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Landeszeitung

06. Dezember 2016 | 17:10 Uhr

Storms „Schimmelreiter“ zieht Zuhörer in den Bann

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Um die Attraktivität Rendsburgs zu steigern, bietet Peter Feuser seit 2008 in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und der Sparkasse Mittelholstein die Reihe „Kultur im Hinterhof“ an. Weil das Wetter oft nicht mitspielt, gehören nun auch „historische Orte“ dazu. Wie der Mozartsaal in der Alten Kommandantur am Paradeplatz. Hier trug Katinka Springborn Theodor Storms Novelle „Der Schimmelreiter“ vor.

Der Titel „szenische Lesung“ war angesichts dessen, was Katinka Springborn vorlebte, ein viel zu schwacher Ausdruck. Zu schwach für den tiefen Eindruck, den die bestens vorbereitete Hamburger Schauspielerin als Hochleistungs-Interpretin gemacht hatte. Durch sie entstand mit Hilfe der bildend-tönenden Sprache Theodor Storms ein Gedanken-Film erster Güte und ein Hörstück vor dem inneren Auge und Ohr. 100 Minuten Schimmelreiter am Stück vorgelebt, zogen die Besucher in den Bann. Im Mozartsaal verging die Zeit wie im Fluge. Man war von der ersten Sekunde an gefangen.

Hauke Haiens Lebens- und Gefühlswelt konnte man sehr gut durch Katinka Springborns Kunst nachempfinden: Als Kind hatte sich Hauke Haien schon Gedanken über Deichprofile gemacht, sie nachgebaut und im Sandkasten-Experiment erprobt. Er heiratete die Tochter des Deichgrafen, stieg dadurch gesellschaftlich auf und wurde dessen Nachfolger. Das rief Neider auf den Plan, die seine Arbeit sabotierten. Auch verhinderte er, dass „etwas Lebiges“ (ein Hund als Tieropfer) während des Baus im Deich vergraben wurde. „Gestraft“ durch eine geistig behinderte Tochter kommt Hauke Haien mit Frau, Kind und Schimmel während einer Sturmflut um.

Katinka Springborn deckte in Storms Novelle so viele Details, Empfindungen und Typisches norddeutscher Küstenbewohner auf, wie man es selbst beim Selberlesen nie könnte. Aus Worten entstanden durch sie lebendige Szenen voller Intensität und Leben. Teils so realistisch und erschreckend, dass eine Zuhörerin zusammenzuckte. Beklemmend auch Trien Jan’s Sterbeszene. Einer von vielen Ausnahme-Höhepunkten dieses Abends, für den „Sternstunde“ eine viel zu kurz geratene Überschrift ist.

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erstellt am 03.Jul.2016 | 19:28 Uhr

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