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Landeszeitung

11. Dezember 2016 | 15:00 Uhr

Hohn : Wenn aus Eiche ein Fischotter wird

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Holzbildhauer auf der Walz kreierte in Hohn eine neue Figur für das Schaugehege. Etwa 20 Stunden Arbeit stecken in dem Kunstwerk.

20 Stunden wird er insgesamt brauchen, schätzt Johannes Brennsteiner, bis er aus einem Stück Eichenstamm einen Fischotter herausgearbeitet hat. Der Holzbildhauer arbeitet dafür mit Motorsäge und Schnitzeisen. „Ein bisschen Werkzeug habe ich mir dafür extra herschicken lassen“, berichtet der 23-Jährige, der derzeit auf der Walz ist. Auf der Wanderschaft hat er einen Klöpfel, rund 15 Schnitzeisen und eine Axt im Gepäck.

Ursprünglich kommt der junge Mann aus Dingolfing in Niederbayern. Unterwegs ist er nun seit mittlerweile zwei Jahren. Die Reise hat ihn in weite Teile Deutschlands, Österreichs und der Schweiz geführt. Aber auch in Dänemark, Polen, Tschechien, Rumänien und Spanien hat Brennsteiner schon gearbeitet. Seit zwei Wochen nun ist er in Schleswig-Holstein. Unterkunft hat er bei den Eltern eines anderen Wandergesellen gefunden. Und die haben ihm auch seinen aktuellen Auftrag verschafft: eine neue Fischotter-Figur für das Hohner Schaugehege. Die alte ist nach vielen Jahren mittlerweile verwittert und zerfällt.

Bevor der Holzbildhauer jedoch loslegen konnte, erstellte er zunächst anhand von Bildern aus dem Internet ein Modell aus sogenanntem Plastilin, einer Knetmasse. „So kann sich auch der Auftraggeber ein Bild davon machen, wie das Endergebnis aussehen soll“, berichtet der 23-Jährige. Mit der Motorsäge habe er die Anlage geschaffen, mit den vielen verschiedenen Schnitzeisen werden dann die Feinheiten herausgearbeitet. Obwohl er erst am Dienstag mit der Arbeit begonnen hatte, war schon am Mittwoch nicht mehr zu übersehen, was unter den Händen des Holzbildhauers entsteht. „Ab jetzt geht es darum, noch genauer zu werden. Zum Beispiel muss ich noch Details wie die Pfoten und das Gesicht herausarbeiten und den Durchbruch unter dem Bauch und zwischen den Beinen des Fischotters vornehmen.“ Schmirgelpapier soll nicht zum Einsatz kommen, die Oberfläche behält ihre Struktur. „Ein Fischotter hat ja auch keine glatte Haut, sondern Fell.“ Auch einen Farbanstrich bekommt die Figur nicht.

„Da der Stamm frisch ist, lässt sich das Holz gut verarbeiten“, sagt Brennsteiner, der gestern schon fertig werden wollte. Mindestens 20 bis 30 Jahre soll sein Kunstwerk überleben. „Stünde es überdacht, wäre diese Spanne sogar noch deutlich länger“, weiß der Holzbildhauer. In Hohn sei er sehr nett aufgenommen worden. Die Mitarbeiter des Bauhofes hätten ihm geholfen und auch sein Arbeitsplatz sei gut. „Ich habe hier viel Platz, Licht, bin an der frischen Luft und kann abends mein Werkzeug einsperren.“

Er selbst glaubt, dass man für seinen Beruf nicht unbedingt viel Talent braucht. Vieles könne man auch während der Ausbildung lernen. „Man sollte aber geduldig sein, ein bisschen handwerkliches Geschick haben und natürlich kreativ sein“, empfiehlt er. Johannes Brennsteiner mag besonders, dass er nie zweimal dieselbe Figur herstellt. „Einen Fischotter zum Beispiel habe ich noch nie gemacht. Es wird einfach nie monoton.“ Außerdem sei Holz ein lebendiger, nicht giftiger Werkstoff.

Auf der Walz, die traditionsgemäß mindestens drei Jahre und einen Tag dauert, habe er nur gute Erfahrungen gemacht. „Es ist toll, wie viel Gastfreundschaft ich erfahren und wie nett ich aufgenommen worden bin“, fasst der Bayer zusammen. Im Allgemeinen wohne man bei seinen Auftraggebern. Gearbeitet wird aber nicht gegen Kost und Logis, sondern man werde immer auch bezahlt. „Wir wollen ja niemandem die Arbeit wegnehmen, deshalb ist es nur fair, wenn auch die Wandergesellen bezahlt werden.“ Außerdem hat der junge Mann viel Lebenserfahrung hinzugewonnen und gelernt, dass das Wort ganz viel wert ist. „Ohne Handy hält man sich an Absprachen, die man mal getroffen hat. Man kann ja auch gar nicht absagen“, erklärt er. Am coolsten jedoch, so sagt er, sei die Freiheit. Jederzeit entscheiden zu können, wann er wohin geht. Und trotzdem freut er sich auch ein bisschen auf zu Hause in Bayern. „Aber daran mag ich noch nicht denken“, sagt Brennsteiner. Erstmal bleibt er noch ein wenig im Norden – für einen privaten Auftrag. Danach geht es über Hannover nach Tirol.

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erstellt am 11.Sep.2016 | 07:00 Uhr

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