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Landeszeitung

04. Dezember 2016 | 07:15 Uhr

Rendsburg-Nord : Spätes Ja-Wort zur Stadtbahn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bauausschuss spricht sich für Wiederbelebung des totgeglaubten Gleises nach Seemühlen-Nord aus. Die Stadt müsste 180000 Euro investieren. Nachteile für den Busverkehr werden nicht befürchtet.

Die seit Jahren ungenutzte Gleistrasse in den Westen von Rendsburg soll nach dem Willen der Politik nun doch wiederbelebt werden. Der Bauausschuss hat die Verwaltung am Dienstagabend per Mehrheitsbeschluss beauftragt, das Interesse der Stadt an einer Verlängerung der Regionalbahn nach Seemühlen-Nord offiziell zu bekunden. Es ist die erste Entscheidung in diese Richtung seit 2010 – so lange wird über das Dauerthema bereits ergebnislos diskutiert.

Noch im Juli schien es so, als sei der Zug für Rendsburg abgefahren. Der Bund hatte 500 Millionen Euro zusätzlich an sogenannten Regionalisierungsmitteln in Aussicht gestellt. Mit dem Geld sollen bis 2031 landesweit Gleiswege reaktiviert oder verstärkt und der ÖPNV insgesamt vorangebracht werden. Auf einer von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) präsentierten Prioritätenliste kam Rendsburg jedoch nicht vor. Die Stadt sei „nicht enthalten, weil früh zu erkennen war, dass über die Bahn in der Region keine Einigkeit bestand“, hieß es im Meyer-Ressort.

In dieser Woche bekam die Bauverwaltung eine anders lautende Auskunft aus Kiel. Nicht aus dem Ministerium, sondern von der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft Nah-SH. In einer Mail, die kurz vor der Sitzung des Bauausschusses im Rathaus eintraf, wird signalisiert, jetzt sei „die richtige Zeit“, um das Projekt nach vorne zu bringen. Der Eigenanteil der Stadt beträgt laut Bauamtsleiter Frank Thomsen rund 180  000 Euro für den Bau von Haltestationen. Diese Summe ließe sich in fünf bis acht Jahren durch Verpachtung der städtischen Gleisanlage refinanzieren, so Thomsen gegenüber dem Gremium. In dem Schreiben von Nah-SH heißt es, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke sich volkswirtschaftlich rechne. Wichtig sei aber auch ein eindeutiges Bekenntnis der Lokalpolitik zur Verlängerung der Regionalbahnlinie 75 bis nach Rendsburg-Seemühlen als Signal gegenüber der Landesregierung. Nah-SH wies darauf hin, dass der Busverkehr keine finanziellen Nachteile zu befürchten habe, sollte die Regionalbahn den Linien auf der Straße Kunden abspenstig machen. Im neuen Vertrag für den Stadtverkehr, den der Kreis geschlossen habe, sei eine Regelung enthalten, die eventuelle wirtschaftliche Nachteile ausgleichen würde.

Der Schienenstrang nach Seemühlen ist etwa 5,5 Kilometer lang und laut Eisenbahnaufsichtsbehörde nicht mehr betriebssicher. 800  000 Euro würde ein Rückbau der Gleistrasse kosten, eine halbe Million Euro ihre Erneuerung. Beide Posten hätte die Stadt selbst zu schultern, sollte die Regionalbahn nicht kommen. Nur bei ihrer Reaktivierung tragen Bund und Land das Gros der Kosten.

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erstellt am 03.Nov.2016 | 11:15 Uhr

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