zur Navigation springen

Landeszeitung

07. Dezember 2016 | 21:27 Uhr

Rendsburg : Mediterrane Klinik-Küche

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Krankenhaus stimmt seinen Speiseplan mit der Herzstiftung ab.

Krankenhauskost ist für viele Patienten ein Grund, die Klinik so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Die Imland-Klinik stellt da mit ihrer eigenen Küche seit jeher eine positive Ausnahme dar. Caterer mit Kantinen-Essen kommen hier nicht über die Schwelle. Björn Schneidemesser, Leiter der Klinik-Gastronomie, und sein Küchenchef Ralf Hustfeldt haben dennoch Optimierungs-Potenzial gesehen. Sie haben das Projekt „Mediterrane Küche“ der Deutschen Herzstiftung für die Imland-Kliniken umgesetzt. Hustfeldts persönliches Ziel ist es, dass „30 Prozent der Patienten und der Angestellten auf mediterranes Essen umsteigen.“

Die Premiere war gestern im Angestellten-Casino in der sechsten Etage der Imland-Klinik. „Freitag ist bei mir immer Pommes-Tag. Gleich werden wir lange Gesichter sehen“, sagt Hustfeldt und freut sich. Weil er weiß, dass gesundes Essen auch gut schmecken kann, und er gleich den Beweis antreten wird.

Auf den Tischen stehen statt Naschwerk Teller mit Gemüsestreifen und Dips, Steckrüben, Staudensellerie, Kohlrabi, rote oder gelbe Möhren. „Alles alte Sorten, die heute wieder schwer im Kommen sind“, sagt Hustfeldt. Mediterran ist trotzdem anders. „Wir arbeiten mit hiesigem Gemüse, es ist aber leichter zubereitet als sonst“, sagt er. Dazu gibt es frische Smoothies – dickflüssige Säfte mit hohem Fruchtfleisch-Anteil. Die sehen zwar äußerst „gesund“ aus, schmecken aber trotzdem. Und genau darum geht es beim Projekt mediterranes Kochen. Die Gäste von Hustfeldt und Schneidemesser sollen nicht mit strenger Diätkost verschreckt werden, sondern mit gut schmeckendem Essen gelockt werden, das auch noch gesund ist. Und im Idealfall davon so inspiriert sein, dass sie es auch zu Hause ausprobieren.

Das Projekt hat einen ernsten Hintergrund. Viele Volkskrankheiten sind auf falsche Ernährung zurückzuführen. Herzinfarkte und Diabetes werden durch sie zumindest begünstigt. Ursache dafür ist in vielen Fällen der zu häufige Konsum von tierischen Fetten, sagt der Chefarzt für Kardiologie, Nour Eddine El Mokhtari. „Und die mediterrane Küche hat eine immens positive Auswirkung auf Volkskrankheiten.“

Bislang sei das Thema Ernährung in Krankenhäusern viel zu sehr vernachlässigt worden, findet Petra Struve. „Auch Ernährung kann gesund machen“, sagt die ärztliche Direktorin der Imland-Klinik. „Über Geschmack kann man ja immer streiten, aber aus internistischer Sicht unterstützen wir das Projekt absolut.“

Im Kampf gegen Bluthochdruck, zu hohe Cholesterin-Werte oder Herzgefäß-Erkrankungen gibt es Mittel, die man nicht in der Apotheke bekommt, sondern auf dem Markt. Mehr Gemüse, weniger Fleisch, und trotzdem soll niemand das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen. Das ist die Aufgabe von Schneidemesser und Hustfeldt, und sie ist ambitioniert. „In der Gemeinschaftsverpflegung stehen wir noch auf dem Stand der 60-er Jahre“, sagt Björn Schneidemesser. Wenn das Projekt gut angenommen wird, würde er gerne auch spezielle Kochkurse in der Klinik anbieten. Der Probelauf in der vergangenen Woche war schon einmal vielversprechend. Es gab Kabeljau-Filet in mediterraner Gemüsekruste. 70 Essen wurden verkauft, für ein neues Gericht ein sensationeller Wert, wie Hustfeldt sagt. Zum Vergleich: Für die Mitarbeiter werden täglich zwischen 250 und 280 Essen zubereitet, für Patienten sogar bis zu 540 Essen. Beim Essen wird für Angestellte und Patienten übrigens kein Unterschied gemacht. Beide bekommen die gleichen Mahlzeiten.

Das Lob für die verschiedenen Gerichte – unter anderem Hühnchen mit Gemüse oder Salate mit Beluga-Linsen und Couscous, kommt prompt und zahlreich. „Das Essen ist sehr lecker“, sagt Radiologe Jörg Richter. „Aber dass es heute keine Pommes gab, ist trotzdem schade.“

zur Startseite

von
erstellt am 23.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen