zur Navigation springen

Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 01:24 Uhr

Borgstedt : Notstand: Wohin mit dem Styropor?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dämmstoffe aus Styropor werden von der AWR nicht mehr angenommen. Mit Verpackungsmaterial sieht es jedoch anders aus.

Es wird als Hochleistungsbaustoff angepriesen und vielfach zur Wärmedämmung benutzt: Styropor. Doch seit Anfang Oktober dieses Jahres stuft die Europäische Union (EU) das Material als „gefährlichen Abfall“ ein. Daher hat die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) ihren Kunden mitgeteilt, dass sie sich „außerstande sieht, diese Abfälle zur Entsorgung anzunehmen“. Dem Verbraucher bleiben zur Zeit nur zwei Möglichkeiten: Zu Hause aufheben, bis eine Lösung gefunden wurde. „Oder an spezielle Recycling-Unternehmen liefern, die aber sehr teuer sind“, erklärt Ralph Hohenschurz-Schmidt, AWR-Geschäftsführer, und spricht von einem Entsorgungsnotstand.

Betroffen sind vor allem Baufirmen und Häuslebauer, denn es geht in erster Linie um sogenanntes HBCD-haltiges Polystyrol. Dies ist ein seit Jahrzehnten genutzter klassischer Dämmstoff. Damit er im Fall des Falles nicht so leicht brennt, wurde ihm bis 2014 Hexabrom-cyclododecan (HBCD) als Flammschutzmittel zugesetzt. HBCD wiederum wurde 2013 als sogenannter PBT-Stoff klassifiziert – das heißt, er gilt als schwer abbaubar, reichert sich in Organismen an und ist möglicherweise giftig. In den meisten Fällen nicht gemeint ist jenes Styropor, das für Verpackungen verwendet wird, beruhigt Hohenschurz-Schmidt. Das sei zwar manchmal nur schwer von den Dämmstoffen zu unterscheiden, vor allem, wenn es sich um große Platten handele wie zum Beispiel von TV-Verpackungen. Doch im gelben Sack könne es nach wie vor entsorgt werden. Auch die kleinen Styropor-Kügelchen oder Warmhalteboxen fallen nicht unter die neue Verordnung, da sie kein Flammschutzmittel enthalten. Bisher sei die Entsorgung HBCD-haltiger Dämmstoffe kein Problem gewesen, so der AWR-Geschäftsführer, da sie zusammen mit anderen Abfällen in Müllverbrennungsanlagen thermisch verwertet, sprich verbrannt wurden. Die AWR lieferte ihr Material beispielsweise zur Restmüllanlage nach Neumünster. Denn trotz Flammschutz – bei Temperaturen von rund 800 Grad brennt auch Styropor. Allerdings nahmen es die Anlagen nur ungern wegen des ungünstigen Verhältnisses von Volumen, das gelagert werden muss, zu brennbarer Masse. Meist musste ein Gemisch hergestellt werden.

Nun also die neue EU-Verordnung. Diese verhindert die bisher gängige Praxis, denn „gefährlich eingestufte Abfälle müssen besonders gesichert gelagert und transportiert werden. Es müssen aufwändige Entsorgungsnachweise geführt werden“. Diese Nachweise haben in der näheren Region lediglich zwei Unternehmen, erklärt Hohenschurz-Schmidt: Behrendt Rohstoffverwertung in Neumünster und KBA Dithmarschen in Bargenstedt. Da werden 150 Euro (Neumünster) beziehungsweise 350 Euro (Bargenstedt)für einen Kubikmeter fällig. Das sei sehr teuer. Für Bauunternehmen oder auch private Bauherren, welche die Dämmstoffe entsorgen wollen, hat er nur einen Rat: „Das Material zurückhalten.“ „Wir hoffen, dass sich in Kürze praktikable Lösungen auftun“, sagt der AWR-Geschäftsführer. Und gesteht: Bis dahin gibt es keinen legalen Entsorgungsweg.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 20.Okt.2016 | 09:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen