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Landeszeitung

25. April 2017 | 18:29 Uhr

Handwerker-Kursus : Selbst ist die Frau

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Es geht um den sicheren Umgang mit Bohrern, Fuchsschwanz und Co. 17 Frauen wollen nicht länger aufs vermeintlich starke Geschlecht angewiesen sein.

Der Andrang ist groß. „Selbst ist die Frau“ heißt der sechsstündige Handwerkerkursus in Kropp, an dem 17 Frauen teilnehmen – ich bin eine von ihnen. Leiter Timo Petersen wird uns den sicheren Umgang mit Bohrer, Fuchsschwanz und Co. zeigen. Im zweiten Teil gibt Kfz-Werkstattleiter Gerhard Niedergesäß Tipps rund Überbrückungskabel und Reifenwechsel beim Auto. „Aufgrund der vielen Anmeldungen haben wir den Kurs geteilt“, erklärt Andrea Heinrich. Die Gleichstellungsbeauftragte im Amt Kropp-Stapelholm hat das kostenlose Angebot gemeinsam mit der Amtsvolkshochschule organisiert.

Als erstes lerne ich, dass Bits austauschbare Aufsätze für die Bohrmaschine sind. Der Bauhofleiter rät, mindestens 100 Euro in einen Bohrer zu investieren: „Qualität lohnt sich.“ Allerdings warnt er, dass man gerade einen Akku-Bohrer nicht unterschätzen sollte, denn „der hat super Kraft und kann das Handgelenk schnell verdrehen“.

Nach der Theorie kommt die Praxis: Wir verfrachten die Werkzeuge ins Auto. „Die Gemeinde Kropp hat vier Millionen Euro in das Projekt investiert und das ganze Rathaus leer geräumt, damit wir dort bohren und dübeln können“, sagt Timo Petersen und schmunzelt. Nur noch wenige Aktenordner, Stühle und ein altersschwacher Aktenschrank sind vorhanden. Im ehemaligen Büro des Bürgermeisters schlagen wir unser Lager auf.

Zunächst erklärt Petersen die Beschriftungen auf Schraubenpackungen. „4,5 x 60/33“ bedeutet, dass die Schraube 4,5 Millimeter dick und 60 Millimeter lang ist – wobei das Gewinde 33 Millimeter ausmacht. Der passende Dübel, der Schrauben dank Widerhaken auch in Beton sicher verankert, ist in diesem Fall 1,5 Millimeter dicker und minimal länger.

Es folgt eine Trockenübung, wie man mit möglichst wenig Aufwand Bits befestigt: Den Bohrer im Uhrzeigersinn drehen und sein rotierendes Endstück festhalten. „Das ist die faule-Leute-Methode“, erklärt Timo Petersen. Klingt sympathisch, denke ich mir und probiere es aus. Das Ergebnis ist, dass der Aufsatz zwar bombenfest sitzt – aber so verkantet, dass ich beim Versuch, ihn mit einer kräftigen Drehung nach links wieder abzubekommen, mir nur einen blutigen Daumen hole. Löcher in die Holzplatte zu bohren geht mir dann leichter von der Hand.

Für die Wand wird auf den Steinbohrer umgerüstet. Doch was, wenn der Dübel zu lang für das Loch ist? Raus bekommt man ihn nicht mehr, also greift Timo Petersen kurzerhand zum Cutter und schneidet den herausstehenden Teil ab. „Im Atomkraftwerk, wo jeder Dübel einzeln abgenommen wird, wäre das eine sechs, aber für das Kalenderaufhängen reicht es“, nimmt er es mit Humor. Auch die Frauen sind guter Dinge und justieren zur Not etwas nach, wenn die Garderobe leicht schief ist.

Die ersten drei Stunden vergehen wie im Flug und machen Lust auf mehr – auch wenn mich mein dicker Daumen einschränkt, so dass ich mich beim Sägen zurückhalte: Ausgerechnet der Daumenknochen dient als Führungsschiene. Der zweite Teil des Tages führt auf vertrauteres Terrain, denn mit Überbrückungskabel, Reifenwechsel und dem Nachfüllen von Öl habe ich schon einige mitunter leidige Erfahrungen gemacht. Bei ersterem gilt: Wenn man zwei Autobatterien verbindet, muss zuerst Plus auf Plus, dann Minus auf Minus – beim Abbauen genau anders herum. Ich merke, dass es nie verkehrt ist, solches Wissen wieder aufzufrischen.

Versuchsobjekt ist der Skoda von Werkstattleiter Gerhard Niedergesäß, der allerdings zur Frustfalle wird. Denn egal wer von uns Frauen versucht, die Radschrauben mit dem Schlüssel zu lösen – selbst voller Körpereinsatz bleibt zwecklos. Es reift die Erkenntnis, dass männliche Unterstützung manchmal vonnöten ist. Auf die Frage, ob man ihn bei einer Reifenpanne anrufen könnte, antwortet Niedergesäß schmunzelnd: „Ja!“

Nach sechs Stunden habe ich die Erkenntnis gewonnen, zwar kein perfekter Handwerker zu sein, aber jede Menge gelernt zu haben. Das geht nicht nur mir so: „Alles wurde sehr gut rübergebracht und so verständlich erklärt, dass man es anwenden mag“, meint Karin Tams. Auf die Frage von Anja Kampmann, ob es einen Ort zum weiteren Üben gäbe, antwortete Timo Petersen: „Also im Freibad ist eine Sauna geplant…“.

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erstellt am 13.Mär.2017 | 09:55 Uhr

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