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Landeszeitung

23. Februar 2017 | 08:05 Uhr

US-Präsidentschaftswahl 2016 : Wahlbeobachter aus Rendsburg: „Ich halte Trump für brandgefährlich“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Ex-Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer hält Trumps Sieg für möglich - und reist selbst in die USA.

Rendsburg | Auch Günter Neugebauer lernt nicht aus. Für den Mann, der den „Heidemord“, den Fall Barschel und einige andere Skandale erlebte, ist mit der Person Donald Trump ein neuer Tiefpunkt in der politischen Kultur erreicht – zumindest in Amerika. „Ich halte ihn für brandgefährlich“, sagt der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete. „Ein Sieg von Trump bei der US-Wahl würde das Verhältnis zu Deutschland erheblich verändern.“

Am 8. November 2016 wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Zuletzt hagelt es viel Kritik für den republikanischen Kandidaten Donald Trump. Nach dem letzten TV-Duell verlor er an Zustimmung. Hillary Clinton liegt in Umfragen derzeit vor ihm. Doch die Stimmung im Wahlkampf ist aufgeheizt. Nichts scheint entschieden. Ein Patzer und die Stimmung könnte kippen.

Der Politiker a. D. verfolgt das Rennen ums Weiße Haus besonders aufmerksam. Er wird es ab der kommenden Woche aus nächster Nähe beobachten. Der 68-jährige Rendsburger reist mit einer elfköpfigen Delegation aus aktiven und ehemaligen Landtagsabgeordneten für sieben Tage in die USA. Als zweiter Schleswig-Holsteiner ist Bernd Steinke (CDU) aus Heide mit von der Partie. Die anderen Ländervertreter kommen aus ganz Deutschland.

„Er ist ein Narziss und wird sich nicht mehr ändern.“ Neugebauer über Trump.
„Er ist ein Narziss und wird sich nicht mehr ändern“, sagt Neugebauer über Trump. Foto: dpa

Schon dreimal in der parlamentarischen Nationalelf

Das Ziel der inoffiziellen Wahlbeobachter-Mission ist Denver, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Colorado. Neugebauer und Kollegen gehören dem Verein Partnerschaft der Parlamente (PDP) an, der Rendsburger ist Gründungsmitglied. Empfangen wird die parlamentarische Nationalelf von einer ähnlichen Vereinigung, die sich aus Abgeordneten der US-Bundesstaaten zusammensetzt. „Der gegenseitige Austausch nützt sowohl der amerikanischen als auch der deutschen Politik“, sagt Neugebauer und erinnert sich an die Anfänge vor 33 Jahren, als der Ost-West-Konflikt nebst seinen militärischen Drohgebärden die weltpolitische Großwetterlage bestimmten. „Damals wurde der Verein aus der Idee geboren, Abgeordneten aus Deutschland die Möglichkeit zu geben, die USA kennenzulernen.“

Dreimal flog Neugebauer seit der Gründung als Delegationsmitglied über den Atlantik. Zuletzt 2008, als Barack Obama Präsident wurde. 1983, im ersten Jahr des Bündnisses, traf der damals 35-jährige Neugebauer den damaligen US-Vizepräsidenten George Bush senior persönlich. Einer seiner Reisepartner damals: Volker Bouffier, heute Ministerpräsident von Hessen. Der Genosse Neugebauer und der CDU-Mann sind seitdem über die Parteigrenzen hinweg befreundet.

Wahlsystem der USA ist zu kompliziert

In der kommenden Woche stehen Gespräche mit der Wahlkampfleitung sowohl von Donald Trump als auch von Hillary Clinton auf dem Programm. Ein Thema wird wieder das äußerst komplexe Wahlsystem mit 50 einzelstaatlichen Regeln und vielen zusätzlichen regionalen Entscheidungen sein. Die Wahl reduziere sich längst nicht nur auf die Frage, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden soll, erklärt Neugebauer, der von 1979 bis 2009 Mitglied des Landtags war. „Wir betonen bei jedem Besuch, dass das Wahlsystem zu kompliziert ist, aber die Amerikaner sagen jedes Mal: lässt sich nicht ändern.“

<p>Die Kopie eines Stimmzettels: Das Wahlsystem sei zu kompliziert und der Grund, warum viele Amerikaner nicht zur Wahl gingen, meint Günter Neugebauer. </p>

Die Kopie eines Stimmzettels: Das Wahlsystem sei zu kompliziert und der Grund, warum viele Amerikaner nicht zur Wahl gingen, meint Günter Neugebauer.

Foto: Imago/UPI Photo
 

Dass so viele Kreuze zu machen seien, so der Routinier aus Rendsburg, „ist für weniger Begabte ein Grund, gar nicht erst zur Wahl zu gehen“. Auch ein offizieller Wahlbeobachter der OSZE aus Deutschland kritisierte am Donnerstag das Verfahren der Präsidentschaftswahlen in den USA. Der CDU-Außenexperte und Wahlbeobachter Jürgen Klimke wertete das Verfahren in Teilen als undemokratisch. Er sehe „nach wie vor Nachholbedarf bei der Anpassung an internationale Standards“, sagte Klimke laut einem Medienbericht.

Neugebauer schätzt den Ausgang der Wahl am 8. November als offen ein. Er hält das Undenkbare für denkbar – Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten. „Viele meinen, man könne ihn durch die Administration wieder einfangen, aber das wird nicht möglich sein“, sagt Neugebauer und warnt: „Trump ist ein Narziss. Sein Charakter ist seit Jahrzehnten so und wird sich nicht mehr ändern.“

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erstellt am 28.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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