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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 05:43 Uhr

Selbst Segeberger Biomüll landet nun in Borgstedtfelde

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Abfallgesellschaft verarbeitet Rekordmenge und erweitert Anlage / Noch zu viel Plastik in der braunen Tonne

Wenn sich die Entwicklung fortsetzt, fällt im Kreis Rendsburg-Eckernförde in naher Zukunft mehr Biomüll als Restabfall an. Im vergangenen Jahr ist die Menge aus den braunen Tonnen sprunghaft angestiegen: Von gut 35  000 Tonnen in 2014 auf fast 43  000 Tonnen. Das reicht bis auf rund 10  000 Tonnen an das Aufkommen des Restmülls heran. Das sinkt in geringem Maße, aber kontinuierlich. Das teilte die kreiseigene Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWR) gestern mit.

„Wo der Restmüll noch herkommt, ist mir schleierhaft“, sagte Reimer Tank, Vorsitzender des Umwelt- und Bauausschusses sowie Mitglied des AWR-Aufsichtsrates. Bei konsequenter Trennung fallen ihm zufolge fast nur noch Wertstoffe an. Im Restmüll finde sich noch immer zu viel davon, vor allem Papier und eben kompostierbares Material wie zum Beispiel Essensreste. Andersherum entsorgen sie Menschen im Kreis noch eine Menge Kunststoffe in die braunen Tonnen. Vor allem Plastiktüten stören die Verarbeitung zu Kompost. Diese Störstoffe müssen mühselig und kostenträchtig herausgesiebt werden. Dennoch sei die Einführung der Biotonne ein großer Erfolg. Durchschnittlich habe jeder Einwohner des Kreises im vergangenen Jahr 158 Kilogramm Biomüll gesammelt. „Der Ansteig freut mich sehr, damit gehören wir zur Spitze unter den Kreisen im Land“, so Tank.

Mit dem Ausbau ihrer Verwertungsanlage in Borgstedtfelde hat sich die Abfallwirtschaftsgesellschaft auf die großen Mengen eingestellt. Es wird sogar Bioabfall aus anderen Regionen angeliefert. Gestern unterzeichnete Geschäftsführer Ralph Hohenschurz-Schmidt einen Vertrag mit einer Tochtergesellschaft der Stadtwerke Neumünster über die Abnahme von jährlich 5000 Tonnen. Damit landet ab sofort kompostierbares Material aus Neumünster, dem Kreis Segeberg und dem Kreis Plön in Borgstedtfelde. Das Biomüll-Geschäftsfeld der AWR boomt, deshalb erweitert die Gesellschaft ihre Anlage derzeit für 7,2 Millionen Euro. Noch in diesem Sommer soll sie fertig sein – dann können jedes Jahr 80  000 Tonnen Biomüll verarbeitet werden. Hohenschurz-Schmidt rechnet damit, dass in diesem Jahr 30  000 Tonnen Kompost daraus werden. Noch wichtiger ist aber die Erzeugung von Biogas, aus dem Strom gewonnen wird. Bisher konnte pro Jahr so viel Strom ins Netz eingespeist werden, wie mehr als 1000 Haushalte verbrauchen, rund 4,5 Millionen Kilowattstunden. Nach der Erweiterung der Bioabfallbehandlungsanlage geht der AWR-Geschäftsführer von einer Verdopplung aus. Dann dürfte sich auch der Erlös von mehr als 700  000 Euro daraus verdoppeln. Das wirke sich positiv auf die Müllgebühren für die Haushalte im Kreis aus, so Hohenschurz-Schmidt. Neben Strom werde Wärme für die AWR-Gebäude und Nachbarfirmen im Gewerbegebiet erzeugt.

Ein Wermutstropfen bleibt für Hohenschurz-Schmidt: „Von Abfallvermeidung kann nicht die Rede sein.“ Insgesamt ist das Müllaufkommen im Kreis 2015 um rund 8000 Tonnen angestiegen.

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erstellt am 22.Apr.2016 | 11:06 Uhr

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