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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 08:49 Uhr

Frustrierte Mieter in Rendsburg : Wenn der Hausherr eine Heuschrecke ist

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ende 2004 wurde der Bestand der Rendsburger Wohnungsgesellschaft Hals über Kopf verkauft. Danach wechselten die Besitzer mehrfach, die Wohnungen verkommen zusehends.

Seit 50 Jahren leben Christa Köster (77) und Rosi Jürgensen (78) in ihren Wohnungen im Rotenhöfer Weg. Immer wieder wurde das rote Backsteingebäude in der Vergangenheit verkauft – gefühlt alle zwei Jahre, erzählen die Mieterinnen. Inzwischen sind Haus und Vorplatz in einem unübersehbar schlechten Zustand. Große Schlaglöcher, verrostete Türen, kaputte Wäschestangen und defekte Kellerfenster bieten ein trauriges Bild. Trotz mehrfacher Beschwerde warten die Rendsburgerinnen vergeblich auf die Handwerker. Sie fühlen sich von der Hausverwaltung nicht ernst genommen und wissen sich langsam nicht mehr zu helfen.

Solche Fälle sind dem Mieterbund Schleswig-Holstein nicht unbekannt. Sie gehören laut Geschäftsführer Carsten Wendt zum Tagesgeschäft. „Mängel am Mietgebäude sind bei uns mit das häufigste Beratungsthema“, sagte er. Grund hierfür ist seiner Ansicht nach auch die Tatsache, dass seit dem Großverkauf von kommunalen Wohnungsgebäuden vor rund zehn Jahren, mit dem marode Stadt-Haushalte saniert werden sollten, viele Privatgesellschaften auf den Markt drängen. Diese seien auf Gewinnerzielung aus, so Wendt. „Viele Mieter wissen bei den vielen Veräußerungen oftmals gar nicht mehr, wer ihr Vermieter ist.“

So geht es auch den Damen im Rotenhöfer Weg. Ihre Bleibe zählt zum ehemaligen Bestand der Rendsburger Wohnungsgesellschaft (RWG). Am 30. Dezember 2004 hatte die Ratsversammlung in einer Sondersitzung dem Verkauf von knapp 1400 stadteigenen Wohnungen zugestimmt – nach dem Steuerrecht um fünf Minuten vor Zwölf. Zwei Millionen Euro flossen in die damals schon leere Stadtkasse. Zudem übernahm der neue Eigentümer laufende Schulden in Höhe von 27 Millionen Euro. Das hörte sich gut an. War es aber nicht. Zumindest nicht aus Sicht der Menschen vor Ort. Es begann ein verwirrender Krimi-Mehrteiler, in dem eine gefräßige Heuschrecke in die Hauptrolle schlüpfte. Gemeint sind damit Investoren, denen die Zahlen auf dem Konto wichtiger sind als das Wohl und Wehe ihrer Kunden, hier der Mieter.

Christa Köster und Rosi Jürgensen erhielten im zurückliegenden Jahrzehnt mehrfach Briefe, dass ihre Wohnungen verkauft wurden. „Es sind andauernd andere Gesellschaften, aber man erfährt nie richtig, wer da eigentlich hinter steckt. Sobald etwas am Gebäude gemacht werden soll, wird wiederverkauft“, ist der Eindruck von Christa Köster. Ihre Nachbarin Rosi Jürgensen ergänzte: „Es geht doch nur ums Geld – nicht um die Menschen.“

Die BGP Asset Management GmbH mit Sitz in München ist aktuell Verwalter der Wohnungen. Beschwert haben sich die Frauen bereits im Frühjahr wegen zahlreicher Mängel. „Wir haben nie wieder etwas gehört“, erzählte Jürgensen.

Die neuen Wohnungseigentümer am Rotenhöfer Weg kommen aus China. CIC ist der größte Investor eines von US-Investmentbank Morgan Stanley aufgelegten Fonds, der im Herbst 16.000 Wohnungen in Deutschland erworben hat, darunter das ehemalige RWG-Paket.

Die Hausverwaltung nahm schriftlich zu den Vorwürfen Stellung: „Wir möchten Ihnen versichern, dass wir generell Hinweisen von unseren Mietern schnell und zügig nachgehen. Es ist unser primäres Anliegen, dass sich unsere Mieter bei uns wohlfühlen“, teilte ein Sprecher mit. Mängel am Eingangspodest und an den Dachrinnen sind seinen Angaben zufolge bereits beseitigt worden, Schäden am Vorplatz könnten wegen der Witterungsverhältnisse erst später behoben werden. Zu verrosteten Türen und Fenstern sowie kaputten Wäschestangen, über die sich die Mieter jeden Tag aufs Neue ärgern, sagte er nichts. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren intensiv in den Wohnungsbestand investiert, um Wohnraum zu erhalten, den sich die Menschen leisten können. Es ging dabei immer um pragmatische sowie umlagefreie Verbesserungen für die Mieter. Luxussanierungen gab es bei uns nicht und wird es auch nicht geben. Diesen Ansatz wird BGP beibehalten, denn auch unter unserem neuen Eigentümer verfolgen wir eine nachhaltige und langfristige Bewirtschaftungsstrategie unserer Wohnimmobilien.“

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