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Landeszeitung

09. Dezember 2016 | 12:44 Uhr

Brutale Tat im November : Rendsburg: Lange Haft für 28 tödliche Hiebe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein 45-jähriger Rendsburger muss wegen einer brutalen Attacke mit einem Stechbeitel und Diebstahls elf Jahre ins Gefängnis.

Rendsburg | Die äußerst brutale Tat ereignete sich am 6. November vergangenen Jahres in einem Mehrfamilienhaus in der Boelckestraße – am Mittwoch wurde vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts in Kiel das Urteil gesprochen: Wegen Totschlags muss ein 45-jähriger Rendsburger achteinhalb Jahre ins Gefängnis. 28 Mal hatte der Angeklagte laut Obduktionsbericht mit einem Stechbeitel und im volltrunkenen Zustand auf sein gleichaltriges Opfer eingestochen. Beide waren bei einem Trinkgelage in der Wohnung eines Nachbarn in Streit geraten. Weil der drogenkranke Angeklagte zudem wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls verurteilt wurde, wird er insgesamt elf Jahre Haft absitzen müssen.

Das Motiv für die Auseinandersetzung und den fatalen Wutausbruch des bis dahin nicht durch Gewalt aufgefallenen Täters blieb im Dunkeln, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in der 90-minütigen Urteilsbegründung. Erst am Ende von vier Verhandlungstagen hatte der vielfach wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte doch noch ausgesagt. Sein Gegner sei immer lauter geworden und habe ihn genervt, erklärte der seit seiner frühen Jugend drogenabhängige Rendsburger. Deshalb habe er ihm die Faust ins Gesicht geschlagen.

Der 52-jährige Gastgeber und einzige Augenzeuge hatte den Namen des Täters vor der Polizei zunächst aus Angst verschwiegen. „Halt’s Maul, sonst bist du auch dran“, hatte der Angeklagte ihm angedroht. Später verriet sich der Zeuge. Als er kurz nach 14 Uhr die Wohnung verließ, um die Polizei zu alarmieren, wirkte der mit bis zu 2,7 Promille alkoholisierte Angeklagte weiter mit Fußtritten und Stichen auf das am Boden liegende Opfer ein, so das Urteil.

Der mit 1,9 Promille ebenfalls alkoholisierte Kontrahent (1,9 Promille) erlag am Folgetag seinen schwersten Kopfverletzungen. Eine Notoperation in der Kieler Uniklinik konnte sein Leben nicht mehr retten. Die Ärzte hatten ihm vergeblich einen großen Teil der Schädeldecke entfernt, um den Druck einer lebensbedrohlichen Hirnblutung zu lindern.

Zwei Schwestern des Getöteten nahmen als Nebenklägerinnen am Prozess teil. Während die beiden schwarz gekleideten Frauen mit spürbarer Betroffenheit Anteil nahmen und im Körperkontakt Nähe und Trost suchten, ließ der kräftige Mann mit den rotblonden Haaren die Urteilsbegründung ohne erkennbare Regung über sich ergehen.

Zu weiteren zweieinhalb Jahren Haft wurde er wegen besonders schweren räuberischen Diebstahls verurteilt: Zwei Mal war er im Supermarkt beim Mitnehmen von Spirituosen auf frischer Tat ertappt und verfolgt worden. Einen Marktleiter bedrohte er mit erhobener Wodkaflasche.

Nach Absitzen von knapp dreieinhalb Jahren soll der Rendsburger laut Urteil aus der JVA in eine geschlossene Entziehungsanstalt wechseln. Von dort könne er im für ihn günstigsten Fall nach weiteren zwei Jahren Therapie entlassen werden. Der Richter zeigte sich allerdings skeptisch: Der Angeklagte nimmt seit früher Jugend harte Drogen zu sich, später wechselte er zu Alkohol. Hinzu kommt eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Sie ist gleichbedeutend mit Gefühlsarmut und der Unfähigkeit, aus Bestrafung zu lernen. Alles zusammen könnte eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit des Angeklagten bedeuten, so die Kammer.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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