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Landeszeitung

27. Juli 2016 | 07:43 Uhr

Video: Havarie im Nord-Ostsee-Kanal : Unfall Rendsburger Schwebefähre mit Frachter: Die Fast-Katastrophe

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Nord-Ostsee-Kanal und die Eisenbahnbrücke in Rendsburg sind freigegeben. Ein Youtube-Video dokumentiert den Aufprall.

Rendsburg | Dieses Unglück hätte noch viel schlimmer ausgehen können: Die an einer Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal hängende Schwebefähre bei Rendsburg ist am Freitagmorgen mit einem Frachter zusammengestoßen. Dabei wurde der Fährführer schwer verletzt, berichtete die Polizei. Der Mann kam ins Krankenhaus. Der einzige Passagier, ein Polizist nach Dienstschluss auf dem Heimweg, kam bei dem Zusammenstoß im Morgendunkel mit leichten Verletzungen davon - er trug einen schützenden Fahrradhelm.

Der Unfall passierte um 6.39 Uhr - erst am Nachmittag wurde die Bergung der Rendsburger Schwebefähre abgeschlossen. Der Nord-Ostsee-Kanal wurde nach zehn Stunden für Schiffe wieder freigegeben, ebenso die für den Nord-Süd-Verkehr zwischen Deutschland und Dänemark wichtige Eisenbahnbrücke. Am Samstag hat sich der Schiffs- und Bahnverkehr wieder normalisiert. Alles laufe normal, bestätigten Bahn und Wasserschutzpolizei.

Die Feuerwehr kam über eine Fähre und eine Drehleiter zum Unfallort.
Die Feuerwehr kam über eine Fähre und eine Drehleiter zum Unfallort. Foto: Daniel Friederichs
 

Stundenlang war die für den Nord-Süd-Verkehr zwischen Deutschland und Dänemark wichtige Brücke gesperrt. Spezialisten schafften es schließlich, die Schwebefähre wieder sicher in ihre Laufschiene einzuhängen. Ab kurz nach 13 Uhr wurde das über 100 Jahre alte Verkehrsmittel mit einem Kettenzug auf die Südseite gezogen - per Hand. Die Schwebefähre bewegte sich dabei nur im Schneckentempo.

Die gute Nachricht: Gutachter bestätigen, dass sowohl die Brücke als auch die Gleise der über die Hochbrücke verlaufenden Bahnstrecke nicht beschädigt wurden.

Die beschädigte Schwebefähre am Freitagvormittag.

Die beschädigte Schwebefähre am Freitagvormittag.

Foto: dpa

Die Schwebefähre war laut Polizei auf dem Weg vom Nord- zum Südufer und der 74 Meter lange Frachter fuhr nach Westen in Richtung Brunsbüttel, als beide Fahrzeuge mitten auf dem Kanal heftig zusammenkrachten. Auf der Schwebefähre waren während des Unfalls der Fährführer und ein Passagier. Sie wurden gerettet und mit einer Fähre in Sicherheit gebracht.

Wie es zu dem Unfall kam, ist noch nicht geklärt. „Hinweise auf Alkoholeinfluss ergaben sich nicht“, teilt die Polizei mit. Vorfahrt auf dem rund 100 Kilometer langen Nord-Ostsee-Kanal zwischen Kiel und Brunsbüttel haben stets die in Längsrichtung fahrenden Schiffe.

In diesem Video, das von der Webcam des Canalcup stammt (Quelle: www.canalcup-cam.de), sieht man den Moment des Zusammenpralls im Zeitraffer: Die Fähre wird seitlich hochgeschleudert, dreht sich, schrammt an dem Frachter vorbei  und schleudert zurück.

 

Bei dem Unfall wurden die Halteseile der denkmalgeschützten Schwebefähre beschädigt - sie ist nicht mehr manövrierfähig. Laut Polizei entstand ein „erheblicher Sachschaden“, der nicht näher beziffert wurde. Mehrere Trossen haben sich gelöst, mit der die Schwebefähre an dem Laufwagen befestigt ist, der sich in zirka 40 Metern Höhe direkt unter der Hochbrücke befindet. Der Laufwagen wurde bei dem Unfall aus den Schienen gerissen.

Die Schwebefähre wird normalerweise von Fußgängern, Radfahrern und Autos benutzt. Sie transportiert täglich etwa 520 Fahrzeuge und 1700 Menschen. Eine Detailaufnahme vom Schaden:

Das Foto zeigt die beschädigten Halteseile der Rendsburger Schwebefähre.
Das Foto zeigt die beschädigten Halteseile der Rendsburger Schwebefähre. Foto: Dirk Jennert

Der Frachter „Evert Prahm“ liegt unterdessen beschädigt an der Brücke im Kreishafen.

Der Frachter „Evert Prahm“ wurde ebenfalls stark beschädigt.

Der Frachter „Evert Prahm“ wurde ebenfalls stark beschädigt.

Foto: Peter Wüst
 

Im Einsatz waren unter anderem Kräfte umliegender Polizeistationen,die Wasserschutzpolizei Kiel, der Rettungsdienst, das Deutsche Rote Kreuz, das Wasser- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau und die Feuerwehr Rendsburg - insgesamt etwa 80 Einsatzkräfte.

An einer Einsatzbesprechung aller Kräfte nahm am Morgen auch Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast teil. Das Oberkommando über die Bergungsaktion hat das Wasser- und Schifffahrtsamt, das Havariekommando des Bundes und der Küstenländer unterstützt (Hintergrund zum Havariekommando finden Sie hier).

Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) begutachten nach der Kollision der Rendsburger Schwebefähre mit einem Frachter vom Motorschiff „Sehestedt“ der Schifffahrtspolizei die Schäden an der Schwebefähre.

Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) begutachten nach der Kollision der Rendsburger Schwebefähre mit einem Frachter vom Motorschiff „Sehestedt“ der Schifffahrtspolizei die Schäden an der Schwebefähre.

Foto: dpa
 

Der Nord-Ostsee-Kanal sowie die Eisenbahnbrücke wurden für die Dauer der Rettungs- und Bergungsarbeiten gesperrt. Eine Bahnsprecherin sagte, dass die drei Zugstrecken von Hamburg nach Flensburg, von Husum nach Kiel und von Kiel nach Rendsburg von der Sperrung betroffen seien.

Ein Schienersatzverkehr mit Bussen wurde zwischen Rendsburg und Nortorf sowie Rendsburg und Felde eingerichtet. Aufgrund des Vorfalls war die Verkehrslage im Berufsverkehr am Morgen angespannt - der Kanaltunnel Rendsburg sei voll, sagte die Polizei shz.de. Auch der Verkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal lag stundenlang lahm.

Hätte sich die Kollision später ereignet, wären die Folgen wohl weit schlimmer gewesen: Zahlreiche Kinder und Jugendliche wären an Bord gewesen, die die Kanalquerung nutzen, um zur Schule zu kommen. „Dann hätten wir Leichen bergen müssen“, sagt der Rendsburger Wehrführer Gerrit Hilburger.

Schwebefähre: Seit 1913 in Betrieb

Die Rendsburger Schwebefähre wurde am 2. Dezember 1913 in Betrieb genommen, um Menschen und Fahrzeugen die Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals zu ermöglichen. Die 14 Meter lange und sechs Meter breite Gondel hängt an einer Eisenbahnhochbrücke.

Sie bietet Platz für sechs Autos und 60 Fußgänger. Maximal dürfen 7,5 Tonnen zugeladen werden. Die von vier Elektromotoren angetriebene Fähre hängt an zwölf Seilen und überquert das Wasser, ohne es zu berühren. Zum Wasser bleiben drei Meter.

Eine Passage über den 135 Meter breiten Kanal dauert 90 Sekunden. Im Jahr kommt eine Fahrstrecke von 6000 Kilometern zusammen.

Täglich befördert die denkmalgeschützte Fähre 520 Fahrzeuge und 1700 Menschen. Betrieben wird sie von einem Maschinisten.

Die Eisenbahnbrücke, an der die Fähre hängt, hat eine lichte Durchfahrtshöhe von 42 Metern. Sie ist insgesamt 317 Meter lang. Der erste Zug rollte am 1. Oktober 1913 über die Brücke. Sie löste damals zwei Drehbrücken ab. lno

 

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erstellt am 09.Jan.2016 | 11:36 Uhr

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