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Landeszeitung

05. Dezember 2016 | 17:46 Uhr

Jevenstedt : Nach 100 Jahren: Urnen zurück in Jevenstedt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Drei Relikte aus der vorrömischen Eisenzeit werden ausgestellt.

Jahrtausende alte Urnen kehren an ihren Ursprungsort zurück: Der Heimatverein Jevenstedt hat es geschafft, dass drei historischen Funde wieder öffentlich zu sehen sind. Denn sie lagerten über Jahrzehnte ohne Beachtung in einem Museumsmagazin. Die Gefäße stammen aus einem Urnenfriedhof aus der früheren vorrömischen Eisenzeit, der bereits in den Jahren 1906 bis 1909 östlich von Jevenstedt freigelegt wurde. Drei der damals ausgegrabenen Urnen werden seit gestern in einer Vitrine im Amtshaus ausgestellt.

Dr. Angelika Abegg-Wigg vom Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf brachte die geschichtsträchtige Fracht gestern nach Jevenstedt. Vorsichtig stellte die Kuratorin eine Urne nach der anderen in eine große Glasvitrine im Eingangsbereich der Amtsverwaltung in der Meiereistraße 5. Sievert Nickels, Vorsitzender des Heimatvereins Jevenstedt, platzierte Informationsblätter vor den Ausstellungsstücken, bevor die Vitrine wieder verschlossen wurde.

Der frühgeschichtliche Urnenfriedhof liegt auf dem „Kühlken“, der etwa einen Kilometer östlich des Dorfes an der Niederung der Jevenau zu finden ist. Als dem damaligen Museum für vorgeschichtliche Altertümer in Kiel in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts Funde gemeldet wurden, begann Carl Rothmann 1906 mit Ausgrabungen. „Da wurde erkannt, dass es sich hier um eine größere Sache handelt“, erklärte Abegg-Wigg. Die Ausgrabungen zogen sich über drei Jahre hin. Das gesamte Gelände wurde dann in den Jahren 1949 und 1950 freigelegt. Insgesamt fand man 474 Grabstellen. „Vermutlich waren es noch mehr. Viele Gräber waren beim Pflügen zerstört worden“, sagte Nickels.

Die Urnen befanden sich in 30 bis 60 Zentimetern Tiefe und waren durch Steinabdeckungen geschützt. Der überwiegende Teil der Jevenstedter Keramik sei unverziert, stellte Abegg-Wigg fest. Metallbeigaben seien relativ spärlich. Dabei würden Eisengeräte gegenüber den Bronzebeigaben überwiegen. Auch im Schleswiger Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf sind einige Urnen aus dem Jevenstedter Gräberfeld ausgestellt.

Wo so viele Menschen bestattet wurden, müsse es auch eine Siedlung in der Nähe gegeben haben, sagte Abegg-Wigg. Über den Volksstamm, der dort gelebt hat, sei allerdings nichts bekannt. Man könne aber sagen, dass die Belegung des Urnenfriedhofs von 550 bis 220 vor Christus erfolgt sei, sagte die Wissenschaftlerin.

Sievert Nickels hatte bereits im Frühjahr Kontakt zum Landesmuseum aufgenommen, nachdem er gehört hatte, dass Urnen aus Jevenstedt im Magazin des Museums in Busdorf lagerten. Bald erhielt er eine Zusage, drei Exponate als Dauerleihgabe für zwei Jahre zu erhalten. „Für mich ist das wie Weihnachten“, freute Nickels sich gestern, als er die Vitrine mit den Ausstellungsstücken verschloss.

Bürgermeister Dieter Backhaus lobte den „aktiven Heimatverein“. Die Ausstellung der drei Urnen sei eine Belohnung für dessen Arbeit. Der Eingangsbereich der Amtsverwaltung sei ein guter Standort, meinte Backhaus. „Ich hoffe, dass viele Bürger kommen und schauen, welche Schätze wir hier ausgestellt haben.“ Neben den drei Urnen zeigt der Heimatverein in der Vitrine auch Gerätschaften, die ein Hufschmied in vergangenen Zeiten für seine Arbeit brauchte. Die alte Schmiede im Dorf, ein Gebäude aus dem Jahr 1722, hat der Verein mit zurzeit 128 Mitgliedern wieder hergerichtet und ein Museum daraus gemacht. Schulklassen kommen häufig zu Besuch. Und auch an der Aktion „Ferienspaß“ beteiligt sich der Heimatverein mit Angeboten.

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