zur Navigation springen

Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 14:47 Uhr

Schule legt sich mit Jugendamt an

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mastbrook: AWO muss pädagogisch wertvolle Kinder-Tagesgruppe mangels Geld schließen / Rektor kritisiert Kreis für ausbleibende Hilfe

Eine Mastbrooker Institution steht vor dem Aus. Ende September will die Arbeiterwohlfahrt ihre Ambulante Gruppe in der Ostlandstraße schließen. Seit 30 Jahren werden hier jeweils bis zu acht Kinder aus schwierigen Familien betreut. AWO-Mitarbeiter Jochen Kuik führt wirtschaftliche Gründe für das Ende der Einrichtung an. Derzeit betreue man nur vier Mädchen und Jungen. Das sei zu wenig. Ursache: „Das Kreisjugendamt hat uns über einen längeren Zeitraum nicht belegt.“

Die geplante Schließung sorgt für Aufregung. Vor allem die Schule Mastbrook macht sich große Sorgen. Das Kollegium hat einen Brandbrief an das Jugendamt geschickt. In dem von zwölf Lehrern unterzeichneten Schreiben wird die Behörde gebeten, alle zur Verfügung stehenden Wege und Möglichkeiten auszuschöpfen, um der Gruppe das Weiterbestehen zu ermöglichen. „Unsere schulische pädagogische Arbeit hat in all den Jahren durch die Arbeit der Kolleginnen der AWO-Gruppe eine wesentliche Unterstützung erfahren.“ Ursächlich verantwortlich für das drohende Ende der Tagesgruppe sei die Entscheidung des Jugendamtes, die Einrichtung nicht mehr mit einem Pauschalbetrag zu fördern, sondern auf eine Einzelfallförderung umzustellen, so die Lehrer. Das bedeutet: Es gibt nur noch Geld für die Betreuung von Kindern, die der Tagesgruppe vom Jugendamt zugewiesen wurden. „Der Jugendsozialdienst wurde dadurch sowohl zum Entscheidungsträger als auch zum Finanzträger“, heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Brief.

Die Ambulante Gruppe ist in einem Stadtteil tätig, in dem zwei von drei Kindern unter zehn Jahren von Hartz IV leben. Die Folgen bekommt die Schule Mastbrook direkt zu spüren. Es sind nach Aussagen von Lehrern vor allem Kinder aus armen oder schwierigen Familien, die zu spät zum Unterricht kommen, die Hausaufgaben nicht gemacht haben – und weder lernfähig noch lernbereit sind, weil sie beispielsweise noch nichts gegessen haben sowie nach der Schule sich selbst überlassen werden. An diesem Punkt setzt die AWO mit ihrer Tagesgruppe an, offenbar mit positiven Ergebnissen. „Dort findet eine Eltern-Erziehungsarbeit mit erstaunlichen Erfolgen statt“, sagt Detlef Vogel, Rektor der Schule Mastbrook auf Anfrage der Landeszeitung. Die Sozialkompetenz der von der AWO betreuten Schüler verbessere sich deutlich, ebenso ihre Leistungsfähigkeit im Unterricht. Vogel: „Sollte die Tagesgruppe geschlossen werden, bricht uns eine Säule der pädagogischen Arbeit weg.“ Vogel weiß, dass es in Rendsburg zwar noch vier weitere Tagesgruppen dieser Art gibt, doch die sind zum Teil vergleichsweise weit weg: „Die betreffenden Eltern in Mastbrook brauchen eine Einrichtung in ihrer Nähe.“ Der Schulleiter ist sicher: Kinder, die die Hilfe der AWO-Tagesgruppe benötigen, habe man genug.

Die Entscheidung darüber, welches Hilfsangebot für welches Kind am besten geeignet ist, trifft allerdings nicht die Schule, sondern das Jugendamt in der Kreisverwaltung (offizielle Bezeichnung: Fachbereich Jugend und Familie). Leiter Norbert Schmidt kann das Bedauern über die Schließung der AWO-Tagesgruppe nachvollziehen. Eine pauschale Förderung – wie von den Lehrern vorgeschlagen – sei jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Schmidt erläutert den grundsätzlichen Ansatz seiner Behörde: Wenn das Wohl ihrer Kinder gefährdet sei, hätten Eltern Anspruch auf Unterstützung. „Unser Job ist es, diesen Eltern zu helfen“, sagt er: „Wir ersetzen nicht den Erziehungsauftrag der Schule.“ Gemeinsam mit den Eltern werde erörtert, welche Angebote am besten geeignet seien: „Die Tagesgruppe ist an dieser Stelle weniger nachgefragt.“ Der Fachbereichsleiter macht deutlich, dass sich der Kreis in Mastbrook dennoch intensiv engagiert, zum Beispiel mit der Förderung des Stadtteilhauses Mastbrook.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen