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Landeszeitung

08. Dezember 2016 | 11:05 Uhr

Größer wohnen : Mieter erhalten mehr für ihr Geld

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde gibt es für ein Viertel des Einkommens so viel Wohnfläche wie nirgends im Land. Mieterbund kritisiert Studie.

Wohnungsmieter im Kreis Rendsburg-Eckernförde bekommen am meisten für ihr Geld. Wer ein Viertel seines Einkommens für Miete ausgibt, kann im Vergleich zu den anderen Kreisen und großen Städten des Landes die größten Wohnungen beziehen. Das hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln ergeben (wir berichteten). Der Deutsche Mieterbund warnt jedoch: Das Ergebnis ist nicht so einfach auf das gesamte Kreisgebiet anwendbar.

Konkret haben die Kölner Wirtschaftsforscher für Rendsburg-Eckernförde ermittelt: „Für 25 Prozent seines Einkommens erhält ein durchschnittlicher Haushalt 2016 hier eine Wohnung mit 108 Quadratmetern“, heißt es in der Studie. Gegenüber 2010 sei diese Zahl noch einmal um vier Prozent gestiegen, damals waren es noch 104 Quadratmeter. Aus seiner bundesweiten Betrachtung leitet das Institut ab, dass die Mieten in den vergangenen sechs Jahren nicht so stark gestiegen sind wie die Einkommen. Damit können sich die Einwohner in vielen Regionen Deutschlands größere Wohnungen leisten. Von starken Mietsteigerungen seien lediglich einige Ballungszentren betroffen, „während in weiten Teilen der Republik die Mieten real kaum zulegen und teilweise auch zurückgehen“, schreiben die Wissenschaftler.

Darin ist wohl auch der Grund für die Spitzenposition Rendsburg-Eckernfördes in Schleswig-Holstein zu finden. Mit 108 Quadratmetern für ein Viertel des Einkommens führt der Kreis vor dem Herzogtum Lauenburg mit 105 Quadratmetern. Die Nachbarkreise Steinburg (103), Schleswig-Flensburg und Dithmarschen (beide 102), Segeberg (97) und Plön (96) kommen auf weit geringere Zahlen. In den Städten Neumünster und Kiel sind mit 89 beziehungsweise 71 Quadratmetern viel kleinere Wohnungen zu haben. Mehr für das Einkommensviertel ist erst weit südlich und westlich Hamburgs zu haben. Erst im Landkreis Wesermarsch am Jadebusen können sich die Menschen 111 Quadratmeter leisten. Und in Lüchow-Dannenberg sind es 121 Quadratmeter. Der Bundesdurchschnitt beträgt 94 Quadratmeter. Das Institut der deutschen Wirtschaft resumiert, dass sich Mieter mehr Fläche leisten können und dass „keine flächendeckende Knappheit an bezahlbarem Wohnraum“ herrsche. Eine stärkere Regulierung der Wohnungsmärkte sei daher nicht nötig, lautet daher der Hinweis an die Politik. Carsten Wendt, Geschäftsführer des auch für den Kreis Rendsburg-Eckernförde zuständigen Kieler Mietervereins, ist damit nicht einverstanden. „Die Schlussfolgerung ‚Der Markt wird es schon richten‘ stimmt nicht in Regionen mit angespanntem Wohnraummarkt – und die gibt es auch im Kreis Rendsburg-Eckernförde“, sagte er auf Nachfrage der Landeszeitung. Das gilt Wendt zufolge vor allem für das Kieler Umland, Gettorf und Eckernförde. In einem Flächenkreis sei das Gefälle der Mietpreise in den einzelnen Regionen eben stark. Deshalb sei das Ergebnis der Studie nur bedingt aussagekräftig. Während in den genannten Teilen des Kreises sicherlich weit weniger als die 108 Quadratmeter für ein Viertel des Einkommens zu haben seien, kommen Mieter in strukturschwächeren Gebieten laut Wendt sicher auf eine größere Wohnfläche, etwa im Süden.

Der Geschäftsführer des Mietervereins kritisiert zudem, dass der Studie die Bruttomieten zugrunde liegen. „Bei Warmwasser und Heizung hatten wir in der Vergangenheit einen drastischen Einbruch der Kosten. Das freut uns zwar, aber das niedrige Niveau ist kein dauerhafter Zustand“, sagte er. Sobald der Ölpreis wieder anziehe, sei es damit vorbei. Diese Faktoren an den Mietkosten seien weder durch Mieter noch durch Vermieter zu beeinflussen. „Eine Bereinigung auf die Nettomietbelastung wäre aussagekräftiger“, so Carsten Wendt. Insgesamt sei es wichtig, dass die Rahmenbedingungen im sensiblen Wohnraummarkt durch den Staat flankiert werden.

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erstellt am 17.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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