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Landeszeitung

25. Februar 2017 | 08:00 Uhr

Rendsburger Traditionshaus : Neue Pläne für alten „Landsknecht“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wo Kanzler Helmut Schmidt einst Staatsgäste bewirten ließ, zieht nach langem Stillstand wieder Leben ein. Die neuen Besitzer wollen Wohnungen oder Gewerbeflächen, aber keine Gastronomie mehr.

Seit 22 Tagen gehört ihnen eines der bekanntesten Häuser Rendsburgs. Jetzt haben sich Kerstin (51) und Bernhard Scheil (52) erstmals geäußert, was sie mit dem „Landsknecht“ vorhaben. Bei einem Gang durch das seit fünf Jahren leerstehende Gebäude am unteren Ende der Schleifmühlenstraße präsentierte das Unternehmer-Ehepaar aus Fockbek noch kein fertiges Konzept, aber erste Ideen.

Fest steht: Die museal anmutende Fassade muss erhalten bleiben. Sie steht unter Denkmalschutz. Ob vollständig, ist noch nicht abschließend geklärt. Denn Teile der Front, etwa die Ziegelsteine zwischen dem Fachwerk, stammen nicht aus der Anfangszeit des 1541 errichteten Hauses. Sie waren bei einer Sanierung in den 1950-er Jahren nach altem Muster rekonstruiert worden.

Der damals entstandene Gebäudeteil hinter der äußeren Hülle „wird entweder saniert oder komplett neu aufgebaut“, sagte Bernhard Scheil. Mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit, dass es zum Teilabriss kommt. Der beengte Zuschnitt der oberen Stockwerke lässt eine Nutzung nach den heute geltenden Baustandards kaum zu. In der ersten Etage beträgt die Deckenhöhe lediglich 2,10 Meter, im Geschoss darüber ist sie sogar noch niedriger. Hinzu kommen strenge behördliche Vorschriften, sobald Hilfsgelder aus öffentlichen Töpfen fließen. „Bei einer Sanierung würden wir in diesem Gebiet zwar Fördermittel erhalten“, erklärte Kerstin Scheil, „aber die Auflagen sind sehr hoch“.

Im Erdgeschoss empfing bis 2011 ein Steakhouse Gäste, bis ein Wasserschaden das Ende des Betriebs besiegelte. Auf einem der Tische liegen noch immer Kinder-Speisekarten, hinter dem Tresen stehen leere Getränkeflaschen. Davor verbrachten viele Prominente fröhliche Abende im „Landsknecht“, Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Beispiel oder auch der große Sir Peter Ustinov, als er in den 1960-er Jahren ein Stück am Landestheater inszenierte.

Dass wieder ein Restaurant eröffnet, schlossen Scheils aus. Sie haben vor zwei Jahren in einen Neubau am Schiffbrückenplatz investiert und anschließend versucht, einen Gastronomen als Mieter zu gewinnen. Vergeblich. Trotz der sonnigen Lage an belebtesten Pflaster der Stadt fand sich kein Interessent. Der Bedarf sei in Rendsburg einfach nicht vorhanden, meinte Bernhard Scheil. Die neuen Hausherren peilen deshalb eine andere Nutzung an. Im vorderen Bereich schweben ihnen Büros oder eine Arztpraxis vor, weiter hinten könnten Wohnungen entstehen.

Erhalten bleiben soll auf jeden Fall ein etwa vier mal 20 Meter großer Anbau mit rotem Klinker und alten Holzbohlen im rückwärtigen Bereich des „Landsknecht“. Er soll nach Möglichkeit durch eine Dachterrasse aufgewertet werden.

Bis Ende des Jahres soll ein konkretes Konzept vorliegen, dieses Ziel haben sich Scheils gesetzt. Über den Kaufpreis wurde mit dem Vorbesitzer Stillschweigen vereinbart. Lange Zeit wurden Haus und Grund für 75  000 Euro angeboten. Aber Geld ist für Bernhard Scheil in diesem Fall ohnehin zweitrangig. Ihm liegt Rendsburg am Herzen, das unter Leerstand leidende Zentrum – er will ein Zeichen setzen. „Hier geht’s um Leidenschaft, nicht um Rendite. Wir Rendsburger Unternehmer müssen uns um diese Stadt kümmern.“

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erstellt am 22.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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