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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 10:42 Uhr

REndsburger Heimatforscher : Neues „op Platt“ und in Farbe

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Jörn Mahrt hat seinem Enkel Hans Hermann Storm ein umfangreiches Fotoarchiv hinterlassen – mit Bildern von Tieren, aber auch von Land und Leuten. Jetzt ist ein neues Buch erschienen, in dem Storm auch über das Fotografieren damals berichtet.

Der Großvater konnte großartig fotografieren. Der Enkel kann wunderbar erzählen. Zusammen ergibt das einmalige Dokumente der Landesgeschichte. Der Großvater – das ist Jörn Mahrt, dessen Namen man heute nicht mehr kennen würde, hätte er nicht ein riesiges Fotoarchiv hinterlassen. Der Enkel – das ist Hans Hermann Storm, inzwischen fast 80 Jahre alt. Er hat die Fotos gerettet, ausgewertet und schon zahlreiche von ihnen veröffentlicht, stets begleitet von einer Geschichte. Diese Kombination hat großen Erfolg. Und dass in diesem Jahr ein neues Buch entstanden ist, hat sich aus den Reaktionen der Leser ergeben.

„Jetzt soll ich das noch mal aufbrühen“, hatte der Autor erst gedacht, als man mit der Bitte an ihn herantrat, seine plattdeutschen Geschichten in Buchform herauszugeben. Denn in der Landeszeitung erscheinen sie seit 1999 unter dem Titel „Vertelln op Platt“, im Bauernblatt als „En Bild vertellt“. Die Fans haben sie oftmals ausgeschnitten und gesammelt. Aber wie es mit Zeitungspapier so ist – mit der Zeit vergilbt es. Daher wurde bei den Storm-Fans der Wunsch wach, die Geschichten über altes Handwerk, über damalige Haushaltsgegenstände und vergangene Bräuche in Buchform vereint und jederzeit nachlesbar in der Hand zu halten. Hans Hermann Storm blättert in Band eins. „Ein Drittel der Geschichten wurden bereits in der Landeszeitung veröffentlicht“, erklärt er. Ein weiteres Drittel erschien schon im Bauernblatt. Aber die Buchform eröffnete Storm die Möglichkeit, noch mehr Bilder zu präsentieren und den Text zu erweitern. Das reizte ihn an dem Projekt – zu dem er außerdem zu einem Drittel neue Geschichten beisteuerte – und das im Rendsburger Druck & Verlagshaus realisiert wurde.

Storm schlägt das erste Kapitel auf. Vom „Aflichten domals un dat Fotografieren hüt“ ist es überschrieben. Der Enkel wollte erklären, woher die Bilder stammen und wie sie entstanden sind. Denn als Großvater Jörn Marth auf Fotopirsch ging, gab es noch keine leichte Digitalkamera. 10 mal 15 Zentimeter groß war seine Plattenkamera, die Glasplatten waren 9 mal 12 Zentimeter groß. Das Ergebnis waren Schwarz-Weiß-Aufnahmen, im Buch finden sich jedoch auch etliche Farbfotos. „Diese sind von Hand nachkoloriert worden“, erzählt Hans Hermann Storm und schildert den Prozess ausführlich im ersten Buch-Kapitel.

Fernauslöser – so etwas stand dem passionierten Fotografen auch nicht zur Verfügung. Entdeckte er einen Fasan auf dem Nest, stelle er erst einmal seinen Fotoapparat daneben auf. „Der Fasan flog natürlich weg“, schildert Storm, der viele dieser Begebenheiten aus den Erzählungen von Familienmitgliedern kennt. Dann stülpte Mahrt seinen Hut über die Kamera, so dass die Linse frei blieb, „band einen Zwirnsfaden an den Auslöser und legte sich mit einem Fernglas auf die Lauer“.

Aber auch die Menschen auf dem Lande waren Mahrts Motive. Dabei wollte er sie nicht in „Schapptüch“ (Sonntagskleidung) ablichten, sondern bei alltäglichen Verrichtungen wie dem Backen. „Er wusste ja, wie die Leute ticken“, schmunzelt sein Enkel. Er versprach ihnen einen Abzug vom Bild – und schon durfte er fotografieren. All das erzählt Storm auf Plattdeutsch. Aber: „Ich habe mir erlaubt, einige orthografische Veränderungen in der nicht bindend vorgeschriebenen Plattschreibweise zum Hochdeutschen hin zu verändern“, sagt er in seinem Vorwort. Auf diese Weise ist der Inhalt auch für Platt-Unkundige leicht zu erfassen. Zudem gibt es im Anhang noch eine Übersetzung von Wörtern, die nicht so gebräuchlich sind.

Und wer jetzt noch mehr möchte: Die nächsten Bücher hat Hans Hermann Storm fertig – allerdings nicht in der Schublade liegen, sondern auf einem Stick abgespeichert.

>Buch

Hans Hermann Storm, „Vertellen op Platt“, Geschichten mit Bildern vom Lande, Band  1, 108 Seiten, erschienen im Rendsburger Druck & Verlagshaus, 22,90 Euro

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erstellt am 10.Okt.2016 | 12:01 Uhr

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