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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 17:33 Uhr

Delfin In Rendsburg : „Schiffsschrauben können eine Gefahr sein“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Sonntag tauchte im Rensburger Obereiderhafen der Delfin auf, der auch schon in Eckernförde und Kiel gesichtet wurde. Bewohner der Region machen sich Sorgen – aber Fachleute sagen, er muss den Weg zurück in die Nordsee alleine finden.

Ein Delfin im Obereiderhafen – das ist ein ganz seltenes Ereignis. So wurden die Fotos im Internet bereits von mehr als 27  000 Personen angeschaut. Allerdings tauchen in den Facebook-Kommentaren auch kritische Töne auf. „Sollte man – anstatt ihn dauernd zu filmen, fotografieren oder mit ihm zu tauchen – nicht mal langsam einen Plan schmieden, das er zurück zu seinen Artgenossen findet?“ fragt Marcus Stabler.

Eine klare Antwort auf diese Frage hat Jörg Feddern. „Nein!“, sagt der Meeresbiologe von Greenpeace. „Er hat alleine den Weg hierher gefunden, er muss ihn auch alleine wieder zurück finden.“ Zwar werden immer öfter Große Tümmler (so die genaue Bezeichnung) in der Ostsee gesichtet, weiß Christof Götze, Pressesprecher der Schutzstation Wattenmeer. Aber ob es tatsächlich vermehrt Tümmler gebe oder ob schlicht die verstärkte wissenschaftliche Beobachtung (zum Beispiel durch Unterwassermikrofone) zu mehr gezählten Tieren geführt hat, kann er nicht sagen. Zwar sind Delfine weltweit anzutreffen, aber ihre Kinderstube im nördlichen Europa ist die Nord- und nicht die Ostsee. Dort habe ihr Bestand allerdings zugenommen, so Götze.

Auch er sieht keinen Grund, jetzt aktiv zu werden. Ganz im Gegenteil: Versuche, den Delfin zum Beispiel mit Netzen einzufangen, um ihn dann in die Nordsee zu transportieren, könnten schädlich für das Tier sein, erklärt Jörg Feddern. „Er könnte einen Herzinfarkt erleiden.“ Er weiß von etlichen Versuchen, Wildtiere – und ein solcher ist auch der Delfin – in andere Gewässer zu bringen. So habe sich in einer Stralsunder Buch ein Schnabelwal befunden. „Wir haben versucht, ihn mit Futter herauszulocken“, erinnert er sich. Der Wal war neugierig, aber „letztlich hat er gemacht, was er will“. Auch wenn das zu seinem Tod geführt hat. „Wir haben ihn später verhungert aufgefunden.“

Diese Gefahr besteht für den Kanal-Delfin nicht. Es habe eine große Nordseewasser-Einspülung gegeben, berichtet Jörg Feddern. Diese habe dafür gesorgt, dass viel Futter in dem Binnenmeer und im Kanal vorhanden sei. „So lange er genug zu fressen hat, ist alles in Ordnung.“ Dieser Meinung ist auch Christof Götze. Gefahren sehen die beiden Biologen von ganz anderer Seite: Stellnetze, Fischerei und die Schrauben der großen Schiffe. Diesen kommt der Delfin in den Schleusenbecken und auch im relativ engen Kanal sehr nah, und sie könnten ihn verletzten. Dann müsste natürlich eingegriffen werden, so die Fachleute.

Die Internet-Kommentatoren machen sich außerdem Gedanken darum, ob sich der Delfin nicht einsam fühlen müsse. Verständlich, denn schließlich heißt es von den intelligenten Meeressäugern, dass sie in großen Gruppen, die bis zu 1000 Tiere umfassen können, zusammen leben. Doch auch hier beruhigen die Experten. „Es gibt ganz unterschiedliche Charaktere“, so Götze. Besonders abenteuerlustige, aber auch eher scheue. „Meist sind es die Männchen, die durch die Gegend ziehen“, erklärt er weiter. Weltweit seien einige Einzelgänger bekannt. Auf der anderen Seite wisse man schon seit der Antike, dass sie die Nähe von Menschen suchen, wie Bilder auf Vasen von Kreta zeigen. Flussmündungen üben auf die neugierigen Tiere ebenfalls einen großen Reiz aus, da sie dort in der Vergangenheit immer mal wieder gesichtet wurden.

Einen Rat haben beide Biologen: Nicht von sich aus an den Tümmler heranschwimmen und nicht anfassen. „Es ist ein Wildtier“, macht Feddern klar. Zudem könnte der Mensch Krankheiten übertragen. Ansonsten empfehlen sie den Zuschauern: „Genießen Sie dieses einmalige Erlebnis.“

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erstellt am 25.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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