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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 01:08 Uhr

Autobahn 210 : Riesenschritte im Schneckentempo

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Autobahn 210 wird derzeit zwischen dem Kreuz Rendsburg und Bredenbek mit neuem Asphalt ausgestattet. Regen hatte Arbeiten verzögert.

Drei Meter pro Minute – auf der Autobahn ist das ein Schneckentempo. Auf der A210 sind das derzeit jedoch Riesenschritte. Denn mit dieser Geschwindigkeit wird auf der Baustelle zwischen dem Kreuz Rendsburg und der Ausfahrt Bredenbek gerade der Asphalt verlegt. Dahinter steckt eine ausgefeilte Logistikkette, die bei kleinsten Störungen droht, zum Stillstand zu kommen. Das können sich die Arbeiter jedoch nicht leisten, schließlich muss die Autobahn bald fertig sein.

„Drei Wochen für die Asphaltarbeiten, das ist eine außerordentlich kurze Bauzeit“, sagt Ronald Lusga (51). Er ist als Bauleiter für die Firma GP Verkehrswegebau aus Halle an der Saale auf vielen Straßen im Norden unterwegs. In dieser Funktion müsse man die nötige Ruhe mitbringen, sagt er, während die Baumaschinen um ihn herum dröhnen und der Verkehr auf der anderen Seite der Leitplanke vorbeirauscht. Kein Wunder, in 26 Jahren in diesem Beruf hat er schon viel erlebt. 1996 zum Beispiel leitete er für ein halbes Jahr den Bau eines Stücks vom Moskauer Autobahnring.

Die Wahlstedter Niederlassung von GP Verkehrswegebau mit eigenem Asphaltmischwerk dient als Brückenkopf für die Baustelle auf der A210. 40 Kipplaster sind ständig zwischen der Autobahn und dem Werk unterwegs. Pro Fuhre können sie 27 Tonnen Material transportieren. Schutt wird ab- und frischer Asphalt herangefahren. Seit dem 8. August sind die Arbeiter auf dem 6,3 Kilometer langen Stück auf der Fahrbahnseite Rendsburg Richtung Kiel beschäftigt. Zunächst wurden die Deck- und die darunter liegende Binderschicht 13 Zentimeter tief herausgefräst. 17  000 Tonnen Schutt fielen dabei an. Noch immer sind die Laster dabei, das Altmaterial abzutransportieren. Wo das bereits passiert ist, wird der neue Asphalt aufgetragen – zunächst für die neue, neun Zentimeter dicke Binderschicht. Dazu ist ein Fertiger im Einsatz, eine riesige Maschine mit Kettenfahrwerk, das die schwarze Masse in einem Zuge auf der gesamten Fahrbahnbreite von 8,70 ausbreitet und glättet. Damit sich das Material überhaupt verarbeiten lässt, wird der Asphalt 170 Grad heiß angeliefert, den Bauarbeitern steht der Schweiß dabei auf der Stirn. Damit der Asphalt die Temperatur auf der rund einstündigen Fahrt von Wahlstedt zur Baustelle hält, sind die Kipplaster mit einer Thermoisolierung ausgestattet. Sie kippen das Material zunächst über eine trichterartige Öffnung in den Beschicker, eine schwere Maschine, die vor dem Fertiger fährt, um es nach und nach über ein Förderband weiterzugeben. Eine Ladung reicht für 13 Meter, denn pro Autobahn-Meter sind für die Binderschicht zwei Tonnen Asphalt nötig. Fünf Tandemwalzen verdichten den neuen Belag hinter dem Fertiger.

Wenn diese Schicht bis zur Anschlussstelle Bredenbek fertig ist, wird die gesamte Länge mit der vier Zentimeter starken Deckschicht aus feinerem Asphalt ausgestattet. Dabei wird mit Ultraschallsensoren sichergestellt, dass der Belag immer eine ebene Fläche bildet. Zudem muss ein Gefälle zu den Bankett-Seiten von 2,5 Prozent berücksichtigt werden, damit später das Regenwasser abläuft. Auf diese Weise liegt der Straßenrand an der Mittelleitplanke rund 20 Zentimeter höher als außen. Damit der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr mit Messgeräten später kontrollieren kann, ob die neuen Schichten überall dick genug sind, arbeiten die Straßenbauer alle 20 Meter reflektierende Folien ein. „Die A210 erhält den hochwertigsten Asphalt, den es gibt. Das Material ‚Splittmastix‘ ist sehr langlebig und widerstandsfähig gegen die Bildung von Spurrinnen“, erklärt Ronald Lusga. Seine Mannschaft arbeitet montags bis sonnabends von 6 bis 20 Uhr auf der Baustelle, manchmal darüber hinaus. Dennoch gibt es einen leichten Verzug von ein bis zwei Tagen, weil es in der vergangenen Woche so stark geregnet hat, dass die Firma nicht asphaltieren konnte. Ob die Autobahn zum 5. September freigegeben werden kann, ist deshalb noch offen. Die zweite Baustelle des Sanierungsprogramms, die in der Gegenrichtung zwischen Melsdorf und Achterwehr liegt, ist jedoch voll im Zeitplan. Sie ist voraussichtlich Sonntag fertig.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 10:56 Uhr

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