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Landeszeitung

10. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Prozess erst im November : Missbrauch in Hohenwestedt: Psychiater prüft Schuldfähigkeit des Verdächtigen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Psychiater begutachtet den Hohenwestedter in Untersuchungshaft. Der 53-Jährige musste sich schon mal vor Gericht verantworten.

Hohenwestedt | Nach dem sexuellen Missbrauch an mehreren Kindern in Hohenwestedt hegt die Staatsanwaltschaft Kiel offenbar erhebliche Zweifel daran, dass der mutmaßliche Täter bestraft werden kann. Sie hat einen Psychiater damit beauftragt, den 53-Jährigen zu untersuchen. Bis es zu einem Prozess vor dem Landgericht kommt, können noch Monate vergehen.

Der Mann war Ende Mai festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in Neumünster. Zuvor war bekannt geworden, dass der Hohenwestedter mehrere Kinder zum Teil schwer sexuell missbraucht haben soll. Das wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch nach mehr als einem Monat der Ermittlungen weiterhin vor. Laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler sind keine weiteren Vorwürfe hinzu gekommen. Der 53-Jährige soll sich an drei Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren zwischen Dezember 2015 und Mai dieses Jahres mehrmals vergangen haben. Die Taten sollen sich in der Wohnung des Mannes in einem Wohngebiet im Zentrum Hohenwestedts zugetragen haben.

Die Staatsanwaltschaft habe eine Begutachtung angeschoben, teilte Axel Bieler auf Nachfrage des sh:z mit. „Derzeit klärt ein Psychiater, ob der Beschuldigte schuldfähig ist und in welchem Umfang“, sagte der Oberstaatsanwalt. Hintergrund ist, dass der Mann als psychisch krank gilt. Er hat vor gut 20 Jahren bereits wegen Sexualstraftaten vor Gericht gestanden, wurde jedoch nicht verurteilt, weil er für schuldunfähig erklärt wurde. 2009 musste er sich erneut vor Gericht verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, 1989 seine Freundin in der Nähe von Fockbek erdrosselt zu haben. Gegenüber der Polizei hatte er die Tat gestanden, im Prozess jedoch widerrufen.

Vor Gericht wurde damals klar, dass es sich um einen geistig behinderten und minderbegabten Mann handelt. Die damalige stellvertretende Leiterin der Hohenwestedter Behindertenwerkstatt, in der er damals beschäftigt war, berichtete während des Verfahrens als Zeugin, dass der unter Wahnvorstellungen und schizophrenen Schüben leidende Mann ihr gegenüber sagte, dass sein „zweites Ich“ das Verbrechen begangen habe. Bereits damals hatte er wegen seiner Behinderung und seiner Alkoholsucht offenbar seit Jahrzehnten einen gesetzlichen Vormund.

Bieler bestätigte, dass der Staatsanwaltschaft Bildmaterial vorliegt, auf dem der mutmaßliche Täter unter anderem mit den Kindern zu sehen ist, an denen er sich vergangen haben soll. Diese Fotos deuten ihm zufolge jedoch nicht auf einen sexuellen Missbrauch hin. „Darauf sind keine strafbaren Handlungen zu sehen“, sagte er. Die Bilder werden jedoch als Beweismittel eingesetzt.

Wann es zum Prozess gegen den 53-Jährigen kommt, sei Bieler zufolge noch nicht abzuschätzen. Bei Verfahren, in denen der Beschuldigte in Haft sitzt, müsse sich die Staatsanwaltschaft nach dem Grundsatz der Beschleunigung richten. Das heißt, das Verfahren müsse innerhalb von sechs Monaten eröffnet werden. Dementsprechend muss die Anklage vor Ablauf der Frist erhoben werden, damit das Gericht einen Eröffnungstermin festlegen kann. „Wir versuchen, die Ermittlungen so schnell wie möglich abzuschließen“, sagte Bieler.

Sollte der Psychiater in seinem Gutachten zu dem Schluss kommen, dass der Hohenwestedter schuldunfähig ist, kann der Mann Bieler zufolge nicht bestraft werden. In dem Fall komme es vor Gericht zu einem Unterbringungsverfahren statt zu einem Strafverfahren. Dann gilt er nicht als Angeklagter, sondern weiterhin als Beschuldigter. Der Oberstaatsanwalt rechnet damit, dass das Gutachten noch Wochen oder sogar Monate in Anspruch nimmt. Es sei jedoch möglich, vorher Anklage zu erheben, um die Sechs-Monats-Frist einzuhalten. Das Gericht könne später noch von einem Straf- auf ein Unterbringungsverfahren umschwenken. Mit der Eröffnung ist also erst Ende November zu rechnen.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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