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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 18:42 Uhr

„Mario Barth deckt auf“ : „Mehr Juristen als Bauarbeiter“: So führte RTL den Rendsburger Kanaltunnel vor

vom
Aus der Onlineredaktion

In Rendsburg sorgt der Tunnel schon lange nicht mehr für Erheiterung - im Fernsehen dafür umso mehr.

Rendsburg | Mal sehen, ob er es irgendwann tatsächlich tragen wird. Auf jeden Fall ist Mario Barth seit Mittwochabend Besitzer des berühmten Rendsburger T-Shirts mit der Aufdruck „Mach' mal Pause - Kanaltunnel Rendsburg“. Er erhielt es aus den Händen von Joachim Llambi, und dieser hatte es im Spätsommer bei Dreharbeiten rund um Rendsburgs Dauerbaustelle getragen. Bevor Barth sein neues Kleidungsstück bewundern konnte, sendete RTL in „Mario Barth deckt auf“ den siebenminütigen Beitrag über die völlig aus dem Ruder gelaufene Sanierung des Kanaltunnels, die ursprünglich 25 Millionen Euro kosten sollte und derzeit auf mindestens 64 Millionen Euro veranschlagt wird.

Was in Rendsburg seit Jahren nicht mehr für Erheiterung sorgt, produzierte unter den Gästen im Studio zahlreiche Lacher. Llambi schnitt eine Stauszene an die nächste, ließ im Stau stehende Autofahrer zu Wort kommen („Hier sieht man nie mehr als drei Bauarbeiter bei der Arbeit“) und interviewte den Vorsitzenden des Regionalentwicklungsausschusses, Tim Albrecht, der in die gleiche Kerbe schlug („Hier laufen mehr Juristen rum als Bauarbeiter“). Eine Anspielung auf die Vertragsstreitigkeiten zwischen den beteiligten Firmen und dem Auftraggeber der Baustelle, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

„Sind die Rendsburger einfach zu dumm, eine Ausweichroute zu nehmen?“, fragte Llambi und lieferte die Antwort gleich mit. So kamen auch die marode Hochbrücke und die bei einer Havarie zerstörte Schwebefähre zu TV-Ehren. Für die Zuschauer wurde klar: Die Rendsburger sind nicht dumm, sondern sie sind das Opfer einer unflexiblen und trägen Infrastrukturpolitik.

Akzeptable Ausweichrouten gibt es nicht. Das stellte Llambis Beitrag mit herrlicher Süffisanz dar und ergänzte es um das Drama um die neue Höhenkontrolle, die kurz nach der Inbetriebnahme einen Stau nach dem anderen auslöste. Das allerdings geschah erst nach Ende der Dreharbeiten, aber offenbar ist der Reporter ein aufmerksamer Zeitungsleser.

Llambi stellte den Zuschauern in Aussicht, dass die Tunnelsanierung im Jahr 2019 fertig ist - sechs Jahre später als ursprünglich vorgesehen. Das könnte noch jede Menge Material für künftige TV-Beiträge geben. Ob Llambi allerdings wieder nach Rendsburg kommen wird, ist ungewiss. Dafür stand er während der Dreharbeiten auf der Nord- und Südseite des Kanals einfach zu lange vor dem Tunnel im Stau.

Mit seinem TV-Format hatte sich Mario Barth übrigens in der vergangenen Woche blamiert: Er wollte sich ein Bild von den Demonstranten vor dem Trump-Tower machen - traf dort aber niemanden an. Doch der Grund dafür war nicht etwa, dass es keine Proteste gegeben hätte - Barth war schlicht zur falschen Zeit dort.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 21:39 Uhr

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