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Wohnmobile am Nord-Ostsee-Kanal : Schachtholm: Verwirrung um wildes Camping

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dürfen Wohnmobilisten am Nord-Ostsee-Kanal auch über längere Zeit stehen? An dieser Frage scheiden sich die Geister.

Schachtholm | Ferienbeginn und schönes Wetter – für Norbert Treu (70) vom Wohnmobilstellplatz Schachtholm sind das ideale Bedingungen. Das Geschäft läuft vielversprechend an. „In dieser Saison war der Platz schon einige Male ausgebucht“, sagt er. Doch die Freude darüber trübt sich immer, wenn Treu außerhalb des Platzes zwischen Flugplatz und Nord-Ostsee-Kanal unterwegs ist. Dann fallen ihm eine Menge Wohnmobile auf, die am Kanal stehen statt auf dem Platz.

„Es geht mir nicht um diejenigen, die einmal irgendwo übernachten. Aber das ‚schwarze Stehen‘ sollte koordiniert werden“, sagt er. An den Fähr-Ersatzstellen am Kanal komme es oft vor, dass Wohnmobilfahrer über längere Zeit campieren. An einem Schöpfwerk in der Nähe stehe eines seit drei Wochen, hat er beobachtet. „Woanders werden Grills und Stühle herausgeholt und die Markise ausgefahren“, sagt er. Das gehe weit über den Allgemeingebrauch hinaus.

Das Argument, es ginge ihm lediglich um das Geschäft auf dem Wohnmobilstellplatz Schachtholm, will Norbert Treu nicht gelten lassen. „Wir mussten für die Fertigstellung dieses Platzes hohe Anforderungen erfüllen. Für die Brand- und Umweltschutzregeln hatten wir Kosten ohne Ende.“ Nur einige Meter vom Platz entfernt stehen die Wohnmobile ihm zufolge manchmal dicht an dicht, „aber dort schert sich niemand um Brand- und Umweltschutz“. Wie jemand über Wochen am gleichen Ort sein Abwasser entsorge, wolle er lieber nicht wissen, sagt Treu ironisch.

Die Betreiberin des Schachtholmer Stellplatzes, Erika Milling, habe vor der Eröffnung Ende Juni über vier Jahre damit zu tun gehabt, Genehmigungen zu erfüllen. Nun sei der Standort mit 49 Plätzen fertig. „Ich erwarte jetzt vom Amt Jevenstedt, dass es seine Zusage erfüllt und das Parken an den Pionierzufahrten am Kanal untersagt“, so Norbert Treu. Das sei ihm angekündigt worden. „Ich möchte mir diese Ungerechtigkeit nicht länger gefallen lassen.“

Beim Amt weiß jedoch niemand etwas von so einer Vereinbarung. „Ich glaube nicht, dass wir so eine Zusage gegeben haben. Das Wasser- und Schifffahrtsamt ist Eigentümer der meisten Flächen am Kanal, da können wir nichts verbieten“, sagte Amtsdirektor Dietmar Böhmke. Das sei auch das Ergebnis eines Gespräches zwischen der Bau- und der Ordnungsbehörde des Kreises sowie dem Amt gewesen. Laut Jens Oltmann von der Wasserschutzpolizei darf der Kanalseitenweg nicht befahren werden.

Dietmar Böhmke habe nicht festgestellt, dass es Probleme mit Wohnmobilen außerhalb der Camping- und Stellplätze gebe. Aus Behördensicht sei nur einzuschreiten, wenn die öffentliche Ordnung oder die Umwelt gefährdet sei. „Bei mir ist nicht angekommen, dass jemand Müllberge hinterlassen oder illegal die Chemietoilette geleert hat.“ Ähnlich sieht es der Breiholzer Bürgermeister, Martin Schmedtje: „Ich freue mich, wenn die Wohnmobile überhaupt ins Dorf kommen. Wenn sie niemanden stören, können sie überall stehen.“ Laut eines Flugblatts, das die Wasserschutzpolizei bereits vor mehreren Jahren verteilt hat, ist einmaliges Übernachten zur „Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit“ auf öffentlichen Flächen erlaubt. Wer aber mehrmals an der gleichen Stelle übernachtet, nur kurze Strecken von Parkplatz zu Parkplatz fährt oder Orte abseits von Fernstraßen aufsucht, etwa Strand- oder Dünenparkplätze, stelle sein Wohnmobil unerlaubt ab.

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erstellt am 16.Jul.2014 | 16:49 Uhr

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