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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 15:22 Uhr

Immer der Nase nach : Vor dieser Kunst ist keine Wand sicher

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Über 40 Nasen-Nachbildungen an Gebäude geklebt. Hintergründe weiterhin unbekannt. Urheber will offenbar anonym bleiben.

Es sind Breitnasen, Sattelnasen, Hakennasen, Höckernasen oder auch einfach nur schiefe Nasen. Mal verstecken sie sich geradezu in einem unscheinbaren rötlichen Ziegelton an den Hauswänden, mal sind sie auffällig weiß, dunkelbraun oder schwarz: Gemeint sind die Rendsburger Ton-Nasen, die Unbekannte an Häuserwänden befestigt haben. Nachdem die Landeszeitung am Sonnabend drei Fotos der Nachbildungen menschlicher Riechorgane gezeigt hatte, meldeten Leser uns über 40 weitere, die sie entdeckt hatten.

Manche begaben sich am Wochenende gleich auf die kurzweilige Suche. So wie Bente Elsen, die mit ihrer Familie Spaß bei der „Nasensafari“ hatte. Ihre Tochter Luzie (4) fand die Fotos in der Zeitung so lustig, dass sie die Exemplare Am Grünen Kranz und am Schiffbrückenplatz gleich selbst in Augenschein nehmen musste. Nach dem Spaziergang durch die Stadt hatte die Familie tatsächlich zehn weitere der Kleinst-Skulpturen entdeckt.

Das ist aber noch nichts gegen die Ausbeute von Martin Glüsing. Der war am vorvergangenen Sonntag auf Fototour in der Stadt unterwegs, als er auf die erste Nachbildung stieß. Dann packte ihn das Sammelfieber, wie er selbst sagt. „Mittlerweile habe ich Aufnahmen von 39 Nasen und kenne den Standort von vier weiteren. Jede Nase ist eindeutig ein Unikat. Neben vier unterschiedlichen Farben würde ich auch von unterschiedlichen Stilen sprechen, die ja fast schon auf mehrere Künstler schließen lassen könnten“, meint Glüsing.

Die Nasen tauchen im gesamten Stadtgebiet auf. Es gibt Sichtungen am Nordkolleg ebenso wie am Gebäude der Stadtwerke. Die Marienkirche ist inzwischen ebenso „berüsselt“ wie das Alte Rathaus, der Schloßplatz und der Busbahnhof. Weitere Plastiken wurden entdeckt in Neuwerk, in Kronwerk-Süd und -Nord, in Hoheluft sowie in der Parksiedlung.

Drei Fragen bleiben bislang unbeantwortet. Da ist zunächst einmal Grundsätzliches zu klären: Ist es Kunst im öffentlichen Raum, grober Unfug oder ganz einfach Sachbeschädigung? Immerhin konnten einige der aufgeklebten Objekte inzwischen rückstandslos entfernt werden. Thorsten Golland, Küster der Marienkirche, ist dagegen vor allem auf die Hintergründe der rätselhaften Aktion gespannt. „Ich würde gerne wissen, welche Bedeutung die Nasen haben.“ Und zu guter Letzt: Wer ist eigentlich der Urheber der rätselhaften Nasenepidemie. Ist es ein Künstler oder sind es mehrere? Oder handelt es sich bloß um einen Abi-Gag von Schülern? Die Recherche im Kreis der Kulturschaffenden der Stadt verläuft zunächst schleppend. Über die Hintergründe der Kunstaktion will niemand etwas wissen. Schließlich finden wir doch noch einen, der zumindest vorgibt, Kontakt zum Urheber zu haben. Alexander Luttmann ist Sozialpädagoge und Geschäftsführer der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Schleswig-Holstein (LKJ S-H). „Ich weiß, wer es ist, aber der Künstler will anonym bleiben, und das respektiere ich“, sagt er. Er selber sei jedenfalls nicht der unbekannte Künstler. „Meine Aktionen sind leider nicht so erfolgreich“, so Luttmann. Das Rätselraten um die Stadtnasen geht also weiter.  

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