkirche in Süderstapel ist ein Dauerbrenner. Jetzt wölben sich die Außenmauern im Bereich der Ecken nach außen. „Wir wissen nicht, ob es sich um das befürchtete Ettringit-Treiben handelt“, erklärt Sylvia Schönrock, Leiterin der Bauabteilung des Kirchenkreises. „Einige Steine haben sich gelockert und drohen heraus zu fallen. Wir haben eine Wand erst einmal mit einem Gerüst gesichert.“

Was genau hinter der Mauer geschieht, ist noch unbekannt. Im Grunde genommen ist das sogenannte Ettringit-Treiben im Betonbau sogar erwünscht, denn es verhindert durch die Sulfat-Zumischung zum Zement, dass dieser nicht sofort aushärtet, sondern länger verarbeitet werden kann. „Bei anderen Kirchen haben wir dieses Phänomen schon feststellen müssen: Wenn Zement, Gips und Wasser zusammen kommen, bläht sich das auf wie ein Hefekuchen“, so die Bauexpertin. Bis zum dreifachen Volumen der Ausgangsmenge kann so eine Mischung erreichen.

Im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens soll nun die Ursache für die Schäden in Süderstapel festgestellt werden. Ein Gerüst soll verhindern, dass sich einzelne Steine aus dem Verbund lösen können, denn das könnte eine Kettenreaktion auslösen. Die innere, stärkere Mauer zeigt keine Veränderungen, die äußere, dünnere Mauer ist der Schwachpunkt. Die besondere Konstruktion der Mauer ist 2008 bei Untersuchungen ermittelt worden. Probebohrungen in ein, drei und sechs Metern Höhe ergaben: Die Kirche wurde vor mehr als 800 Jahren zweischalig gebaut. Innen- und Außenmauer bestehen aus Feldsteinen und Findlingen, die mit Mörtel verbunden sind. Den Zwischenraum hat man mit Steinen und anderen Materialien verfüllt. Durch undichte Stellen in der Außenmauer hat diese Füllung Feuchtigkeit aufgenommen und ist im Laufe der Jahrhunderte in sich zusammengesackt.

Im oberen Bereich der Mauern sind so Hohlräume erheblichen Ausmaßes entstanden. Da sich die Mauerschalen an diesen Stellen nicht mehr gegenseitig stützen, hätte es bei einem stärkeren Orkan zu einer Überlastung und einem Einsturz der Mauern kommen können, so die Experten. Also wurde der Hohlraum mit einer Masse verfüllt, die auch die bestehende Füllung durchdringen sollte. Gleichzeitig wurden Außen- und Innenschale an besonders belasteten Stellen – neben Fenstern und Türen und an den Ecken – mit Edelstahlrundstählen, sogenannten Nadeln, verbunden, um eine größere Festigkeit zu erreichen.

Nun muss die Mauer also wieder untersucht werden. Für die Kirchenbesucher besteht wegen der Abstützung keine Gefährdung, erklärt das kirchliche Bauamt. Die Kirchengemeinde, die sich damals für die unbedingt notwendige Sanierung in erhebliche Schulden gestürzt hat (siehe rechts), hofft auf eine entsprechende Entschädigung durch eine Versicherung, damit die Kirche wieder in einen stabilen Zustand versetzt werden kann.

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