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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 03:18 Uhr

Schülerzahlen rückläufig : Neuanfang reißt neue Wunden

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei Jahre nach dem „Reichsbürger“-Skandal sieht sich der Vorstand der Waldorfschule wieder auf gutem Weg. Elternkritik am Führungsstil.

Zwei Jahre ist es her, dass die Waldorfschule in Rendsburg wegen eines Mitarbeiters mit angeblichen Kontakten zur rechten Szene Schlagzeilen machte. Sogar das Magazin „Der Spiegel“ berichtete 2014 über eine mögliche Unterwanderung der Waldorfschulen durch die als verfassungswidrig geltenden „Reichsbürger“. Der Rendsburger Mitarbeiter wurde fristlos entlassen, erstritt vor Gericht noch eine Abfindung (wir berichteten). Inzwischen gibt es einen neuen Geschäftsführer und Vorstand. Die Ereignisse wurden aufgearbeitet und eine Aufklärungsbroschüre erstellt. Laut den Vorstandsmitgliedern befände sich die Waldorfschule auf einem guten Weg. Das Misstrauen im Kollegium und unter den Eltern sei längst passé. Einige sind da allerdings anderer Meinung.

Im Mai 2015 war der alte Vorstand als Folge des Skandals abgelöst worden. Der Bund der Freien Waldorfschulen (Bund), in dem die Schulen deutschlandweit organisiert sind, schickte externe Mitarbeiter nach Rendsburg. Sie sollten das bekannte Haus an der Nobiskrüger Allee wieder „in die richtige Bahn bringen“, berichtet der neue Schulleiter Otto Ohmsen. Einige „betriebsbedingte Kündigungen“ seien nicht zu vermeiden gewesen, Änderungen in der Organisation der Schule standen ebenfalls an, so Ohmsen. „Eine Waldorfschule ist eine von Eltern und Lehrern getragene Einrichtung. Das hebeln wir gerade bewusst aus“, ergänzt Klaus-Michael Maurer vom Interims-Vorstand.

Die neue Struktur kommt allerdings nicht bei allen gut an. Die zahlreichen Änderungen würden als massive Einschränkung des Mitspracherechts gesehen. Gegenüber der LZ äußerten zwei Elternteile sowie ein ehemaliges Mitglied des Kollegiums große Bedenken im Hinblick auf den neuen Führungsstil an der Schule. „Es ist haarsträubend antidemokratisch und unmenschlich, wie dort miteinander umgegangen wird“, sagen sie zu den Kündigungen einiger Lehrer. Die Eltern würden sich jetzt mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit wenden, um eine Besserung zu bewirken. Namentlich genannt werden, möchten sie allerdings nicht. Zu groß sei die Angst, dass sie dann zum Sündenbock an der Schule gemacht würden.

Nach Meinung der Eltern sei nach dem Reichsbürger-Skandal vieles noch schlimmer geworden. Mit dem Eingriff des Bundes und der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen (LAG) herrsche ein strenges Regiment an der Nobiskrüger Allee. Weniger Mitbestimmung und weniger Transparenz seien die Folge. „Sie scheinen die Selbstverwaltung der Schule abschaffen zu wollen“, sagen sie. Das entspreche nicht dem Grundgedanken von Waldorf. Lehrer dürften bei Neueinstellungen nicht mehr mitreden, das Mitspracherecht aller würde eingeschränkt – so die Kritik. Außerdem befürchteten sie Qualitätseinbußen durch Kürzungen in den waldorfspezifischen Fächern Eurythmie und Sprachgestaltung. Sie fordern deshalb: „Wir möchten wieder mehr einbezogen werden. Wir möchten wieder ein Teil des Prozesses sein. Es geht uns nicht um Krawall, wir sind nur einfach sehr enttäuscht.“

Die Kritik einiger Eltern und Ex-Kollegen kann Lehrerin Yvonne Fahrig nicht verstehen: „Das Arbeitsklima hier ist so wie ich das wahrnehme ganz wunderbar“, sagt sie. Dass der Vorstand jetzt mehr Verantwortung übernehme, sei ihrer Ansicht nach eine Entlastung fürs Kollegium. „Wir können uns wieder mehr auf die Pädagogik konzentrieren.“

Die Schülerzahlen an der Waldorfschule sinken seit Jahren. Waren es 2006/2007 noch 429 Schüler sind es in diesem Jahr nur noch 344. Dies sei aber keinesfalls den Ereignissen vor zwei Jahren oder dem neuen Führungsstil zuzuschreiben, so Thomas Felmy von der LAG. Es sei ein Trend, der an allen Schulen des Landes zu beobachten sei. Im Sommer nächsten Jahres soll die Schule wieder einen eigenen Vorstand haben. Das Projekt Interims-Vorstand sei auf zwei Jahre angelegt.

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erstellt am 19.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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