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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 04:53 Uhr

Nur ein Notprogramm : Wegen Sturms: Forschungsschiff kommt zu spät

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Viele Besucher warteten vergeblich auf die „Ludwig Prandtl“.

Die Ausstellung an Bord über die Forschungsarbeit der wissenschaftlichen Crew fiel buchstäblich ins Wasser: Weil die „Ludwig Prandtl“ wegen des Sturms in der Nacht Heiligenhafen nicht rechtzeitig verlassen konnte, legte sie gestern erst mit drei Stunden Verspätung im Obereiderhafen an. „Unser Schiff reagiert leider recht zickig auf Seegang“, sagte Professor Hans von Storch vom Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrum Geesthacht. „Wir hatten schon Angst, dass wir mit dem Bus kommen müssen.“ Seit 2009 steuern die Wissenschaftler einmal im Jahr mit ihren Forschungsergebnissen die Städte an Nord- und Ostsee und manchmal auch dazwischen an, um Besuchern ihre Arbeit zu erklären.

„Wir haben heute leider nur ein Notprogramm für sie im Angebot“, sagte der Klimaforscher denen, die wartend im Hafen ausgeharrt haben. Immerhin wurden sie mit einer persönliche Führung durch das Forschungsschiff entschädigt. Das 31 Meter lange Schiff hat einen Tiefgang von nur 1,70 Meter. Ideal, um in den Flachen Gewässern an der Küste auf- und abzufahren. Aus dem gleichen Grund aber eben auch bei Sturm zum Warten in den Häfen verdammt.

Verpasst haben die Besucher der „Ludwig Prandtl“ unter anderem die Computeranimationen zum Klimawandel an Nord- und Ostsee. Oder, speziell für Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal interessant, die Aufbereitung der Studien über die Verbreitung von Schiffsabgasen in der Küstenregion. „Grundsätzlich haben wir gute Luft hier im Norden“, sagte der Physiker Volker Matthias. „Aber die Schifffahrt trägt dazu bei, dass sie schlechter wird.“ Rendsburger, die in bester Lage am Kanal wohnen, wissen wovon er redet. „Je näher man an einer Schifffahrtsstraße wohnt, desto schlechter wird die Luft“, sagte Matthias. Besonders leidgeprüfte Einwohner von Städten wie Hamburg können davon ein unschönes Lied singen. Dabei sei die Abgas-Situation insgesamt schon besser geworden, sagte von Storch. Das liege aber vor allem daran, dass an Land weniger Emissionen in die Luft geblasen werden. Die meisten Schiffsdiesel sind dagegen immer noch Luftverpester. „Ausgerechnet die für ihre Emissionen viel gescholtene Kreuzfahrtindustrie ist Vorreiter für saubere Schiffstechnik.“ Neue Abgasgrenzwerte seien zwar eine Herausforderung für die Schiffsbau-Ingenieure. „Sie sind aber auch gut für die maritime Wirtschaft hier in der Region, die von den neuen Vorschriften profitieren wird.“ Und dann hatten es die beiden Wissenschaftler auf einmal ganz eilig. Wenigstens zu ihrem Vortrag in der Pferdehalterei am Ahlmankai wollten sie pünktlich erscheinen. Diesmal stellte sich ihnen kein Sturm in den Weg.  

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erstellt am 08.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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