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Landeszeitung

23. März 2017 | 17:37 Uhr

Schule ist fertig, Staudamm hat Risse

vom

AUKRUG Nach sintflutartigen Regenfällen hat der Staudamm von Aukrugs westafrikanischer Partnergemeinde Sien Risse, die noch vor der nächsten Regenzeit geflickt werden müssen. Beim Aufbringen der dafür nötigen 11 500 Euro hofft der Verein "Partnerschaft Aukrug-Sien" auch auf Spenden aus der Bevölkerung. In der ebenfalls mit deutscher Finanzhilfe errichteten neuen Schule von Sien wird derweil schon unterrichtet, obwohl auch hier noch einige Restarbeiten zu erledigen sind.

"Die Auswirkungen der Klima-Veränderung zeigen sich in den Ländern der Dritten Welt und insbesondere in Afrika wesentlich stärker als hier bei uns", stellte Branko Irek bei der Vorstandssitzung des Partnerschaftsvereins "Aukrug-Sien" fest, "Dürrekatastrophen kommen immer häufiger vor, und in Gebieten, wo es nie regnete, gibt es seit einigen Jahren wolkenbruchartige Regenfälle, die alles mit sich reißen, was nicht gesichert ist." 2008 habe es auch in Burkina Faso solche sintflutartigen Regengüsse gegeben, berichtete der ehemalige Entwicklungshelfer und Vize-Vorsitzende von "Aukrug-Sien": "Der Staudamm in der sieben Kilometer von Sien entfernten Distrikthauptstadt Toma brach daraufhin, so dass ungeheure Massen an Wasser in Richtung Sien flossen." Sien selbst verfügt seit 2005 über ein eigenes 800 mal 200 Meter großes Regenrückhaltebecken, das mit Spendenhilfe aus Aukrug und mit einem Zuschuss des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) verwirklicht werden konnte. "Der Staudamm von Sien, der selbst schon voll war, konnte die enormen Wassermassen nicht so schnell durch den eingebauten Überlauf ableiten, so dass sich diese zurück gestaut und in das Dorf ergossen haben", erklärte Irek, "viele Lehmhäuser, die im Wasser standen, brachen in den darauf folgenden Tagen und Wochen zusammen." Vor zwei Monaten habe es dann noch einmal sintflutartige Regenfälle in der Region gegeben, ergänzte Partnerschaftsvereins-Chef Reimer Reimers. "Der Staudamm von Sien hat die Wassermassen überstanden, wurde allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen", setzte Irek seinen Bericht fort. Eine Reparatur und Verstärkung des Bauwerks sei dringend angeraten, sonst sei eine Zerstörung in der Regenzeit 2010 zu befürchten, meinte der Bauingenieur und Architekt, der von 1982 bis 1987 für den Deutschen Entwicklungsdienst in Burkina Faso im Einsatz war: "Das finanzielle Engagement der Aukruger und die monatelange Arbeit der Bürger von Sien beim Bau des Staudamms wären verloren." 75 000 Euro hatte "Aukrug-Sien" mit Unterstützung des BMZ in das Regenrückhaltebecken investiert, durch das sich die prekäre Ernährungssituation des afrikanischen Partnerdorfs bereits erheblich entspannt hat.

Der Partnerschaftsverein von Sien (Association pour le développement de Sien, kurz: ADESI) hat einen Fachmann mit der Analyse der Unwetterschäden beauftragt. "Demnach müssen am wichtigsten Teil des Staudamms, dem Wasserüberlauf, an welchem schon Risse sichtbar sind, Reparaturen ausgeführt werden, deren Kosten sich bei ca. 11 500 Euro bewegen werden", sagte Irek, "diese Arbeit kann nur durch eine Fachfirma ausgeführt werden." Die ebenfalls notwendigen Ausbesserungen am hinter dem Überlauf liegenden Abflusskanal könnten hingegen von der Dorfbevölkerung vorgenommen werden. "Die Grundkonstruktion ist in Ordnung", betonte der Osterstedter, "aber es sind eine Reihe von Verstärkungen nötig." Die katastrophenartigen Regenfälle der jüngsten Zeit, denen in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou Hunderte von Menschen zum Opfer fielen, hätten die afrikanischen Baufirmen bei ihrer Staudamm-Planung nicht vorausahnen können, meinte Reimers: "Man kann also keinesfalls von Pfusch am Bau sprechen."

Vor der nächsten Regenzeit, die voraussichtlich Ende Mai 2010 beginnt, muss der Staudamm repariert werden. Irek ist bereit, im März nach Burkina Faso zu fliegen, um dort persönlich die Bauleitung zu übernehmen. "Das ist natürlich ein genialer Plan", lobte Aukrugs Ex-Bürgermeister Eitel-Wolf Necker, "das ist die ideale Lösung." Was die Finanzierung der Staudamm-Reparatur angeht, konnte Reimers einen in Aussicht gestellten 2500-Euro-Zuschuss der Gemeinde Aukrug verkünden. Auf dem Vereinskonto hat man aktuell 6200 Euro angespart. Für die noch fehlenden etwa 3000 Euro hofft man auch auf weitere Spenden aus der Bevölkerung auf das "Aukrug-Sien"-Konto Nr. 2043980 bei der Volksbank/Raiffeisenbank im Kreis Rendsburg (BLZ 21463603).

Von den 69 338 Euro, die die neue Schule von Sien samt Mobiliar gekostet hat, konnte der Partnerschaftsverein 13 434 Euro aus Eigenmitteln bestreiten, 49 004 Euro gabs vom BMZ und 7500 Euro von der Gemeinde Aukrug, rechnete Reimers vor und präsentierte die ersten Fotos vom so gut wie fertigen Schulgebäude. Bei den noch nötigen Restarbeiten gibt es das Problem, das der beauftragte Bauunternehmer am 25. Oktober an den Folgen eines Autounfalls verstorben ist. Nun müsse ADESI versuchen, mit dem Rechtsnachfolger des Firmenchefs zu einer Vereinbarung zu kommen, erklärte Reimers: "Entweder muss der schon bezahlte Vorschuss zurückerstattet werden, oder die Firma muss das Bauprojekt bis zum ausgemachten Termin Ende Februar 2010 zu Ende bringen."

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erstellt am 09.Dez.2009 | 05:59 Uhr

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