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Kreisjägerschaft Rendsburg-West : Marderhund klaut Fuchs die Beute

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ein Raubtier aus Asien tritt massenhaft in der Region auf. 109 Exemplare gingen den Jägern zuletzt in die Falle.

Marderhund und Waschbär sind in den Revieren der Kreisjägerschaft Rendsburg-West auf dem Vormarsch. Die Gesamtstrecke der Marderhunde hat sich in den südlich des Nord-Ostsee-Kanals gelegenen Hegeringen zum zweiten Mal in Folge nahezu verdoppelt. Den Jägern gingen in der vergangenen Jagdsaison 109 dieser Tiere in die Falle. Bei den erlegten Waschbären sind die absoluten Zahlen vergleichsweise niedrig. Trotzdem ist der Sprung von einem Exemplar in der Saison 2015/2016 auf jetzt neun Waschbären bemerkenswert. Das wurde während der Jahresversammlung deutlich.

Vor zwei Jahren hatten es die Waidmänner noch mit 28 Marderhunden zu tun. In der Saison 2015/2016 waren es bereits mehr als 60. Den Sprung auf 109 erklärt sich der Kreisjägerschaftsvorsitzende Hans Popp damit, dass das eingewanderte Tier keine natürlichen Feinde hat. Der eigentliche Lebensraum liegt in Ostasien. In Europa wurde es vermutlich einst ausgesetzt. Die Zuwanderung ins Kreisgebiet erfolgt von Osten her. „Jetzt kommt der Marderhund auch zu uns, und er vermehrt sich explosionsartig. Wir müssen sehen, dass wir ihm Herr werden, sonst wird er sich weiter ausbreiten“, sagte Popp zur Landeszeitung. Ein Grund dafür sei, dass das Tier nachtaktiv ist. Dadurch sei es schwer zu erlegen. Deshalb werden Marderhunde überwiegend lebend mit der Falle gefangen. „Sonst kriegen wir die nicht. Nachts vom Hochsitz aus sind sie praktisch nicht zu erkennen“, erklärte Popp.

Die Sorge der Jäger ist, dass die „Neubürger“ auf lange Sicht heimische Tiere verdrängen. „Der Marderhund ist ein Raubtier wie der Fuchs. Beide stehen in direkter Nahrungskonkurrenz“, sagte Popp. Auf der „Speisekarte“ stehen ihm zufolge Vögel, die am Boden brüten, Mäuse, Junghasen, aber durchaus auch Enten. „Die Jagdstrecke bei Füchsen geht zurück. Wir wissen noch nicht, ob das am Marderhund liegt. Das lässt sich erst in vier bis fünf Jahren sagen, wenn Vergleichszahlen vorliegen“, erklärte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft.

Ebenso bemerkenswert wie die Ausbreitung fremder Arten ist auch der Zuwachs, den die Jäger selbst zu verzeichnen haben. Dank 49 Neuzugängen haben die Hegeringe der Kreisjägerschaft Rendsburg-West jetzt eine Gesamtmitgliederzahl von 844 zu Buche stehen. 2006 habe man mit seinerzeit 854 Jägern zuletzt eine so hohe Mitgliederzahl gehabt, vermerkte Hans Popp. Der Hegering Aukrug freute sich im vergangenen Jahr über zwölf Neueintritte, in Beringstedt waren es zehn, in Hanerau-Hademarschen sieben, in Hohenwestedt elf, in Jevenstedt sieben und in Oldenhütten zwei. „Das zeigt, dass wir auf einem sehr, sehr guten Weg sind“, meinte Popp und wandte sich an die im Hohenwestedter Sport- und Jugendheim versammelten Waidmänner: „Zu verdanken haben wir das euch, die ihr die Jungjäger mitnehmt und ihnen die Möglichkeit gebt, mit auf die Jagd zu gehen.“ Lob für die Jäger gab es auch von Barbara Rennekamp von der Kreisverwaltung. „Ich danke ihnen allen für den ehrenamtlichen Einsatz, den sie für Natur und Umwelt leisten“, sagte die Fachdienstleiterin für allgemeines Ordnungswesen und Verkehr. Der neue Präsident des Landesjagdverbands Schleswig-Holstein, Wolfgang Heins, kritisierte derweil in seinem Grußwort jedwede behördlichen Auflagen: „Wenn man uns in unseren Möglichkeiten einschränkt, können wir nicht erfolgreich das machen, was die Gesellschaft von uns erwartet.“

Der stellvertretende Kreisjägermeister Thore Lohse berichte während der Versammlung unter anderem von einer „seit drei Jahren rückläufigen“ Hasen-Strecke (insgesamt 767 Exemplare gegenüber 915 im Vorjahr) sowie über eine „auffällig sinkende Dachs-Strecke“ (158 gegenüber 197 im Vorjahr). Die Zahl der Wildschweine in den Revieren bewege sich „nach wie vor auf einem absolut erträglichen Niveau“, stellte Lohse fest: „Punktuell gibt es Probleme, aber insgesamt ist der Bestand in Ordnung.“ Der wiederum sehr milde Winter könne indes zu einem deutlichen Zuwachs beim Schwarzwild führen: „Wir erwarten irgendwann eine große Explosion – vielleicht schon in diesem Jahr.“

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