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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 01:21 Uhr

Musik-Fest für die ganze Familie

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Internationale Meister und junge Talente spielten in der Scheune von Gut Emkendorf / Kinder studierten eigenen Auftritt ein

Deutlicher als beim Musikfest in Emkendorf lässt sich die neue Ausrichtung des Schleswig-Holstein Musikfestival-Programms kaum darstellen: Zwei Tage Musik und Landleben vom Feinsten – auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte. Kühle Temperaturen, feuchter Rasen, Nieselregen. Musikfans hielt das nicht ab: Beide Tage waren ausverkauft und damit das beste Beispiel dafür, dass auch ungewöhnliche Programme mit Anspruch sehr viele Menschen begeistern können. Geboten wurde abwechselnd eine Stunde Musik und Pause – perfekt!

An junge Eltern wurde auch gedacht. Während der Konzerte bereiteten Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren unter sachkundiger Anleitung von Lotte Schwarz und Jantje Fischhold ihren Auftritt auf der großen Festival-Bühne vor. 16 kleine Musikfestbesucher wurden in der Kindermusikwerkstatt betreut, sangen, trommelten und malten mit dem Ziel, auf der großen Bühne ein kleines Programm für die Großen aufzuführen. Mehrfacher Gewinn und gelungener Schachzug: Die Kinder hatten Spaß und die Eltern (sowie das Publikum) konnten ungestört die Musik genießen.

Ein gelungenes Musik- und Familienwochenende erfordert weitere Zutaten. Schon lange vor Beginn waren Campingstühle, Tische, reichlich Essen und Trinken zum Pausen-Picknick aufs Gutsgelände getragen worden. Musik, unter freiem Himmel Essen und Trinken genießen, sich mit Freunden treffen und ganz viel reden traf die Bedürfnisse Vieler – auch wenn das Wetter sich launisch und wechselhaft zeigte. Die Zutaten sind eine Erklärung für das Wunder Emkendorf: Jeweils weit mehr als 800 Gäste kamen zu zwei Tagen mit Kammermusik im Duo, Trio und Quartett. Am Sonnabend-Abend hieß das Motto „Night of Gypsy Swing“ – mit „Chapeau Manouche“ und im Vorprogramm „Zmei3“, einer Band, die zur Hälfte rumänisch und deutsch besetzt ist. Beide Live-Auftritte zeichneten sich durch folkloristischen Ton aus. Ein Ausflug in die Weltmusikszene – das wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen. Klares Ziel der neuen Programm-Ausrichtung unter dem Intendanten Dr. Christian Kuhnt um ein größeres, auch junges Publikum zu gewinnen und zum Zuhören zu verführen.

„Hochkarätige Ensembles und großartige junge Talente entführen das Publikum in unterschiedlichste musikalische Welten und begeistern mit vokalem und instrumentalem Können“ , versprach das Programmheft. Künstler traten auf, die größtenteils noch am Anfang einer Karriere stehen. Wie die Geigerin Liv Migdal oder die Klarinettistin Vera Karner. Faszinierend Liv Migdals Wiedergabe der „Passacagia“ aus Heinrich Ignaz Franz Bibers Rosenkranzsonate und der „Tzigane“ von Maurice Ravel. Am Klavier wurde sie von Eglé Staskuté begleitet. Ebenso ein Vollblut-Talent ist Vera Karner und begeisterte mit der Beherrschung ihrer Klarinette.

Neun Künstler in drei Ensembles zeigten am am Sonnabendnachmittag, zehn am Abend ihr Können; am Sonntag waren es mit den Teilnehmern der Endausscheidung zur Verleihung des Sparkassen-Förderpreises weitere zehn. Mehr Abwechslung vertragen selbst eingeschworene Klassik-Kenner und Musikfans kaum. Dennoch gehörte alle Aufmerksamkeit den Musikern auf der Bühne. Die Emkendorfer Scheune wurde durch sie zu einem der ganz selten gewordenen Orte der Aufmerksamkeit für außergewöhnliche Hörerlebnisse.

Ein aufschlussreiches Wochenende. Durchwachsen im wahrsten Sinne des Wortes: Nicht wie das Wetter „gut“ oder „schlecht“, sondern vielfältig. Unvergesslich der Abschluss des Nachmittags, der nicht im Programmheft angekündigt war. Der Auftritt der Musikwerkstatt-Kinder mit ihrem lustigen Lied vom dunklen Wald in Emkendorf. „Da haust ein Räuberpack“. „Das war noch nie so schön wie jetzt“, schwärmte ein Ehepaar beim Hinausgehen. Stimmt – dieser Auftritt ging zu Herzen.

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