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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 02:08 Uhr

Urlaub von der Katastrophe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

29 Kinder aus Weißrussland verbringen derzeit unbeschwerte Ferien im Kreis Rendsburg-Eckernförde / Es werden noch Gasteltern gesucht

Unbeschwerte Sommertage erleben Egor, Artjom, Oleg und Arthur aus Belarus bei ihren Gastfamilien in Owschlag und Brekendorf. „Die Kinder sind kaum aus dem Wasser heraus zu bekommen. Sie lieben es zu schwimmen und vom Sprungturm zu springen oder sich einfach treiben zu lassen“, schildert Gastmutter Karin Beye, die seit sechs Jahren dem inzwischen 14-jährigen Arthur und dem 13 Jahre alten Artjom jeden Sommer für vier Wochen ein zweites Zuhause bietet.

Das Wasser im Kropper Freibad hat angenehme 27 Grad und so genießen die Jugendlichen ihre Zeit in vollen Zügen. Freien Eintritt haben die Kinder, die mit der Initiative für Kinder von Tschernobyl Rendsburg und Umgebung zur Zeit im Kreis Gesundheit tanken, in allen Freibädern in der Umgebung. Auch Gastmutter Kerstin Wegert freut sich darüber: „Es ist schwer für meine beiden Flummis, still zu sitzen. Sie haben einen ganz großen Bewegungsdrang und lieben es, Trampolin zu springen, Fahrrad zu fahren oder eben schwimmen zu gehen.“ Kerstin Wegert und ihr Mann Christof entschlossen sich vor vier Jahren, zwei Kinder aus Belarus im Sommer bei sich aufzunehmen. Bei ihrem ersten Besuch waren Oleg und Arthur gerade Mal acht Jahre alt. Jedes Jahr sei es sehr spannend, die beiden Jungen wiederzusehen. Wie haben sie sich entwickelt? Wie kommen sie jetzt an? Das seien Fragen, die sie im Vorfeld immer beschäftigen würden, schildert Wegert. Doch dann sei man ganz schnell wieder sehr vertraut miteinander.

Als die Jungs aus dem Bus ausstiegen, hätten sie sie angestrahlt, sie habe sie in die Arme genommen. Zu Hause angekommen, sei alles so gewesen wie immer. „Inzwischen sind die beiden Jungen älter, reifer und selbstständiger geworden, dadurch wird es immer einfacher. Auch ihre Deutschkenntnisse haben sich verbessert“, berichtet Wegert. „Wir unterstützen uns gegenseitig“, berichten die Frauen, deren eigene Kinder bereits erwachsen sind. Morgens lösen sie sich ab mit dem Fahrdienst zur Betreuung, die die Initiative für die Kinder organisiert, und auch nachmittags nehmen sie einander mitunter die Kinder ab oder treffen sich gemeinsam. „So können wir beide trotzdem unserer Arbeit nachgehen“, betont Beye.

Zum Naschen hat Beye eine große Schale gelber Melonenstücke dabei. Die vier Jungen sind aufgeregt, die Früchte kennen sie noch nicht. Egor und Artjom helfen gern beim Einkaufen, wollen oft Fisch essen oder machen ihrer Gastmutter mit Ellbogenwackeln und Tiergeräuschen klar, dass sie auch mal Lust auf Geflügel hätten. „Sie sind sehr hilfsbereit, egal ob bei der Gartenarbeit oder im Haushalt – sie packen gerne mit an.“

Wieder habe es wie in den vergangenen Jahren viel Anteilnahme und Hilfsangebote durch Nachbarschaft und Freunde gegeben. Ein schönes Erlebnis habe sie beim obligatorischen Zahnarztbesuch gehabt, so Wegert. Wie in jedem Jahr kontrollierte der Zahnarzt Doktor Philipp Kruse die Zähne der vier Jungen aus Belarus kostenfrei, nur musste er in diesem Jahr keine Behandlungen vornehmen. „Sie haben gelernt, ihre Zähne nicht nur bei uns, sondern auch bei sich Zuhause zu pflegen und das ist ein schöner Erfolg”, freut sich Wegert. Sie appelliert aber: „Es werden dringend weitere Gasteltern gesucht. Von Jahr zu Jahr können weniger Kinder aus Belarus bei uns aufgenommen werden, obwohl der Bedarf riesig ist.“  




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erstellt am 24.Jul.2016 | 14:31 Uhr

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