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Landeszeitung

01. Oktober 2016 | 10:42 Uhr

Comedy op Platt : Postbüdel trifft Bayern aus Breiholz

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ausverkaufte Auftritte, Zuhörer mit Lachtränen in den Augen – „De Brotbüdels“ waren mit ihrem ersten Programm außerordentlich erfolgreich. Jetzt gibt es sie in neuer Besetzung und mit einem neuen Programm.

Mit ihrer „Comedy op Platt“ waren „De Brotbüdels“ sehr erfolgreich. Dann haben sie fast eineinhalb Jahre pausiert. Jetzt gibt es eine neue Figur und ein neues Programm. Jetzt sind die plattdeutschen Komiker wieder unterwegs – bis Ende April 2017 ziehen sie durch über 70 Dörfer. LZ-Redakteurin Sabine Sopha hat sich mit Holger Jensen und Marco Klotzbücher getroffen.

Mehr als 270 Auftritte in zweieinhalb Jahren – eine echte Erfolgsgeschichte. Hatten Sie keine Lust mehr?

Holger: Wir wollten nicht gleich wieder was Neues bringen, wir wollten die Leute nicht überfüttern.

Marco: Das erste Stück haben wir in einigen Orten mehrfach gespielt. Viele Besucher kamen das dritte Mal, weil sie dachten, wir bieten was Neues. Deshalb haben wir gesagt: Wir müssen jetzt einen richtigen Break machen.

Nur noch knapp vier Wochen bis zur Premiere. Sind Sie aufgeregt?

Holger: Ich finde, wir haben ein klasse Programm ausklabüstert. Muss ich mal ganz ehrlich sagen. Wir waren für das Kulturfrühstück in Büdelsdorf gebucht, da kamen an die 200 Leute. Wir haben die erste Halbzeit des neuen Stückes gespielt – und waren natürlich nervös.
Marco: Aber es kam gut an. Das gibt ja ein bisschen Sicherheit.

Herr Jensen, Sie haben doch immer den „Füerwehrmann“ dargestellt. Haben Sie umgesattelt?

Holger: Ja, ich bin „de Postbüdel von’t Dörp“. Der auch sehr viel erzählen kann.

Wo haben Sie denn die Uniform her?

Holger: Es war schwer, die passende Kleidung zu bekommen. Ich hab’s im Internet versucht, mir dann ein gelbes Hemd bestellt und mit dem Emblem versehen. Genauso bei der Tasche.
Marco: Also ich bin nach wie vor der bayrische Bub, der jetzt ein bisschen mehr in den Fokus rückt.

Jetzt stehen Sie im Vordergrund?

Holger: Das neue Programm heißt ja „Plattdütsch dröpt Bayrisch“. Wir dachten, wir machen mal einen kleinen Schlagabtausch. In der ersten Show habe ich auf Marco rumgehackt nach dem Motto „Hol mi op mit de Bayern“. Sie glauben gar nicht, wie die Leute reagiert haben. Die haben das ernst genommen, haben mich ausgebuht. Das fand’ ich faszinierend … (schaut auf seine Arme) ... ich krieg’ schon wieder eine Gänsehaut.

Marco, Sie stammen aber doch gar nicht aus Bayern.
Marco: Auch wenn der Name Klotzbücher nicht danach klingt – ich komme aus Breiholz-Lohklint.

Holger: Wir haben das jetzt eben kultiviert: Plattdeutsch contra Bayrisch.


Und der Dritte im Bunde?

Holger: Das ist Egon Jensen. Egon wohnt im Postkasten.

In welchem Postkasten?

Holger: Egon ist ein Vogel. Für ihn habe ich extra einen gelben Postkasten gebaut.

Aha. Sagt Egon auch was?

Holger: Als Bauchredner auf der Bühne zu stehen war schon immer mein Traum. In Stuttgart bin ich eine Woche lang zur Bauchrednerschule gegangen. Ich würde sagen, dass ich nun der einzige plattdeutsche Bauchredner bin. Allerdings lernt man in der Schule lediglich die Technik, alles andere muss man üben, üben, üben. Ich bin noch lange nicht perfekt. Ich übe eigentlich jeden Tag – auf der Arbeit sprech’ ich mit mir selbst …

Auf der ersten Tour war Lars Brodersen der dritte Mann. Was ist mit ihm?

Holger: Lars arbeitet auch noch als Trauerredner. Der Job fordert ihn immer mehr. Es hält ja nicht nur die Trauerrede, sondern führt vorher noch ein Trauergespräch. Manchmal ist er erst kurz vor dem Auftritt zu uns gestoßen. Da hat er gesagt hat: Weißt du was, ich kann das nicht mehr. Also nicht so sehr, weil er so schnell umschalten musste. Aber wegen der Masse der Termine. Er hat ja auch noch Einzelauftritte als „Buer Lars“. Er wollte sich also von etwas trennen. Dass das dann die Brotbüdels waren, hat uns schon schockiert.

Marco: Das bedeutete – entweder wir lassen „De Brotbüdels“ sterben oder die Tour geht weiter. Ein Ende bedeutet auch immer einen neuen Anfang. Weil wir schon so viele Ideen hatten, sind wir dann noch mal durchgestartet.

Wieder mit Musik?.
Marco: Die Musikanteile sind sogar ein bisschen mehr geworden. Wir spielen viele plattdeutsche Stücke, aber natürlich auch bayrische. Außerdem habe ich meinen eigenen Song dabei. Den habe ich am Ende ersten Tour getestet.

Träumen Sie immer noch von einer Solo-Karriere als Schlagerkünstler?

Ja. Gemeinsam mit einem Partner habe ich „Kind der Heimat“ geschrieben – eine Liebeserklärung an unser Land. Den Song werde ich präsentieren und wahrscheinlich ein weiteres Stück von mir – zusätzlich zu den bayrischen Sachen.

Meinen Sie, dass die bayrischen Stücke ankommen?

Marco: Ob „Zillertaler Hochzeitsmarsch“, „Auf der Autobahn“ oder „Trompetenecho“ – wenn man die live mit einer Steirischen Harmonika spielt, dann klatschen die Leute mit. Das ist Stimmungsmusik, da tauen die Norddeutschen ein bisschen auf. Und weil viele Menschen diese Stücke mit mit guter Laune verbinden, deswegen passen sie in unser Programm. Ein bisschen Witz und Mitklatschmusik – das ist ein richtig guter Mix.

Aber es werden doch nicht einfach Witze erzählt?

Holger: Nein, keinesfalls. Wer erzählen Geschichten aus dem Alltag – vom Arztbesuch oder vom Wochenmarkt, Situationen, die jeder kennt. Und alles komplett neue Sketche.
Marco: Wir haben ebenfalls ein komplett neues Bühnenbild, auf der einen Seite plattdeutsch auf der anderen Seite bayrisch gestaltet. Da haben wir sehr viel Zeit und Ideen reingesteckt. Der Postkasten für Egon nur eine Sache.


Hatte Egon Jensen denn schon Probeauftritte?
Holger: Ich hab’s schon zu Hause ausprobiert. Selbst mein Schwiegervater denkt, dass diese Puppe lebt. Das ist bei vielen Menschen so, das fasziniert mich – die sprechen mit der Puppe. Na ja, ich sprech’ ja auch mit der Puppe. Ich bin ja genauso verrückt. Ein verrückter Schleswig-Holsteiner, der sein Heimatland über alles liebt.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 19:45 Uhr

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