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Rendsburger Seniorenheim : Rumoren in der „Neuen Heimat“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Betriebsleiter des städtischen Altenheims wehrt sich gegen unterschwellige Vorwürfe aus der Politik, das 100-Betten-Haus sei schlecht geführt. „Es gibt bei uns keine Managementfehler“, sagt Marcus Speck.

Der Betrieb in der „Neuen Heimat“ läuft wie gewohnt weiter. Hinter den Kulissen gärt es jedoch. Der Ratsbeschluss vom 30. März zur Zukunft der städtischen Seniorenwohnanlage beschäftigt die Mitarbeiter und auch viele Bewohner. Wie berichtet, soll das Rathaus die Einrichtung in eine Betreibergesellschaft umwandeln und nach Partnern suchen. Während dieser Prozess läuft und in einem Monat Ergebnisse vorliegen müssen, meldet sich jetzt der Chef des Hauses zu Wort. Betriebsleiter Marcus Speck sieht sich von Teilen der Politik unterschwellig herabgewürdigt. Vor allem der konservative Flügel würden die Geschäftsführung lieber heute als morgen in Hände geben, die auch außerhalb des kommunalen Kosmos’ agieren und aus der Erfahrung mit weiteren Seniorenheimen schöpfen. Dafür sieht Speck keine Notwendigkeit: „Es gibt in der ,Neuen Heimat‘ keine Managementfehler, sondern ausschließlich infrastrukturelle Probleme“, sagt der 44-jährige Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen, der das 100-Betten-Haus seit mehr als drei Jahren leitet. „Eine wirtschaftliche Auslastung ist allein aufgrund der baulichen Infrastruktur und des seit Jahren bestehenden Investitionsstaus nicht möglich.“ Das Minus bei den Einnahmen sei dadurch programmiert, stellt Speck klar. Das jährliche Defizit beträgt seit wenigen Jahren mehr als 700  000 Euro. Ein Grund: Acht Zimmer stehen wegen mangelnder Barrierefreiheit leer. Auch die vielen Doppelzimmer in der „Neuen Heimat“ sind nicht mehr marktgerecht, es fehlen Zimmer für nur eine Person.

Trotz dieser Nachteile steht die „Neue Heimat“ ausgezeichnet da, ist Marcus Speck überzeugt. „Die Nachfrage nach Pflegeplätzen ist nicht rückläufig, sondern sehr gut.“ Ohne die acht genannten Zimmer schwankt die Auslastung nach seinen Angaben zwischen 96 und 98 Prozent. „Bei entsprechender baulicher Infrastruktur gäbe es kein Defizit.“ Speck ist überzeugt, dass die „Neue Heimat“ es aus eigener Kraft wieder in die schwarzen Zahlen schaffen könnte. Für ihn steht fest: Ein Partner, „der lediglich am Management interessiert ist und sich nicht auch finanziell an den notwendigen Umbauten sowie am Defizit beteiligt“, sei für die Stadt keine wirkliche Entlastung. „Die günstigste Lösung für die Stadt Rendsburg wäre die sofortige Umsetzung unseres Eigenkonzepts.“ Gemeint sind die Pläne zur schrittweisen Erneuerung und Erweiterung der Einrichtung auf 140 Betten. Beim Einstieg eines Partners müsse die Stadt Rendsburg in jedem Fall Mehrheitsgesellschafter bleiben, schon um die Gemeinnützigkeit zu erhalten, fordert Speck. Dem 44-Jährigen ist anzumerken, dass ihm die Diskussion der vergangenen Monate zugesetzt hat. Dabei habe er sich um seine Kernaufgabe zu kümmern, die der Leiter so beschreibt: „Für mich sind das Wichtigste an der Einrichtung die Menschen. Erst die Bewohner, dann die Mitarbeiter.“

Auch Wolfgang Jürgens (52), seit April Pflegedienstleiter, sieht die Stärke des Hauses in der „Neuen Heimat“ selbst. „Wir haben äußerst motivierte Mitarbeiter, die erkennen, wie wertvoll dieser Arbeitgeber für sie ist. Die wollen diesen Weg weiter gehen.“ Von einem Seniorenheim in städtischer Trägerschaft profitierten nicht zuletzt die Patienten, so Speck. „Wir sind für alle Bürger da – auch für die mit einem geringen Pflegegrad. In anderen Häusern bekommen die oft gar keinen Platz.“

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erstellt am 10.Apr.2017 | 08:00 Uhr

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