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Landeszeitung

06. Dezember 2016 | 17:08 Uhr

Oldebüttel : Niemand will marode Gieselau-Schleuse haben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bund bietet Anlage in Oldenbüttel dem Land und den Kommunen an. Ausmaß der Schäden ungewiss.

Die Gieselau-Schleuse in Oldenbüttel steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Bund bietet zwar an, Geld für die Sanierung des 80 Jahre alten Bauwerks zur Verfügung zu stellen, doch verbindet das mit der Forderung, den Betrieb der Anlage abzugeben. Offenbar stellen sich die Politiker in Berlin vor, die Schleuse an das Land Schleswig-Holstein, an die Kreise Rendsburg-Eckernförde und Dithmarschen, an eine Kommune oder einen privaten Betreiber abzugeben. Doch überall wird abgewunken. Damit ist unklar, ob sich die Schleusentore je wieder öffnen werden.

Seit fast drei Monaten ist die Gieselau-Schleuse zwischen der Eider und dem Nord-Ostsee-Kanal geschlossen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Brunsbüttel nimmt eine große Bauwerksinspektion vor (wir berichteten). Die Schäden sind enorm: Spundwände und Schleusentore rosten, zudem sind die Mauer-Enden (Häupter), die die Tore einfassen, rissig. Das WSA geht davon aus, dass die Reparaturen zwei Millionen Euro kosten. Das Ausmaß der Schäden ist aber noch nicht ermittelt, denn derzeit wird die Inspektion erst ausgeschrieben. Zu Ostern rechnet das Amt mit Ergebnissen. Zur gleichen Zeit beginnt jedoch auch die Sportboot- und Reisesaison. Unklar ist, ob die Segler und Motorboote sowie die Ausflugsschiffe der Adler-Reederei dann den einzigen Übergang zwischen Kanal und Eider nutzen können. Für den Tourismus in der Region wäre eine dauerhafte Sperrung ein Rückschlag. Pro Jahr passieren rund 1600 Wasserfahrzeuge die 70 Meter lange und knapp zehn Meter breite Schleuse. Für den Güterverkehr hat sie jedoch keine Bedeutung mehr.

Bereits im November vergangenen Jahers hatte sich Dr. Jörn Klimant, Landrat des Kreises Dithmarschen, schriftlich an Bundesverkehrsminister Dobrindt gewandt. Er hatte auf die besondere Bedeutung für den Wassertourismus der Region verwiesen und einen Erhalt der Schleuse gefordert. In der Antwort vom 11. November 2015 wurde vom Bund dann das Angebot unterbreitet, die Schleuse zu übernehmen. Er schlägt einen Handel vor: „Der Bund bietet an, sich mit einem Finanzierungsbeitrag von maximal der Hälfte der Investitionskosten an der Sanierung der Schleuse zu beteiligen. Der andere Teil müsste vom Land, den beteiligten Kommunen oder sonstigen Dritten aufgebracht werden“, teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Johann Wadephul mit. Dazu hat er bereits im vergangenen Jahr mit zwei weiteren Abgeordneten durchgesetzt, dass die Gieselau-Schleuse mit einem Haushaltsvermerk in den Etat des Bundesverkehrsministeriums aufgenommen wird.

Nach dem Schreiben aus Bonn hat der Landrat Klimant Ende Dezember deutlich mitgeteilt, dass es für die Region nicht akzeptabel sei, dass der Bund die Gieselau-Schleuse durch mangelnde Investitionstätigkeit über Jahrzehnte hinweg verkommen lasse und sich dann mit einem unterfinanzierten Übergabeangebot an die kommunale Ebene seiner Verantwortung entziehen wolle. Weil die Gieselau-Schleuse als Teil der Bundeswasserstraße Gieselau-Kanal im alleinigen Verantwortungsbereich des Bundes steht, müsse der Bund für die Instandsetzung der Schleuse und für die Wiederherstellung der Nutzbarkeit des Gieselau-Kanals für seinen gesetzlichen Verkehrszweck Sorge tragen, schrieb er an das Verkehrsministerium.

Aus Sicht des Landrats steht der Bund in der Pflicht, die Funktionsfähigkeit und den Betrieb der Gieselau-Schleuse kurzfristig wiederherzustellen, um die Durchgängigkeit zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal für die touristische Schifffahrt zu sichern, teilt der Pressesprecher des Kreises Dithmarschen mit. Eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums zu diesem Schreiben liegt noch nicht vor.

Auch ansonsten findet das Ansinnen kaum Gehör. Das Land winkt ab: „Ein altes Bauwerk mit einem immensen Renovierungsbedarf zu übernehmen, stehen wir äußerst reserviert gegenüber“, sagte etwa Harald Haase, Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel auf Nachfrage der Landeszeitung. Auch andere mögliche Abnehmer wollen sich die Schleuse nicht ans Bein binden. Kein Wunder, denn der Betrieb kostet laut WSA Brunsbüttel bis zu 250  000 Euro pro Jahr – bei Einnahmen von rund 10  000 Euro. Beim Kreis Rendsburg-Eckernförde sieht man ebenfalls den Bund in der Verantwortung. Es werde demnächst ein Treffen mit Vertretern des Amtes Mitteldithmarschen zur Schleusen-Frage geben, sagte Bauamtsleiter Dr. Martin Kruse. „Wir wollen das Amt unterstützen, weil auch unser Kreis touristisch von einer Sperrung betroffen wäre. Die Schleuse soll in der Unterhaltungspflicht des Bundes bleiben.“

Johann Wadephul hatte sich auch an die Entwicklungsagentur Eider-Treene-Sorge GmbH gewandt. Deren Geschäftsführer, Karsten Jasper, sieht angesichts der Kosten jedoch wenig Chancen, einen privaten Betreiber zu finden. Unter Sportschiffern gilt die Schleuse als wichtige Verbindung zur Ostsee. Deshalb haben bereits rund 2500 Menschen im Internet unter www.openpetition.de eine Petition unter dem Titel „Die Gieselau-Schleuse muss schiffbar bleiben“ unterzeichnet. Sie richtet sich an Landesverkehrsminister Reinhard Meyer.

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erstellt am 23.Jan.2016 | 06:00 Uhr

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