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Landeszeitung

19. Januar 2017 | 03:22 Uhr

Nord-Ostsee-Kanal : Spurwechsel verboten: Linien-Ärger im Rendsburger Kanaltunnel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Markierung aus der Umbauphase wurde nicht korrigiert – Autofahrer dürfen deshalb nicht die Fahrbahn wechseln. Das verleitet zum Rechtsbruch.

Rendsburg | Oliver Frey kommt fast täglich in Erklärungsnot. Seit im Kanaltunnel wieder vier Spuren zur Verfügung stehen, muss der Fahrlehrer seinen Schülern klarmachen, warum sie auf der einen Spur bleiben müssen, obwohl auf der anderen alles frei ist. Denn in beiden Röhren sind die Linien in der Mitte der Fahrbahn durchgezogen. Sie gelten als Verkehrszeichen und dürfen nicht gekreuzt werden. Dass sich viele Autofahrer an diese Vorschrift nicht halten, macht die Sache nicht besser. Wer sich regelkonform verhalten möchte oder muss, kann unter dem Kanal weder überholen noch die Seite wechseln.

Die Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels zerrt schon länger an den Nerven der Autofahrer. Zusätzlich zur notwendigen Behinderung durch Baustellen blockieren immer wieder Fehlplanungen und Pannen das Nadelöhr unter dem Nord-Ostsee-Kanal.

Am restriktivsten ist die Lage für Autofahrer, die sich von der Berliner Straße, also aus dem Stadtgebiet kommend, der nördlichen Tunnelzufahrt nähern. Die durchgezogene Linie beginnt kurz hinter der Einfädelungsspur. Verkehrsteilnehmer haben praktisch keine Chance, die linke Fahrbahnhälfte auf legalem Weg zu erreichen. Im Süden beginnt die gelbe, aufgeklebte Fahrstreifenbegrenzung etwa 100 Meter vor Erreichen des Tunnelportals.

Entlang beider Rampen und im Tunnel selbst müsse die Markierung unbedingt geändert werden, forderte Fahrlehrer Oliver Frey. „Die Linien sollten schon deshalb gestrichelt sein, um im Tunnel langsamere Fahrzeuge wie Traktoren überholen zu können“, sagte der Inhaber der „Fahrschule Frey“ auf Anfrage der Landeszeitung. Die für das Bauwerk zuständige Kanalverwaltung ist anderer Meinung. Die Vierspurigkeit sei befristet, erklärte Sönke Meesenburg, Projektverantwortlicher für die Tunnelsanierung bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). Aus diesem Grund habe man sich dagegen entschieden, die Linien zu verändern. „Das jeweilige Entfernen und Neustreichen verursacht großen vermeidbaren Aufwand.“ In Abstimmung mit Kreis und Polizei sei die jetzt vorhandene Situation als akzeptabel eingestuft worden.

Tempo 50 sei Folge einer Risikoanalyse und zwischen der WSV, Polizei und Kreis ebenfalls abgestimmt, fügte Meesenburg hinzu. Der Tunnel gilt wegen fehlender oder noch nicht vollständiger Sicherheitseinrichtungen nach wie vor als Baustelle. In den Rampenbereichen ist zum Teil noch keine Mittelleitplanke vorhanden. „Zur Minimierung der Gefahren muss mit einem angepassten Tempolimit gearbeitet werden.“

Die weißen und gelben Markierungen stammen aus der Zeit, als die stadtseitige Hälfte des Tunnels saniert wurde und die Streckenführung mehrfach geändert werden musste. Vier Jahre quälte sich der Verkehr durch die Weströhre. Im Oktober blieb nur die Oströhre, weil die Nachbarröhre nach der langen Dauerbelastung zunächst auf Vordermann gebracht werden musste. Anfang November wurden alle vier Spuren für eine unbestimmte Übergangszeit freigegeben. Wie lange diese Phase andauern wird, ist offen. Die eigentlichen Erneuerungsarbeiten ruhen seit Monaten, da die Kanalverwaltung nach eigenen Angaben mit der Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen (Arge) über einen verbindlichen Bauzeitenplan verhandelt.

Die Verkehrsaufsicht des Kreises nimmt die Tunnelsanierer in Schutz. „Der jetzige Zustand entspricht unserer verkehrsrechtlichen Anordnung“, sagte ein Sprecher. Eine Änderung der Linien hätte zu einer weiteren Sperrung des Kanaltunnels geführt, das habe man vermeiden wollen. Ergänzend sei angeordnet worden, Schilder aufzustellen, die Autofahrer darauf hinweisen, sich rechtzeitig einzuordnen.

Bis auf weiteres bleibt es also bei der strikten Trennung der Spuren. Oliver Frey wird seinen Schülern weiter erklären müssen, dass das Überfahren der durchgehenden Linie kein Kavaliersdelikt ist. In der Führerscheinprüfung führt es zum sofortigen Abbruch.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 18:26 Uhr

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