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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

Fähren im Rentenalter : Neue Kanalfähre erst Ende 2018

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bau der Schiffe noch nicht ausgeschrieben. Bund will 14,5 Millionen Euro für drei Fähren investieren. Austausch gegen externes Personal.

Die alten Fähren auf dem Nord-Ostsee-Kanal müssen noch länger durchhalten, als es bislang geplant war. Der Austausch der Flotte verzögert sich erneut. Das teilte die Generaldirektion der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung auf Nachfrage der Landeszeitung mit. Nach der ursprünglichen Planung sollte bereits in diesem Jahr das erste neue Schiff in Betrieb gehen (wir berichteten). Davon ist die Behörde jedoch weit entfernt, denn der Auftrag ist noch nicht einmal ausgeschrieben. Unterdessen wird auch das Fährpersonal nach und nach ausgewechselt. Schiffsführer und Decksleute sollen auf lange Sicht nicht mehr im öffentlichen Dienst stehen. Stattdessen steuern künftig private Unternehmen die Fähren.

Drei der 16 Fahrzeuge an 14 Fährstellen am gesamten Nord-Ostsee-Kanal befinden sich bereits im Rentenalter: Die „Nobiskrug“ ist vor 64 Jahren gebaut worden, die „Hochdonn“ und die „Audorf“ vor 63 Jahren. Eines der Schiffe hätte im Laufe dieses Jahres in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden sollen. Doch die ursprünglich für Anfang des Jahres 2015 geplante Ausschreibung kam nicht zustande. Anfang dieses Jahres hieß es noch, dass das bis spätestens Mitte dieses Jahres nachgeholt werden sollte. Auch dieser Termin verstrich, ohne dass die Generaldirektion eine Ausschreibung auf den Weg brachte. „Der Bau der drei neuen 45-Tonnen-Fähren am Nord-Ostsee-Kanal soll im vierten Quartal dieses Jahres ausgeschrieben werden. Die erste neue Fähre kann dann voraussichtlich Ende 2018 in Betrieb genommen werden“, teilt Claudia Thoma von der Generaldirektion in Bonn mit. Damit sieht es so aus, dass sich der zuletzt veranschlagte Verzug von zwei Jahren weiter ausdehnt. Auf den Fährverkehr werde das keine Auswirkungen haben, hieß es zuletzt. Die Fähren seien aufgrund regelmäßiger Wartung in einem guten Zustand.

Genau diese Instandsetzung der alten Schiffe soll mit den Neubauten vereinfacht werden, denn sie müssen laut Thoma nicht so oft gewartet werden – „die Verfügbarkeit erhöht sich“. Zudem rechnet die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung durch Hybridantriebe mit einer Kostenersparnis von mindestens 30 Prozent. Der Bund investiert 14,5 Millionen Euro in die ersten drei neuen Fähren. „Es ist vorgesehen, mittel- bis langfristig die gesamte Fährflotte am Nord-Ostsee-Kanal zu ersetzen“, so Claudia Thoma. Das kostet insgesamt 70 Millionen Euro.

Doch die Bonner Behörde hat noch weitere Pläne mit dem Pendelverkehr über die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt: „Ziel ist es, den Betrieb aller Fähren am Nord-Ostsee-Kanal nach und nach mit externem Personal zu besetzen“, teilt Thoma mit. Die Fähre Landwehr bei Quarnbek wird beispielsweise bereits seit 2008 von der Adler-Reederei betrieben. In Kudensee, Burg und Sehestedt ist das seit 2013 der Fall. „Dabei geht es immer um die Besatzung, also um Fährschiffsführer und Decksleute. Die Fähren selbst bleiben auch zukünftig im Besitz der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung“, heißt es aus Bonn. Eine fünfte Fähre in Brunsbüttel wird von der Reederei „Weiße Flotte“ betrieben. Der Personal-Austausch „vollzieht sich ohne Kündigungen. Das heißt, überall dort, wo es an den Fährstellen altersbedingte Abgänge gibt, wird nicht nachbesetzt“, erklärt Claudia Thoma. „Auslöser für den Einstieg in die Fremdbereederung waren Personalsparauflagen des Deutschen Bundestages über etliche Jahre. Der eingeschlagene Weg wird von uns fortgeführt“, fügt sie hinzu. Nachteile für die Nutzer der Fähren ergeben sich ihr zufolge nicht.

Das bestätigt Rita Koop, Bürgermeisterin von Sehestedt. „Es läuft bestens. Das Personal sorgt dafür, dass die Fähre so schnell wie möglich ablegt“, sagt sie. Die Mitarbeiter sorgen ihr zufolge auch für Ruhe am Anleger. Beispielsweise hielten sie voreilige Motorradfahrer zurück, die sich an der Warteschlange vorbei auf die Fähre drängeln wollen.

Der Pendelverkehr werde Claudia Thoma zufolge nicht durch die Privatisierung eingeschränkt. „An allen Fährstellen – bis auf ‚Fischerhütte‘ (6 bis 22 Uhr) – sind die Fähren rund um die Uhr in Betrieb. Das soll grundsätzlich auch so bleiben.“

Vorteil des Personalwechsels sei, dass Haushaltsstellen anderweitig in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung genutzt werden können, „zum Beispiel für dringende Infrastrukturmaßnahmen“. Welche Fährstelle als nächste von privaten Reedereien betrieben wird, stehe noch nicht fest, heißt es aus Bonn.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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