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249 Fälle in 2016 : Weißer Ring lässt Opfer nicht allein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Außenstelle Rendsburg-Eckernförde hilft Opfern von Straftaten. Immer wieder haben sie mit dem Enkeltrick zu tun.

Sie waren oder sind Lehrer, Kaufmann, Kriminalbeamter, Krankenschwester – die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Ringes. Ihr Auftrag: den Opfern von Verbrechen beizustehen. „Bei manchen Fällen habe ich schon mal schlaflose Nächte“, gesteht Karen Thalheim. Aber es überwiegt die Zufriedenheit, wenn sie helfen konnte, versichert die ehemalige kaufmännische Angestellte aus Büdelsdorf. Die Mitarbeiter der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde halfen 2016 in 249 Fällen, erklärte ihr Leiter Karl-Heinz Rath gestern, als er den Jahresbericht vorstellte.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist den Helfern ein spektakulärer Fall des Enkeltricks. Vor allem, weil die Landeszeitung erst drei Wochen zuvor in einem großen Artikel vor den Machenschaften der cleveren Betrüger gewarnt hatte. Eine 81-jährige Dame war ihnen dennoch auf den Leim gegangen und hatte bei der Bank 80  000 Euro abgehoben. „Eine solche Summe kann man doch nicht einfach über den Tresen schieben“, wundert sich Uwe Rath, stellvertretender Landesvorsitzender, noch heute. Er hält eine größere Verantwortung der Kreditinstitute für angebracht. So manches Opfer sei sich vorher sicher gewesen, niemals auf die Tricks der Betrüger hereinzufallen. Umso größer ist dann die Scham, wenn es doch geschehen ist. „Die Täter sind sehr erfinderisch“, betont Stephan Marks, Leiter der Kriminalpolizei Rendsburg. Es sind vielfach Familienclans aus dem Osten Europas, die oftmals außerdem als falsche Polizeibeamte agieren.

Ob es nun die Scham ist, sich zu melden, oder andere Gründe vorherrschen – die Außenstelle Rendsburg-Eckernförde verzeichnete im Vergleich zu den vergangenen Jahren einen Rückgang der Hilfeleistungen. Erklären kann sich Karl-Heinz Rath den Einbruch nicht (Zahlen siehe Info-Kasten). Interessanterweise, so Rath, sei das Verhältnis von männlichen und weiblichen Hilfesuchenden seit Jahren stabil: Überwiegend bitten Frauen persönlich um Hilfe. An die – anonyme – Onlineberatung wenden sich dagegen mehr Männer.

Zuhören, tatkräftige Unterstützung, aber auch finanzielle Hilfe – das Spektrum der Leistungen ist breit gefächert. „Bis zu 300 Euro können direkt und sofort gezahlt werden“, erklärt Karl-Heinz Rath. Das war beispielsweise in jenem Fall nötig, der Karen Thalheim nicht schlafen ließ. Eine junge Frau aus Syrien war im Segeberger Auffanglager von ihrem Ehemann mit dem Messer attackiert worden. „Sie war so verschüchtert, dass sie kaum in der Lage war, zu reden“, erinnert sich die Büdelsdorferin. Außerdem war ein Dolmetscher nötig. Da ihre Kleidung zerrissen war, leistete der Weiße Ring Soforthilfe.

Schwieriger war es einige Zeit später, als die Kinder der Frau krank wurden und ärztliche Betreuung benötigten. Denn: Die Versicherungskarte war auf den Namen des Mannes ausgestellt und befand sich in seinen Händen. In diesem Fall begleitete Karen Thalheim die Frau zur Krankenkasse, um den Versicherungsschutz neu zu organisieren. Hier sei die Grenze zur allgemeinen Hilfeleistung fließend, so die Ehrenamtler. Sie betonen, dass die Organisation die Betroffenen auch in Sachen Opferentschädigung unterstützt, so beispielsweise bei der Klage um eine höhere Rente. Und all das ohne Geld aus öffentlichen Töpfen, sondern allein über Spenden oder Mitgliedsbeiträge, betont Rath. Wichtig ist dem Leiter im Kreis noch, darauf hinzuweisen, dass sich jeder jederzeit an die Hilfeorganisation wenden kann – und dass ihre Angebote für die Kriminalitätsopfer kostenfrei sind.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 12:59 Uhr

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