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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 19:21 Uhr

Jagdsaison : Rehwild zum Abschuss freigegeben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Novellierung des Landesjagdgesetzes streicht Abschusspläne. Jäger müssen sich nicht mehr offiziell rechtfertigen.

Am 1. September beginnt in ganz Schleswig-Holstein die Jagdsaison auf Kitze, Schmalrehe und Ricken. Böcke dürfen schon seit dem 1. Mai geschossen werden. Das ist nicht neu. Neu ist aber, dass es künftig keinen Abschussplan für das Rehwild mehr gibt. Ohne diese Pläne liegt den Jägern nun keine Mindestzahl an gejagtem Rehwild vor, das sie schießen müssen, um das ökologische Gleichgewicht in ihrem Gebiet zu erhalten – aber auch keine Höchstzahl, die sie maximal erreichen dürfen. Dies basiert auf einer Novellierung des Landesjagdgesetzes, die seit Mitte Juli gültig ist. Die Abschusspläne wurden bisher für jedes Revier anhand der vorhandenen Wildbestände erstellt und bei der Unteren Jagdbehörde des Kreises eingereicht.

„Bisher mussten wir Anzahl, Geschlecht und bei den Böcken auch das Alter im Abschussplan festhalten. Das ist jetzt alles hinfällig. Weder werden diese Informationen erfasst, noch wird den Jägern eine Menge vorgegeben“, erklärt Hans Popp, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rendsburg-West. Er stellt klar: „Wir wären für die Beibehaltung des Planes gewesen. Denn nun muss sich kein Jäger mehr dafür rechtfertigen, wenn er zu wenig Wild schießt, aber auch nicht, wenn er zu viel jagt.“

Seine Befürchtung ist, dass künftig in einigen Revieren, vor allem in den Waldjagden, zu viel Rehwild geschossen wird. Dort richten die Tiere nämlich den meisten Schaden an, indem sie die Knospen von Tannen und Laubbäumen abfressen. „Waldbesitzer sehen das Rehwild nicht gern“, weiß Popp, der befürchtet, dass „die Forsten hinlangen werden, weil sie sich künftig nicht mehr rechtfertigen müssen“. Während der Jagdzeit, die weiterhin unverändert Gültigkeit hat, dürfen die Waidmänner nun also soviel Rehwild schießen wie sie wollen – unabhängig von Alter und Geschlecht der Tiere. Hans Popp hofft dennoch, dass alles „normal weiterläuft“. Er ist sicher: „Ein Jäger, der sein Revier hegt und pflegt, schießt nicht alles weg, was ihm vor die Flinte läuft.“ Und das Rehwild auszurotten sei immerhin nicht möglich – auch das ein Lichtblick.

Während diese Novellierung durchgesetzt wurde, waren die Jäger in anderen Punkten erfolgreich: So kam es beispielsweise nicht zu dem von Umweltminister Dr. Robert Habeck vorgeschlagenen allgemeinen Betretungsrecht der freien Landschaft. „Hier hat die Lobbyarbeit zwischen Landwirten und Jägern gut funktioniert“, freut sich Popp, der diese Entscheidung als Erfolg für Wild und Natur gleichermaßen wertet. Außerdem werden auch Mauswiesel und Hermelin nicht aus dem Katalog der jagdbaren Arten gestrichen. „Nur Wildtiere, die auch dem Jagdrecht unterliegen, werden auch gehegt“, erklärt Popp. Das gelte natürlich auch bei ganzjähriger Schonzeit. „Ist ein Tier aber erstmal aus dem Jagdrecht gestrichen, ist es ein ziemlicher Kraftakt es irgendwann wieder einmal aufnehmen zu lassen“, sagt der Fachmann.

Auf Bundesebene gab es jedoch wieder eine Enttäuschung zu verkraften: Im Juni hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sein Veto gegen die geplante große Novelle des Bundesjagdgesetzes eingelegt. Vorgesehen war unter anderem, das Verbot für Bleigeschosse aufzuheben. (Wir berichteten über das Verbot.) Ziel war es, Jagdmunition einzuführen, mit der die Tötungswirkung maximiert wird, um den Tierschutz zu stärken. Außerdem waren bundesweit einheitliche, anspruchsvollere Vorgaben für die Jägerausbildung geplant. So war die Wildbret-Hygiene als Sperrfach vorgesehen. „Wer sich in dem Bereich nicht gut genug auskennt, der hätte dann keinen Waffenschein bekommen“, erklärt Hans Popp. Während seines Wissens nach der bayrische Jagdverband gut mit der geplanten Novelle hätte leben können, hat Seehofer sie abgelehnt. Statt der großen sorgte dann aber immerhin eine kleine Novelle für Rechtssicherheit für jene Jäger, die mit halbautomatischen Waffen jagen. „Diese Waffen laden zwar von allein nach, können aber trotzdem nur einzelne Schüsse abgeben“, erklärt der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Rendsburg-West. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht die Waffen zunächst verboten hatte, waren auch hierzulande viele Jäger verunsichert. Seit der kleinen Novelle des Bundesjagdgesetzes steht aber fest, dass sie diese Waffen verwenden dürfen.

Die Jäger im Kreis hoffen dennoch auch weiterhin darauf, dass die geplante große Novelle noch kommt, die Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt schon vor Monaten angekündigt hatte. Ansonsten müssten die Jäger beispielsweise für jedes Bundesland unterschiedlichste Schießnachweise und Prüfungen ablegen. Nach Hans Popps Ansicht bleibt so auch das Tierwohl auf der Strecke – und das ist, was ihm bei allen Bedenken am meisten am Herzen liegt.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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