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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 00:51 Uhr

Riesenstau : Stadt sorgt mit Baustelle für Verkehrsinfarkt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Herrenstraße bis Montag gesperrt. Bürger fragen sich: Wo bleibt die Polizei?

Die Nerven lagen blank. Ein Autofahrer fauchte einen Fußgänger an, der bei Grün die Straße überquerte. Einem Cabriofahrer wurde die Mütze vom Kopf geschlagen, nur weil er „offen“ fuhr. Eine Beifahrerin bekam einen Tobsuchtsanfall, der von ihrer am Steuer sitzenden Tochter rüde beendet wurde: „Jetzt halt einfach mal die Klappe, Mama!“ Der Frust musste raus.

Während das Neuwerk gestern stundenlang unter einer stehenden Abgasglocke lag, ging rund um den Paradeplatz gar nichts mehr. Bis zum Nachmittag waren alle Richtung Kanaltunnel führenden Nebenstraßen verstopft. Kommentar eines Rendsburger Autofahrers: „So schlimm habe ich das hier noch nie erlebt.“

Ausgangspunkt für das Chaos war die Vollsperrung der Herrenstraße im Schatten der St.-Martin-Kirche. Dort gab es seit Freitag um 6.30 Uhr kein Durchkommen mehr. Eine offensichtliche Fehlplanung beschleunigte den automobilen Infarkt: Die Stadt hatte versäumt, die Ampelschaltungen dem veränderten Verkehrsfluss anzupassen. Weil die Rot- und Grünphasen wie an normalen Tagen wechselten, flossen die durch die Seitenstraßen in Richtung Berliner Straße und Kanaltunnel drängenden Fahrzeugmassen nur äußerst stockend ab. Als das Durcheinander ausbrach, ließ sich die Polizei an den betroffenen Kreuzungen – zum Teil nur einen Steinwurf von der Wache in der Moltkestraße entfernt – nicht blicken.

„Warum steht die Polizei nicht hier und regelt den Verkehr?“, fragte Taxifahrer Reimer Haubold und war mit der Forderung nicht allein. Sein Kollege Frank Patten ärgerte sich über die unflexible Verkehrsführung. „Ich kann nicht verstehen, warum nicht zumindest der Jungfernstieg entgegen der Verkehrsführung geöffnet ist.“ Anstatt die Autofahrer aus dem Stau herauszuleiten, wurden sie nur noch tiefer in das Schlamassel geführt. Der Ersatz-Taxistand auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof war verwaist, weil er schlicht kaum zu erreichen war. Ihren Verdienst schätzten die beiden Taxifahrer auf „höchstens ein Fünftel von normalen Tagen“. Bei der Polizei beschwerten sich zahlreiche Bürger telefonisch über die Verkehrssituation und baten die Ordnungshüter, endlich einzuschreiten. Doch das passierte nicht.

Polizeisprecher Sönke Hinrichs verteidigte das Fernbleiben seiner Kollegen. „Wir müssen damit leben, wie es ist. Mit polizeilichen Mitteln können wir das Problem nicht lösen“, sagte er. Die „verkehrliche Anordnung“, also die Sperrung einer Straße, obliege der Stadt Rendsburg. Die Frage, ob die Polizei bei den Planungen der Drei-Tage-Baustelle der Stadt eine Änderung der Ampelphasen empfohlen habe, konnte Hinrichs nicht beantworten. Der verantwortliche Kollege war nicht zu greifen. Von der Stadtverwaltung gab es auf Anfrage keine Stellungnahme.

Auch an weiter entfernten Knotenpunkten wirkte sich die Baustelle aus. Weil die Zufahrt unter der Dresdner Brücke am ZOB in die Stadtteile Parksiedlung und Schleife durch die Baustelle blockiert ist, führt nur noch die Alte Kieler Landstraße in den Osten. Doch der Weg zur „AKL“ war durch sich stauende Autos, die zum Tunnel wollten, ebenfalls verstopft. Noch am späten Nachmittag ging es hier nur im Schneckentempo voran.

Wieviel Geduld die Autofahrer aufbringen mussten, verdeutlichte Heiko Poggensee: „Von einer Umleitung wusste ich nichts“, sagte der Heizungsmonteur aus Schleswig. Und so fuhr er mitten in das Verkehrschaos hinein. „Ich habe 50 Minuten vom Paradeplatz bis zum Ende der Prinzessinstraße gebraucht“, fluchte er. „Für weniger als 500 Meter.“

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erstellt am 30.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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