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Landeszeitung

03. Dezember 2016 | 10:42 Uhr

Mit Video : Mehr als altes Eisen - das neue Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf

vom

Fünf Jahre lang wurde am Eisenkunstgussmuseum geplant und gebaut. Die Direktorin spricht von einem „mutigen Entwurf“.

Büdelsdorf | Über 1500 Grad Celsius braucht es, um Eisen zum Schmelzen zu bringen. Erst dann hat es einen Zustand erreicht, um in filigrane Kunst gegossen zu werden. Ein roter Strahl aus über 300 Lichtern ist es auch, der wie flüssiges Eisen rot glühend den Besucher durch die Ausstellung des neuen Eisenkunstgussmuseums in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) führt.

 

Nach fünf Jahren Planungs- und Bauzeit feiert das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf am Freitag die Neueröffnung seiner Dependance gegenüber der einstigen Eisengießerei Carlshütte. „Wir haben das Ganze einmal umgekrempelt und uns für einen mutigen Entwurf entschieden“, sagte die Direktorin des Landesmuseums, Kirsten Baumann, am Donnerstag zur Vorbesichtigung.

Die Wartezeit hat sich gelohnt. Das Eisenkunstgussmuseum präsentiert auf 400 Quadratmetern ein modernes Ausstellungskonzept. Die Zeiten statischer Vitrinenausstellungen sind vorbei. Viele Exponate stehen frei. Dadurch kommt nicht nur die Oberflächenästhetik zur Geltung. Der Verzicht auf Vitrinen garantiert, dass etwa Rollstuhlfahrer die Ausstellung ohne störende Reflexionen anschauen können.

Nicht mehr chronologisch, sondern thematisch wird der Besucher durch die kühle Ästhetik und damit verbundene kunst- und zeitgeschichtliche Phänomene geführt. „Das 19. Jahrhundert war die Glanzzeit des Eisengusses von der Architektur, über die Kunst bis in den Alltag“, erklärt Museumsleiterin Ulrike Ernemann. Wer sich mit den gusseisernen Objekten beschäftigt, kann viel über diese Zeit lernen.

Portalfiguren aus Eisenguss stehen im Raum „Jagd im Wandel der Zeit“.

Portalfiguren aus Eisenguss stehen im Raum „Jagd im Wandel der Zeit“.

Foto: dpa

So wurde etwa der antike Motiv- und Formenschatz im 19. Jahrhundert populär und damit als Ästhetik beliebt für die Eisenindustrie. Die Kunst der Antike als Vorbild ist einer der Schwerpunkte. Weitere sind Jagd- und Denkmalkult sowie die Befreiungskriege (1813-1815). Damals waren Frauen aufgefordert, ihren Goldschmuck abzugeben, um den Kampf gegen Napoleon I. finanziell zu unterstützen. Es war die Geburtsstunde des Eisenschmucks, den sie im Gegenzug erhielten.

Von der Maßgabe der Vollständigkeit hat sich das Museum verabschiedet. „Wir zeigen 320 Exponate. Vor dem Umbau waren es gut doppelt so viele“, sagt Ernemann, die gemeinsam mit dem Kurator und ihrem Vorgänger als Museumsleiter, Ulrich Schneider, sowie dem Münchner Gestaltungsbüro „Die Werft“ für die Neukonzeption verantwortlich ist. Von den vielen Eisenöfen, die die Ausstellung einst prägten, ist noch ein knappes, aber mit Augenmaß ausgewähltes Dutzend übrig.

Immer wieder soll der Besucher an sogenannten Medienstationen aktiv werden. Der Jagdkult etwa kann über ein Computerspiel erschlossen werden. Wer möchte, nimmt einen Tablet-Computer mit auf den Rundgang und profitiert von Filmen und Audiokommentaren.

Es war die legendäre Unternehmerin Käte Ahlmann, die 1960 zu ihrem 70. Geburtstag den Bau des Museums stiftete. Als Inhaberin der Büdelsdorfer Carlshütte hatte die Geschäftsfrau über viele Jahre eine Eisenkunstguss-Sammlung aufgebaut, für die sie einen Ort zur Aufbewahrung suchte. 2010 fiel er in einen langen Winterschlaf. Dieser hatte sich schon in den Vorjahren in Form erheblicher Bauschäden angedeutet. Doch die Zukunft schien – für die Museumslandschaft untypisch – rosig: 2006 starb ihr Sohn Josef-Severin Ahlmann und vermachte sein Privatvermögen der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Die Bedingung: Der Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich dürfe nur für das Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf verwendet werden.

Das war ein großer Glücksfall für die Stiftung, aber auch eine große Verantwortung. Die Besucher werden nun ganz genau hinschauen, was aus dem Vermögen geworden ist. Rund 2,5 Millionen Euro sind in das Museum geflossen, allein zwei Millionen Euro davon in das Gebäude. Heute erfülle das mit viel Aufwand sanierte Gebäude alle energetischen und brandschutztechnischen Bestimmungen. Zinseinnahmen sollen den Betrieb gewährleisten und ihn von Unterstützung durch die öffentliche Hand unabhängig machen. Auf die derzeitige Situation am Zinsmarkt angesprochen, reagieren die Verantwortlichen etwas zerknirscht. Bei den Besucherzahlen sind sie optimistischer. Direktorin Kisten Baumann: „Wir hoffen langfristig auf 4000 bis 5000 Besucher im Jahr.“ Sie sollen dem Weg des Eisens folgen.

Das Eisenkunstgussmuseum wird am Freitag eröffnet und kann ab 15 Uhr besucht werden. Morgen beginnt der reguläre Betrieb – dienstags bis sonntags 12 bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Besucher können auch das Jüdische Museum in Rendsburg kostenlos besuchen. Am Eröffnungswochenende ist der Eintritt frei. Tel.: 04621/813333.
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erstellt am 01.Jul.2016 | 15:26 Uhr

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