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Landeszeitung

27. März 2017 | 02:44 Uhr

Sien ist wieder zur Ruhe gekommen

vom

AUKRUG | Eine Tankstelle, eine Brauerei, ein Imbiss, ein Fahrradreparatur-Geschäft sowie Ziegen- und Schweinezuchtbetriebe: In Aukrugs westafrikanischer Partnergemeinde Sien haben sich jede Menge Existenzgründer selbstständig gemacht. Ermöglicht wurden all diese neuen Kleinunternehmen durch "Mikrokredite", welche vom Rotary-Club Neumünster-Vicelin mitfinanziert wurden. Die Ernährungslage in Sien ist nach einer zu trockenen Regenzeit nicht allzu gut, aber nicht so prekär, dass der Partnerschaftsverein "Aukrug-Sien" besondere Hilfsmaßnahmen in die Wege leiten müsste.

"Zurzeit hat Burkina Faso seine frühere Ruhe wieder gefunden, aber leider macht mein Land nach den sozialen Unruhen nun eine Ernährungskrise durch, die auf eine unzureichende Niederschlagsmenge während der letzten Wintersaison zurückzuführen ist", schreibt Christophe Ki, Präsident sowohl des Partnerschafts- als auch des Entwicklungsvereins von Sien, in einem aktuellen Brief an Aukrugs Ex-Bürgermeister Reimer Reimers: "Glücklicherweise versichert unsere Regierung, dass die Lage beherrschbar ist und dass der Mangel nicht übermäßig ist. Sie plant Maßnahmen, um das Defizit auszugleichen." Kis Entwicklungsverein ADESI hat 20 Bauernfamilien nach ihrer Ernte befragt: "Acht Haushalte haben 50-60% der Vorjahresproduktion erzielt, sechs haben 40% erreicht und die anderen sechs Haushalte 30-10% des letzten Jahrs." Das vor fünf Jahren mit Finanzhilfe aus Aukrug gebaute Regenrückhaltebecken müsste nach dem Ende der Regenzeit gut gefüllt sein, ist es aber nicht: "Das Wasser des Stausees erreicht in diesem Jahr nicht einmal den Fuß des Damms." ADESI will den für Notfälle gefüllten Hirsespeicher nutzen, damit alle Dorfbewohner die Zeit bis zur nächsten Ernte problemlos überstehen. Angesichts der drohenden Knappheit haben sich die Hirsepreise in Burkina Faso bereits verdoppelt. "In meinem Antwortschreiben an Christophe Ki haben wir dazu geraten, die Hirse aus dem Speicher zu normalen Preisen an die Bevölkerung zu verkaufen", erklärt Reimers.

Eines der ersten Projekte des Partnerschaftsvereins "Aukrug-Sien" war 1994 die Finanzierung einer Rinder-Impfstation für Sien. Dies Bauwerk, für das die Aukruger damals 8500 Mark zur Verfügung stellten, befinde sich nun in einem "bedauernswerten Zustand", bemerkt "Aukrug-Sien"-Vize Branko Irek: "Die Betonteile fallen auseinander, da ist dringend eine Generalüberholung fällig." Neu ist nun, dass der Aukruger Partnerschaftsverein nicht einfach das nötige Geld für die Sanierung der Impfstation bereitstellt. "Es soll nun eine Dorfversammlung in Sien einberufen werden, wo man eine möglichst gerechte Verteilung der Reparaturkosten auf die ganze Bevölkerung erörtern will", sagt Irek. Für die Instandhaltung der mit Aukruger Hilfe geschaffenen Einrichtungen müssen die Afrikaner selbst sorgen, meint Reimers: "Das kann auf Dauer nicht unsere Aufgabe sein."

Die Aukruger legen Wert auf die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen, und der Vereinsvorsitzende spricht von einer "neuen Phase" in den Beziehungen zu Sien: "Wir sind in unserer Partnerschaft nun so weit, dass wir uns auch mal in aller Freundschaft die Wahrheit offen ins Gesicht sagen können." Reimers weiß, dass dieser neue Kurs von der Gegenseite mitgetragen wird: "Wir spielen damit den fortschrittlichen Kräften bei ADESI in die Hände, die auch gern die Dorfbevölkerung ein bisschen auf Trab bringen wollen."

"Auf Trab gebracht" wurden die Afrikaner auch durch so genannte "Mikrokredite": ein Projekt, das der Rotary-Club Neumünster-Vicelin zusammen mit den Rotariern der burkinischen Stadt Bobo Diolasso sowie "Rotary international" verwirklicht hat. Neumünster-Vicelin habe ein Startkapital von 4000 Euro bereitgestellt, das von "Rotary international" auf 12 000 Dollar aufgestockt wurde, erläutert Rotarier Eitel-Wolf Necker und berichtet von einem regelrechten Existenzgründer-Boom in der 1000-Einwohner-Gemeinde Sien. Seit einem Jahr werden Mikrokredite in Höhe von 75 bis 200 Euro vorzugsweise an Genossenschaften vergeben. 23 Frauen und 16 Männer haben das Angebot bislang genutzt, und dadurch entstanden unter anderem: eine Tankstelle, eine Brauerei, ein Imbiss, ein Fahrradreparatur-Geschäft sowie Rinder-, Ziegen- und Schweinezuchtbetriebe. "Das funktioniert sehr gut", freut sich Ex-Bürgermeister Necker, "nach drei, vier Jahren erwartet der Rotary-Club einen Abschlussbericht, und dann bleiben die 12 000 Euro Startkapital bei ADESI." Necker und Reimers waren schon ein halbes Dutzend Mal in Sien zu Gast. Im Sommer 2012 wird nun (nach 2000 und 2001) zum dritten Mal eine Delegation aus der westafrikanischen Partnergemeinde in Aukrug erwartet. Eingeladen sind vier Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren, geplant sind vier Besuchswochen von Mitte Juli bis Mitte August 2012. "Dafür suchen wir noch Gasteltern aus Aukrug und Umgebung", sagt Reimers (Telefon 04873/574, E-Mail: reisus@freenet.de), "dass die Gastfamilien Kinder im gleichen Alter haben, ist keine Bedingung, und die den Familien entstehenden Kosten übernimmt unser Verein."

Dass Reimers bei der Landeszeitungs-Wahl zum "Mensch des Jahres" zu den Kandidaten gehörte, hat sich übrigens bis nach Burkina Faso herumgesprochen. Nur den Ausgang der Abstimmung wusste Christophe Ki in seinem Brief vom 15. November noch nicht: "Wir haben erfahren, dass Sie auf der Liste zur Wahl der Persönlichkeiten des Jahres der Medien Ihrer Gegend sind. Unsere Gebete begleiten Sie, und wir wünschen Ihnen viel Erfolg!"

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erstellt am 01.Dez.2011 | 03:59 Uhr

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