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Landeszeitung

24. Juli 2014 | 16:36 Uhr

Nortorf und Hohenwestedt kämpfen

vom

Umland des Designer Outlet-Center (DOC) in Neumünster will nicht in Schockstarre verharren

nORTORF / HOHENWESTEDT | Nur noch wenige Wochen, dann öffnet das mit Spannung erwartete Designer Outlet-Center (DOC) in Neumünster. Zusätzlich plant Neumünster die Ansiedlung eines innerstädtischen Einkaufszentrums geplant. Neumünster will so seine Attraktivität für Kunden aus einem großen Umkreis steigern. Kunden, die an anderen Standorten vielleicht den Einzelhändlern fehlen könnten. Wie sich das neue Einkaufszentrum auf Geschäfte zum Beispiel im Kreis Rendsburg-Eckernförde auswirken könnte, hat eine von der Stadt Neumünster in Auftrag gegebene Studie untersucht. Gestern haben sich in der Landeszeitung Geschäftsleute aus Rendsburg geäußert, heute kommen Einzelhändler aus Hohenwestedt und Nortorf zu Wort.

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Die Studie des Dortmunder Büros "Junker und Kruse" stammt vom Juli und sagt deutliche Umsatzeinbußen für Kaufleute in Hohenwestedt und Nortorf voraus. In der Studie nennt sich das etwas moderater "Umsatzumverteilungen". Als traurigen Spitzenreiter machen die Statistiker Hohenwestedt aus. Dort wird in der Branche "Sport und Freizeit" ein Rückgang von jährlich 18 Prozent (rund 100 000 Euro) erwartet und zwölf Prozent (100 000 Euro) bei Schuhen und Leder. Ebenfalls mit einem Umsatzrückgang von zwölf Prozent (500 000 Euro) müsse bei "Bekleidung und Textilien" gerechnet werden, so die Studie.

Die Analysten kommen zu einer differenzierten Beurteilung der Einzelhandelssituation in Hohenwestedt. Als problematisch wird die "städtebaulich-funktionale Verbindung" zwischen gewachsenen Ortskern und Fachmärkten Am Markt bezeichnet, wenngleich das Hauptgeschäftszentrum als "recht stabil" bezeichnet wird. Vor allem in den Randlagen dominierten Dienstleistungen den Einzelhandel, eine Leerstandproblematik bestehe jedoch insgesamt nicht. Durch stagnierende oder leicht rückläufige Einwohnerzahlen erwartet die Studie keine weiteren Impulse. Den Geschäftsleuten wird aber ein umfangreiches Angebot attestiert, das teilweise discountorientiert sei und damit keine direkte Konkurrenz zu dem mittel- bis hochpreisigen Bereich insbesondere im DOC ergebe.

Mit Umsatzrückgängen müssten die Einzelhändler auch in der Stadt Nortorf rechnen, sagen die Dortmunder Fachleute. 13 Prozent oder 200 000 Euro weniger werden im Segment Bekleidung erwartet. Die Umsatzverteilungen in den anderen Branchen würden unter 100 000 Euro pro Jahr liegen und seien damit rechnerisch nicht nachweisbar.

"Das Hauptgeschäftszentrum von Nortorf präsentiert sich städtebaulich wie angebotsseitig attraktiv und vielseitig mit einer kompakten Struktur und integrierten Magnetbetrieben", beschreibt die Studie. Insgesamt sei die Funktionsfähigkeit des Zentrums als hoch zu bewerten. Wie in Hohenwestedt relativiere sich die errechnete Betroffenheit durch das DOC wegen der unterschiedlichen Preisstrukturen.

Wie sehen die Einzelhändler vor Ort mögliche Umsatzeinbußen durch DOC? Dazu Peter Gebhard, Vorsitzender des Vereins für Handel, Handwerk und Industrie (VHHI): "Das wird wohl branchenweise unterschiedlich sein. Aber über alle Branchen gesehen wird es sicherlich Umsatzeinbußen geben müssen, da Kunden von dem Angebot des DOC angezogen werden. Die Käufer können das ihnen zur Verfügung stehende Budget immer nur einmal ausgeben. Die Frage ist wo." Gebhard macht sich Sorgen um Umsätze und Kundenzahlen. Leider sei der Einzelhandel in der Nortorfer Innenstadt auch schon zu einem nicht geringen Teil mit Filialisten besetzt. Diese seien nur sehr schwer oder gar nicht zur Kooperation mit dem VHHI zu bewegen. "Ansonsten werden wir weiter daran arbeiten, Nortorf als eine Familien- und seniorenfreundliche Stadt auszubauen", sagte der Vorsitzende. Es müsse beim Einkauf der qualitative Unterschied zu den großen Centren erkennbar sein.

Für den VHHI-Chef hat die Nortorfer Geschäftswelt klare Pluspunkte: "Nortorf ist überschaubar, Parkplätze sind fast immer direkt vor der Tür. In Nortorf kennen wir unsere Kunden und deren Wünsche. Die Kunden werden in unseren Geschäften gut und fachlich beraten", betont er. Die Nortorfer Einzelhändler legten besonderen Wert auf Qualität, ihrer Produkte und Leistungen, denn die Kunden erwarteten das von ihnen. Außerdem werde in vielen Nortorfer Betrieben zu den Produkten noch ein umfangreicher Service angeboten. Markenüberschneidungen würden sich allerdings nicht vermeiden lassen.

Ob es wegen der Neumünsteraner Konkurrenz zusätzliche Investitionen geben werde, konnte Gebhard nicht beantworten. "Darüber entscheidet jeder Firmeninhaber selbst. Wir bieten für unsere Mitglieder wieder Fortbildungsrunden an, um Entscheidungen auf eine fundierte Grundlage zu stellen."

Und wie sieht es in Hohenwestedt aus? Werden dort Umsatzeinbußen durch DOC erwartet? Auf Nachfrage der Landeszeitung erklärte Volker Bünning, Vorsitzender von "Hohenwestedt Marketing": "Ja, wir erwarten Einbußen. Aber wir werden vor dem DOC nicht in Ehrfurcht erstarren. Außerdem hoffen wir, dass die Umsatzrückgänge nicht so hoch ausfallen wie die Studie es vorraussagt. Als mögliche Gegenmaßnahme und direkte Reaktion sieht Bünning in einem noch intensiveren "Kümmern" um den vorhandenen Kundenstamm, denn es gebe eine Menge positiver Dinge, die die Geschäftsleute für sich verbuchen könnten. "Da ist zum Beispiel die persönliche Beratung, der bessere Service und natürlich die Kundennähe, die wir unseren Kunden schon seit langer Zeit bieten können."

Ob der Neumünsteraner Konkurrenzdruck zusätzliche Investitionen in Hohenwestedt auslösen wird, sei ihm nicht bekannt. Dass es zu Markenüberschneidungen kommen wird, damit rechnet Bünning. Allerdings kenne man noch nicht alle Marken, die ins DOC gehen.

Die Studie ist über die Homepage der Stadt Neumünster unter www.neumuenster.de zu erreichen.

von Detlef Laabs
erstellt am 23.Aug.2012 | 08:05 Uhr

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01. | Torben Frank | 23.08.2012 | 12:17 Uhr
@Peter Baumann

In einer eng bebauten Altstadt sind Parkplätze natürlich rar. Es wurde Geld in Parkdecks investiert, die kostenpflichtig genutzt werden können. Wer einen kleinen Fußweg in Kauf nimmt, kann z.B. am Rendsburger Bahnhof kostenlos parken. Aber warum immer mit dem Auto? Der Bahnhof und auch der ZOB sind nur wenige Meter von der Innenstadt entfernt. Es gibt ein großes Angebot an Abstellbügeln für Fahrräder direkt in der Innenstadt sowie zwei kostenfrei nutzbare Fahrradboxen am Schiffbrückenplatz. Natürlich gibt es auch die Fahrradstation der RABS am Bahnhof. Im Gegensatz zu Neumünster und Kiel bietet Rendsburg ein historisches Ambiente, was den Aufenthalt und Einkauf schöner macht.

02. | Peter Baumann | 23.08.2012 | 10:42 Uhr
Da werden schon Geschäftsleute wild gemacht

Man muss doch erst einmal abwarten und schauen, wie die Preise im Outlet-Center, die Menschen ansprechen. Wenn da keine echten "Knaller" zu finden sind, dann werden sich die Kunden kaum auf den Weg dorthin machen, um die Kleidung zu kaufen, die man auch in Hohenwestedt und Nortorf findet. Man muss ja auch noch immer Spritkosten und Zeitaufwand dazu rechnen. Ich kenne nun nicht die Parksituation in Nortorf, aber in Hohenwestedt kann man sehr gut einkaufen, direkt mit dem Wagen vorfahren und KOSTENFREI parken. Diesen Vorteil hat zumindest Hohenwestedt Rendsburg voraus, denn da darf man erst mal für den Parkplatz tief in die Tasche greifen und so etwas schreckt natürlich Kunden ab. Die Geschäfte stehen und fallen mit der Attraktivität der Innenstädte und sehr unattraktiv sind Parkgebühren und die "Parkzonen" in Rendsburg. Da sollte man sich Sorgen machen, aber unsere beiden Kleinstädte haben die Situation wohl deutlich besser im Griff und die Einbußen dürften nur sehr kurzfristigund keinesfalls so hoch sein, solange sich die Menschen noch von dem "Neuen" in Neumünster anlocken lassen.

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