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Landeszeitung

26. April 2017 | 12:01 Uhr

Unterricht in neuen Klassenräumen

vom

AUKRUG | Reimer Reimers, Hella Kohlmeyer, Heidemarie Seider und Timo Mohr sind zurück aus Burkina Faso. Ihr gemeinsamer Reisebericht war der Haupttagesordnungspunkt bei der Vorstandssitzung des Vereins "Partnerschaft Aukrug-Sien".

Am 9. Oktober hatte sich das Quartett Richtung Westafrika verabschiedet. Nach sechseinhalb Stunden Flug landete die Delegation noch am gleichen Abend in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou, von wo aus es drei Tage später per Mietwagen weiter ging in die Aukruger Partnergemeinde. Begrüßt wurden Reimer Reimers & Co. schon weit vor den Toren Siens. "Über 50 Dorfkinder sind uns mehrere Kilometer entgegengelaufen und haben selbst gebastelte burkinische und deutsche Fähnchen geschwenkt", berichtete Hella Kohlmeyer. Im Dorf gab es zu Ehren der Gäste aus Mittelholstein Folklore-, Tanz- und Trommeldarbietungen. "Dann wurde es ganz schnell dunkel, und die Begrüßungszeremonie musste wegen heftigen Regens abgebrochen werden", bemerkte Hella Kohlmeyer, "die Leute sagten Die Deutschen haben den Regen mitgebracht, und alle waren total begeistert."

Am nächsten Tag wurde der Staudamm besichtigt, der im Frühjahr unter der Bauleitung von Aukrug-Sien-Vize Branko Irek umfassend saniert worden war (wir berichteten). "Als ich da stand, war ich völlig überrascht und richtig sprachlos", meinte Reimers, "man sah Wasser bis zum Horizont." Das Regenrückhaltebecken habe die Landwirtschaft in der ganzen Region vorangebracht. "Alle profitieren davon", betonte Aukrugs Ex-Bürgermeister. Früher habe es viel Streit um das stets knappe Wasser gegeben, heute gebe es genug Wasser für alle: "Insofern hat der Staudamm auch zum Frieden zwischen den Dörfern beigetragen."

Bei der abendlichen Zusammenkunft mit Vertretern der Gesellschaft zur Entwicklung des Dorfes Sien ("Association pour le développement du village de Sien", kurz: ADESI) wurde insbesondere die Bedeutung einer der ersten Hilfsaktionen von "Aukrug-Sien" hervorgehoben: der Einrichtung eines Fonds für Kleinkredite. Trotz der Großprojekte sei dieser "fonds de roulement" immer noch eine große Erleichterung für die Dorfbewohner, erklärte Lambert Ki, das für die Kreditvergabe zuständige ADESI-Vorstandsmitglied. "Alle Menschen aus Sien möchten partizipieren, weil sie damit ihre Situation in der Landwirtschaft verbessern können", vermerkte Hella Kohlmeyer. Von den Krediten werden technische Geräte gekauft - und vierbeinige Hilfskräfte: "Wir haben im Dorf ganz, ganz viele Esel gesehen."

Am nächsten Morgen folgte der Hauptpunkt des Reiseprogramms: die Teilnahme an der feierlichen Zeremonie zur Einweihung der rundum erneuerten Dorfschule. "Genau genommen handelte es sich um die offizielle Inbetriebnahme der Schule", erläuterte Reimers, "das Gebäude wurde an diesem Tag von einem Experten abgenommen und freigegeben." Die richtige Einweihung will man in Sien erst feiern, wenn der Neubau ganz fertig ist, das heißt: Wenn die Schule im kommenden Jahr an das gerade im Bau befindliche Stromnetz angeschlossen wird. "Ich muss wirklich sagen: Die neuen Klassenräume und Lehrerwohnungen sind alle top", freute sich Reimers. Die als Geschenke mitgebrachten Fußbälle wurden sofort ausprobiert. "Die Kinder haben sich aus Ästen Tore gebaut und gleich angefangen zu trainieren", berichtete Hella Kohlmeyer. Beim abendlichen Treffen mit den Schülereltern wurden die Briefe und Sachgeschenke der Aukruger Schüler überreicht: "Und da haben wir auch schon Antwortbriefe und Zeichnungen der Erstklässler mitbekommen".

Am nächsten Abend gab es ein Gespräch mit dem Jugendkomitee von Sien, bei welchem die jungen Leute ihre Pläne für ein eigenes Jugendzen trum vorstellten. Reimers konnte erfreut feststellen, dass eins der Hauptziele der Aukruger Entwicklungshilfe - der Kampf gegen das Abwandern der jungen Dorfbewohner in die großen Städte - so gut wie realisiert ist: "Die Jugendlichen haben betont, dass es ihr Bestreben ist, in Sien zu bleiben, weil sie wüssten, wie schwer sie es ohne Abschluss in der Stadt hätten." Am abschließenden Tag des Sien-Aufenthalts wurden Gemüsegärten, Brunnen und Viehimpfstation besichtigt, ehe abends ein weiteres Treffen mit dem ADESI-Vorstand stattfand. "Da wurde das detaillierte Organisationsprogramm für die kommenden zwei Jahre präsentiert, und wir durften unseren Senf dazugeben", sagt Reimers, "das fand ich sehr gut und absolut bemerkenswert." Über Dédougou und Bobo-Dioulasso reisten die Aukruger nach Ouagadougou, von wo sie am 21. Oktober den Rückflug nach Deutschland antraten. Die Reisebilanz von Reimers fällt rundum positiv aus: "Wir haben gesehen, was für eine enorme Entwicklung Sien genommen hat, seit wir vor 15 Jahren das erste Mal da waren." Besonders stolz sind die Delegationsteilnehmer auf zwei Geschenke ihrer afrikanischen Freunde: eine kunstvoll gestaltete Tafel, auf der sich Sien und Aukrug symbolisch die Hand geben und die drei wichtigsten Hilfsprojekte (Stausee, neue Schule, Gartenbau) dargestellt sind - und eine Skulptur eines Afrikaners bei der Feldarbeit, auf dessen von zwei Ochsen gezogenen Pflug auf Deutsch "Sien dankt Aukrug" zu lesen ist.

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von
erstellt am 06.Nov.2010 | 06:18 Uhr

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