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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 15:39 Uhr

„Kunst“ an Hauswänden : Rendsburger gehen auf Nasen-Safari: Wer „berüsselt“ die Stadt?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Über 40 Nasen-Nachbildungen wurden in Rendsburg an Gebäude geklebt. Über die Hintergründe kann nur spekuliert werden. Urheber bleibt geheim.

Rendsburg | Die Nasen-Nachbildungen an Rendsburger Gebäudewänden decken eine breite Palette ab: Es gibt Breitnasen, Sattelnasen, Hakennasen, Höckernasen oder auch einfach nur schiefe Nasen. Mal verstecken sie sich geradezu in einem unscheinbaren rötlichen Ziegelton an den Hauswänden, mal sind sie auffällig weiß, dunkelbraun oder schwarz: Die Ton-Nasen haben Unbekannte an Häuserwänden befestigt haben.

Am Sonnabend hatte die Landeszeitung in Rendsburg drei Fotos der Nachbildungen menschlicher Riechorgane veröffentlicht, daraufhin meldeten sich Leser und informierten über 40 weitere Kunstnasen, die sie entdeckt hatten.

Auch an der Rückseite des Alten Rathauses am Altstädter Markt ist eine Nase aus Ton angebracht.
Auch an der Rückseite des Alten Rathauses am Altstädter Markt ist eine Nase aus Ton angebracht. Foto: Höfer
 

Manche begaben sich am Wochenende gleich auf die kurzweilige Suche. So wie Bente Elsen, die mit ihrer Familie Spaß bei der „Nasensafari“ hatte. Ihre Tochter Luzie (4) fand die Fotos in der Zeitung so lustig, dass sie die Exemplare Am Grünen Kranz und am Schiffbrückenplatz gleich selbst in Augenschein nehmen musste. Nach dem Spaziergang durch die Stadt hatte die Familie tatsächlich zehn weitere der Kleinst-Skulpturen entdeckt.

Hospital zum Heiligen Geist (Schloßplatz).
Ein weitere Nase an der Wand vom Hospital zum Heiligen Geist am Schloßplatz. Foto: Höfer
 

Das ist aber noch nichts gegen die Ausbeute von Martin Glüsing. Der war am vorvergangenen Sonntag auf Fototour in der Stadt unterwegs, als er auf die erste Nachbildung stieß. Dann packte ihn das Sammelfieber, wie er selbst sagt. „Mittlerweile habe ich Aufnahmen von 39 Nasen und kenne den Standort von vier weiteren. Jede Nase ist eindeutig ein Unikat. Neben vier unterschiedlichen Farben würde ich auch von unterschiedlichen Stilen sprechen, die ja fast schon auf mehrere Künstler schließen lassen könnten“, meint Glüsing.

Durchgang zur dänischen Schule am Rondo.
Dieses knollenartiges Objekt ziert ein Wand im Durchgang zur dänischen Schule am Rondo. Foto: Höfer
 

Die Nasen tauchen im gesamten Stadtgebiet auf. Es gibt Sichtungen am Nordkolleg ebenso wie am Gebäude der Stadtwerke. Die Marienkirche ist inzwischen ebenso „berüsselt“ wie das Alte Rathaus, der Schloßplatz und der Busbahnhof. Weitere Plastiken wurden entdeckt in Neuwerk, in Kronwerk-Süd und -Nord, in Hoheluft sowie in der Parksiedlung.

Schaufenster des Schauburg-Filmtheaters.
Verwechslunggefahr mit einer Kartoffel: Eine Nase hängt vor dem Schaufenster des Schauburg-Filmtheaters. Foto: Höfer
 

Drei Fragen bleiben bislang unbeantwortet. Da ist zunächst einmal Grundsätzliches zu klären: Ist es Kunst im öffentlichen Raum, grober Unfug oder ganz einfach Sachbeschädigung? Immerhin konnten einige der aufgeklebten Objekte inzwischen rückstandslos entfernt werden. Thorsten Golland, Küster der Marienkirche, ist dagegen vor allem auf die Hintergründe der rätselhaften Aktion gespannt. „Ich würde gerne wissen, welche Bedeutung die Nasen haben.“ Und zu guter Letzt: Wer ist eigentlich der Urheber der rätselhaften Nasenepidemie?

Ist es ein Künstler oder sind es mehrere? Oder handelt es sich bloß um einen Abi-Gag von Schülern? Die Recherche im Kreis der Kulturschaffenden der Stadt verläuft zunächst schleppend. Über die Hintergründe der Kunstaktion will niemand etwas wissen. Schließlich gibt es doch noch einen, der zumindest vorgibt, Kontakt zum Urheber zu haben.

Alexander Luttmann ist Sozialpädagoge und Geschäftsführer der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Schleswig-Holstein (LKJ S-H). „Ich weiß, wer es ist, aber der Künstler will anonym bleiben, und das respektiere ich“, sagt er. Er selber sei jedenfalls nicht der unbekannte Künstler. „Meine Aktionen sind leider nicht so erfolgreich“, so Luttmann. Das Rätselraten um die Stadtnasen geht also weiter.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 00:00 Uhr

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