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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 11:00 Uhr

Wohnen auf dem Wasser : Ohne Motor, aber mit Wasserblick

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ehemaliges Plattbodenschiff stammt aus den Niederlanden. Überführung über den Nord-Ostsee-Kanal eine teure Angelegenheit.

Ob Villa, Bauernhof oder modernes Einfamilienhaus – schöner Wohnen ist am Kanal oder anderen Orten des Kreises auf vielfältige Art und Weise möglich. Häuser, aber auch Wohnwagen oder Hausboote, mit denen sich die Bewohner ihre persönlichen „Wohnträume“ erfüllt haben, stellt die Landeszeitung in lockerer Folge vor.

Die Wellen plätschern leise, am gegenüberliegenden Ufer wölbt sich ein Regenbogen über die Felder und ein paar Enten schwimmen schnatternd unter dem großen Wohnzimmerfenster vorbei. Eider-Idylle pur. „Ich habe immer davon geträumt, direkt am Wasser zu wohnen“, sagt Rainer Schwombeck. Und fügt mit einem zufriedenen Lächeln hinzu: „Aber auf dem Wasser ist noch viel besser.“

Rund 70 Quadratmeter nennt Schwombeck sein eigen: Badezimmer, Küche, Schlafraum und Wohnzimmer – alles vorhanden. Der Unterschied zum „normalen“ Haus: Seines liegt im Wasser, genauer auf der Eider bei Erfde. Es ist ein ehemaliges Plattbodenschiff, das in den 70er Jahren zum Wohnboot umgebaut wurde. Vor sieben Jahren entdeckte Rainer Schwombeck das Boot in den Niederlanden und wusste: „Das muss es sein.“ Der Makler, der mit Immobilien handelt, kaufte das schwimmende Heim und verlegte seinen Wohnsitz kurzerhand vom Ruhrgebiet in den Norden. Den hatte er bei einer Segeltour im Wattenmeer lieben gelernt. In Essen aufgewachsen, war er schon immer begeisterter Wassersportler. Paddeln und segeln mit unterschiedlichen Booten sind sein Hobby.

Das ist auch in seinem Domizil sichtbar. Gegenüber der Sitzgruppe im Wohnzimmer lehnt ein SUP-Board, denn der 56-Jährige paddelt gerne stehend auf der Eider. Diverse Dekorationsstücke geben den Räumen eine maritime Note und der Wohnzimmertisch sieht aus, als hätte der Hausboot-Besitzer ihn aus Treibholz selbst gezimmert. „Aber der ist gekauft“, zwinkert Schwombeck. Vor dem Wohnzimmerfenster, das in Richtung Steg geht, steht das Modell eines Plattbodenschiffes. Als Schwombeck sein 24 Meter langes und 4,50 Meter breites Wohnboot kaufte, hatte es keinen Mast mehr und auch keinen Motor. Es konnte sich auf eigenem Kiel, aber nicht aus eigener Kraft fortbewegen. Doch das war gar nicht das größte Problem, erinnert sich Rainer Schwombeck, sondern die Suche nach einem Liegeplatz (siehe auch Info-Kasten).

Nachdem er diesen auf der Eider gefunden hatte, musste das Boot von den Niederlanden überführt werden. Für die 580 Kilometer lange Strecke wurde es fünf Tage lang geschleppt: Über Rhein und Maas, durch den Mittellandkanal führte die Route. Zahlreiche Schleusen galt es zu bewältigen. Und auf der Elbe vor Brunsbüttel gab es dann noch ein Gewitter, „das war richtig unheimlich“, erinnert sich der erfahrene Skipper. Dann ging es durch den Nord-Ostsee-Kanal und den Gieselau-Kanal in die Eider.

So war das Schiff an sich zwar nicht teuer, aber Überführung und Renovierungen gingen ins Geld. Elektrik, Fenster (es waren bereits große Panoramascheiben eingebaut), Wände, Heizung, Fußboden, Wasserleitungen – alles hat Schwombeck neu gemacht. Vor allem die Isolierung war wichtig. Dennoch wäre er im ersten Winter fast eingefroren – denn die Gaszentralheizung war kaputt gegangen, was bis zum Kälteeinbruch unbemerkt geblieben war.

Jetzt steht im Wohnraum eine Pelletheizung die wie ein Kaminofen aussieht. „Eine saubere Geschichte“, freut sich der Hausherr. „Und sehr effizient.“ Allerdings bleibt der Ofen im Sommer kalt und damit auch das Duschwasser. Im Winter ist zwar der Ofen warm, aber es gibt kein Frischwasser zum Duschen. Da die Rohre von einem nahen Haus über den Eiderdeich verlaufen, frieren sie bei Minustemperaturen ein. Deswegen hat das Schiff im Rumpf einen großen Wassertank, der im Herbst befüllt wird und zur Wasserversorgung im Winter dient. Außerdem gibt es ja noch die Duschen auf dem Campingplatz nebenan, die genutzt werden können. Aber diese kleinen Unannehmlichkeiten stören Rainer Schwombeck nicht. Auch das Abwasser stellt kein Problem dar. Im Rumpf befinden sich Tanks, aus denen die Füllung wie bei einer Hauskläranlage abgepumpt wird, erklärt der Schiffseigner. Die Unterhaltungskosten sind mit einem Haus vergleichbar, schließlich muss Versicherung bezahlt werden und auch der Liegeplatz kostet. Anderes ist dafür überhaupt nicht mit einer Immobilie vergleichbar: „Es schläft sich gut, das Schiff schaukelt ganz leicht“, schwärmt Schwombeck. Für den das nicht der einzige Pluspunkt ist: „Das Panorama ist einfach genial“. So kommt er ohne Fernseher aus, sondern freut sich über wechselnde Himmels-Stimmungen. Und darüber, vom Heck aus einfach in die Eider springen zu können.

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erstellt am 04.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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